Unsere Woche: Dieser Wonnemonat droht, kein gutes Ende zu nehmen

Unsere Woche : Dieser Wonnemonat droht, kein gutes Ende zu nehmen

Zwei Beispiele dafür, dass in Dinslaken zurzeit einiges aus dem Ruder läuft.

Was das Wetter angeht, macht dieser Mai seinem Ruf als Wonnemonat ja bislang durchaus Ehre. Was aber die Entwicklung Dinslakens und das Agieren der Mehrheit derer, die dafür die Verantwortung tragen, betrifft, ist die Lage eher geeignet, auch die Laune des noch so sonnigsten Gemüts dauerhaft zu verdüstern. In Dinslaken läuft gerade einiges aus dem Ruder. Glauben Sie nicht, sagen Sie? Was soll denn immer diese Schwarzmalerei, fragen Sie? Nun denn, dann also mal zwei von mehreren Beispielen, die zeigen, dass man keinesfalls zu den Endzeit-Apokalyptikern gehören muss, um zu befürchten, dass das alles gar kein gutes Ende nehmen kann. Dieser Mai war noch jung, als ein Brief der Bezirksregierung in Sachen Schullandschaft öffentlich wurde, auf dem die Dinslakener Verwaltung schon seit dem 12. April hockte. Schon diese zeitliche Diskrepanz zeigt, dass die Dinslakener Verwaltung in der Causa Schulen offenbar mal wieder gewillt ist, den Ball möglichst flach zu halten, obwohl der Inhalt des Schreibens dramatisch ist. Die Bezirksregierung stellt ganz eindeutig die Zukunft der vor gar nicht allzu langer Zeit gegründeten Sekundarschule in Frage und mahnt einen tragfähigen Vorschlag zur Entwicklung der Dinslakener Schulstruktur bis zum November an. Für die Verwaltung ist das offenbar kein Grund zur Aufregung. Für die beiden großen Parteien im Dinslakener Rat wohl auch nicht. Bislang haben sich SPD und CDU zum Brief jedenfalls noch nicht geäußert. Dabei hätten sie und die Verwaltung wirklich allen Grund, ihr Spiel auf Zeit zu beenden. Man kann die Geschichte der Sekundarschule nicht ständig bis ins letzte Geäst aufdröseln. Fakt aber ist, dass die Verwaltung im trauten Zusammenspiel mit der Ratsmehrheit gegen schon damals warnende Stimmen die Gründung der neuen Schulform durchgesetzt hat. Dann hat sich diese Mehrheit, als sich die Warnungen als nur allzu realistisch erwiesen haben und von einem eigens in Auftrag gegebenen Schulgutachten auch bestätigt wurden, nicht dazu durchringen können, Konsequenzen zu ziehen. Die Folge ist eine unsägliche Hängepartie für Schule, Kinder und Eltern, die Verwaltung und Ratsmehrheit offenbar noch immer nicht beenden wollen.

In dieser Woche hat sich dann die Caritas in einem offenen Brief an den Bürgermeister gewandt, in dem sie sich über eine "Hetzjagd" der Stadt beklagte. Auch diese Angelegenheit hat viele Facetten. Aber schon die Tatsache, dass ein großer Wohlfahrtsverband, der seit vielen Jahren in gutem Einvernehmen mit der Stadt zusammenwirkt und dabei anerkannt gute Arbeit abliefert, sich zu einem derartig drastischen Schritt gezwungen sieht, zeigt, wie viel Porzellan hier inzwischen zerschlagen worden ist. Auslöser für das Zerwürfnis ist die Auseinandersetzung um den vom Rat beschlossenen und vom Bürgermeister gewollten Bau von Flüchtlingsunterkünften. Hier gab es auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise offenbar Fehleinschätzungen. Nur zu verständlich ist allerdings, dass die Caritas keinerlei Neigung verspürt, sich dafür allein den Schwarzen Peter zuschieben zu lassen. Wer aber wie der Bürgermeister nicht gewillt ist, seinen Teil der Verantwortung zu übernehmen und es zulässt, dass ein Verband, den er selbst zur Hilfe gerufen hat, allein in den Senkel gestellt wird, vergiftet das gesellschaftliche Klima in dieser Stadt. Und was tun CDU und SPD in diesen Tagen? Sie diskutieren darüber, ob ein Jugendhilfeausschussvorsitzender abgelöst werden sollte, weil er Mitstreiter zu einem fröhlichen Kaffeetrinken eingeladen hat. Das, wie gesagt, kann kein gutes Ende nehmen.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: joerg.werner@rheinische-post.de

(RP)
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