Dinslaken: Caritas will Zentrale nach Voerde verlegen

Umzug nach Friedrichsfeld : Caritas-Zentrale verlässt Dinslaken

Der Verband möchte von Dinslaken in die frühere Parkschule im Voerder Stadtteil Friedrichsfeld ziehen. Auch ein medizinischen Versorgungszentrum will sich dort ansiedeln.

Der äußere Rahmen hätte für die aus Sicht der beiden Partner freudige Botschaft passender nicht sein können: bestes Sommerwetter bei leichter Brise, Vogelkonzert, in grüner Umgebung – Idylle pur. Für Michael van Meerbeck hat der Ort, an dem und für den er soeben gemeinsame Pläne mit der Stadt Voerde verkündet hat, „etwas Klösterliches“, stellt er schmunzelnd fest. Der Caritasverband Dinslaken-Wesel, dessen Direktor er ist, möchte an der früheren Parkschule in Friedrichsfeld unter anderem mit seiner Zentrale eine neue Heimat finden.

Der aktuelle Standort in Dinslaken an der Duisburger Straße hat für diesen Zweck zwar ausgedient, wird aber von dem Verband nicht aufgegeben. Das im Edith-Stein-Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite untergebrachte Sozialpsychiatrische Zentrum soll die Räume in dem frei werdenden Gebäude übernehmen, wie van Meerbeck beim gemeinsamen Pressegespräch mit der Stadt Voerde gestern ankündigte.

Der Umzug der Caritas auf das ehemalige Grundschulgelände in Friedrichsfeld und der damit verbundene Grundstücksverkauf von der Stadt an den Verband stand da noch unter dem Vorbehalt der Entscheidung des Rates, der darüber heute im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung beschließen wird. Angesichts der einstimmigen Voten sowohl im Ausschuss für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung als auch im Haupt- und Finanzausschuss in der vergangenen Woche sah Bürgermeister Dirk Haarmann kein Hindernis, die Öffentlichkeit vorher über das Vorhaben zu unterrichten. Bei dem Plan handele es sich „nicht zwingend um einen Zufall“, aber um einen „Glücksfall“, kommentierte er. Nach den Sommerferien soll es eine Bürgerinformation geben.

Ursprünglich hatte die Stadt das rund 15.500 Quadratmeter große Grundstück freiräumen und Platz für neuen Wohnraum schaffen wollen. Als er van Meerbeck von diesem Plan berichtete, habe der Caritas-Direktor die Absicht geäußert, sich die städtische Liegenschaft anzuschauen. Van Meerbeck begründete den vorgesehenen Umzug von Dinslaken nach Friedrichsfeld, der Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres vonstatten gehen soll, unter anderem mit dem aus Sicht des gesamten Betreuungsgebietes der Caritas gegebenen Mittelpunkt, den der Voerder Stadtteil bietet. Dinslaken „an der südlichen Grenze des Einzugsgebietes“ sei „sehr weit weg von Meerhoog oder Büderich“. Die Caritas betreut neben Dinslaken, Voerde und Hünxe auch Hamminkeln, Wesel und Schermbeck. „Wir haben für das Gesamtgebiet Verantwortung“, sagte van Meerbeck und unterstrich hinsichtlich des Zwistes mit der Stadt Dinslaken: „Es geht nicht darum, irgendwelchen Konflikten aus dem Weg zu gehen.“

Die Frage, ob der Streit die Entscheidung leichter gemacht habe, beantwortete der Caritas-Direktor diplomatisch: Jeder Konflikt biete die Möglichkeit, neue Perspektiven zu erarbeiten. In Dinslaken werde man alle Dienste aufrecht erhalten, betonte er und verwies auf die Erweiterung des Karl-Leisner-Hauses um eine fünfte Gruppe als Beispiel für weiteres Engagement.

Zudem argumentierte van Meerbeck mit dem nicht ausreichenden Raumangebot am jetzigen Verwaltungssitz an der Duisburger Straße. Auf dem früheren Schulgelände in Friedrichsfeld möchte die Caritas neben der Verwaltung den haustechnischen Dienst, den Mahlzeitendienst und einen Teil des Fuhrparks ansiedeln – und „in der Perspektive“ Altenhilfe- und Jugendhilfeangebote. An der neuen Adresse sieht van Meerbeck anders als am aktuellen Sitz die Möglichkeit für Schulungen, Versammlungen der Mitarbeiter, Sitzungen oder den Abschluss der Caritas-Wallfahrt.

Als erster Mieter möchte bereits zum 1. November dieses Jahres die schon in Lohberg und Walsum ansässige Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) gGmbH in einen Gebäudeteil der alten Grundschule einziehen, wie Barbara Mentrop gestern für die Gesellschaft erklärte. Ihr zufolge sollen dort mit dem MVZ zwei Fachrichtungen angesiedelt werden: die allgemeinmedizinische und die pädiatrische (Kinderheilkunde) Versorgung. Angesichts der Überalterung von Ärzten und der Schließung kleiner Praxen gehe der Trend dahin, die medizinische Versorgung über solche Zentren zu bündeln, kommentierte Bürgermeister Haarmann die geplante Ansiedlung in der ehemaligen Parkschule.

Der Caritasverband wird, wie Voerdes Technischer Beigeordnete Wilfried Limke erklärte, knapp 12.000 Quadratmeter des Geländes erwerben. Auf etwa 4500 Quadratmetern Fläche will die Stadt in dann deutlich abgespeckter Form ihren Plan, neuen Wohnraum zu schaffen, mit Hilfe eines weiteren Investors realisieren. Die Turnhalle will sie behalten. Die Hauptzufahrt zum neuen Caritas-Standort soll von der B 8 aus über die Straße Am Blumenanger erfolgen.

Auch künftig soll die Stadt bei Bedarf in der Parkschule Flüchtlinge unterbringen können – aktuell leben dort keine. Dabei handele es sich um eine „befristete“ Maßnahme, betonte Haarmann. Die bisherige Kapazität lag bei 122 Plätzen, zukünftig sollen es bis zu 80 sein. Nach dem Verkauf an die Caritas würde die Stadt Gebäudeteile anmieten und durch die Caritas wäre eine Hausmeister- und Betreuungsfunktion gegeben – unter Einbeziehung der Leistungen von Stadt und Ehrenamt.

(P.K.)
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