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Dinslaken: Die Vision vom "Seequartier Bärenkamp"

Dinslaken : Die Vision vom "Seequartier Bärenkamp"

Dinslaken ohne Trabrennbahn? Undenkbar! Stimmt nicht. Natürlich lässt sich das denken. Die Architekten Lutz Neuhaus und Bernd Bassfeld haben es getan. Herausgekommen ist ein großzügiger Entwurf zur Bebauung des Geländes.

Knapp zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich am Bärenkamp-Carreé haben die Architekten vom Büro Neuhaus und Bassfeld einen städtebaulichen Entwurf für das Gelände der Trabrennbahn Dinslaken vorgelegt. Vor dem Hintergrund der positiven Entwicklung, mit der vom Land Nordrhein-Westfalen ausgezeichneten Klimaschutzsiedlung auf dem angrenzenden Stallgelände der Trabrennbahn, hatte Dinslakens Baudezernent die Architekten ermuntert, einen Masterplan für das Gelände der Trabrennbahn zu entwickeln.

Dinslaken: Die Vision vom "Seequartier Bärenkamp"
Foto: Büttner, Martin (m-b)

Mit seinen Achsen, Wegen und Grünflächen beziehe sich, so Bernd Bassfeld, der Entwurf auf den Stadtentwicklungsplan von Heinrich Nottebaum aus dem Jahr 1927. Vor allem aber solle sich die 60-jährige Geschichte der Trabrennbahn widerspiegeln und mit dem Erhalt einzelner Gebäude und der Formensprache des Sees die Identifikation mit der Trabrennbahn auch in die Zukunft tragen. Für den Fall, dass dem Trabrennsport die Trendwende nicht gelinge, gebe es mit dem vorgelegten Konzept eine Handlungsalternative, sagte Bassfeld "Wir sollten vorbereitet sein und nicht erst anfangen, über Alternativen nachzudenken, wenn dieses 13 Hektar große Areal brach liegt."

Das Planungskonzept beinhaltet als zentrales Element einen öffentlich zugänglichen See. Die 4,7 Hektar große Wasserfläche nimmt den Umriss der Trabrennbahn auf und soll Naherholung mit Wohnen, Kultur und Arbeit verbinden. Zu Fuß oder per Rad lässt sich der 1,3 Kilometer lange "Bärenkamp-See" umrunden. Eine Anbindung an den Rotbach- und den Emscher-Radweg ist angedacht. Entlang des Sees können Bänke und Holzdecks, Aussichtspunkte und Steganlagen zum Verweilen einladen. Der Zielturm soll erhalten bleiben und eine Ausstellung über die Geschichte des Trabrennsports in Dinslaken beheimaten.

Tribünenhäuser: Flankiert wird der See an der Ostseite von drei "Tribünenhäusern", die, wie die Kölner "Kranhäuser", übers Wasser ragen. Hier können 60 exklusive Wohnungen und Appartements mit Seeblick für Menschen aller Altersgruppen entstehen.

Einfamilienhäuser als ökologische Siedlung: An der westlichen Seeseite können, auf in die Wasserfläche ragenden Halbinseln, 74 Einfamilienhäuser gebaut werden, jedes mit einem Steg am Ende des kleinen Gartens. Die Häuser sollen Familien mit Kindern ein naturnahes Wohnen in einer ökologischen Siedlung bieten.

Die Südinsel: Als formgebendes Element, mit einem eleganten Bogenbau ist die Südinsel eine von drei Inseln im "Bärenkamp-See". Hier ist eine Büro- und Gewerbenutzung geplant. Eine als Allee angelegte Chaussee verbindet die drei Inseln und führt zum Tor der Altstadt.

Die Schlossinsel: Auf der mittleren Insel könnte, abgeleitet aus dem Stadtentwicklungsplan von 1927, das "Wasserschloss Bärenkamp" entstehen. Geplant ist das Gebäude-Ensemble in klassizistischer Bauweise, ähnlich der Elbchaussee in Hamburg, nach einem Entwurf von Professor Kahlfeldt, Berlin. Die Nutzung als Mehrgenerationen-Residenzen ist eine weitere neue Form des Wohnens. Jung und Alt, Familien und Singles, Menschen mit und ohne Behinderung finden hier Wohnraum, der nicht auf vier Wände beschränkt ist. Die Eigentümer oder Mieter leben in der eigenen Wohnung und zugleich in Gemeinschaft mit anderen Menschen unterschiedlicher Generationen. Die "Schlossresidenz" als Mittelpunkt der gesamten Quartiersentwicklung soll, als Achse zum Gutshaus Bärenkamp und der Schlosstraße, den historischen Bezug zum alten Landgut Bärenkamp wiederherstellen.

Die Stadtinsel: Hier sollen in bester Innenstadtlage 90 Wohnungen entstehen, als Mix aus Eigentumswohnungen, bezahlbaren Mietwohnungen und Senioren-Appartements.

Hausboote, Marina, Strand: "Urlaub zuhause und jeden Tag", ist die Idee, 20 Hausboote als alternative Wohnform in das Konzept zu integrieren. Auch eine Nutzung als Ferienhaus oder als schwimmendes Boarding Apartment ist möglich. Am nördlichen Ufer könnte die Umnutzung der heutigen Kurventribüne in eine bewirtschaftete Marina mit Café, Außenterrasse und kleinen Läden das neue Seequartier perfekt ergänzen. Am Südende des Sees könnte ein öffentlicher und bewirtschafteter Strand mediterrane Atmosphäre verbreiten.

Das Thema "Neue Wohnformen" habe in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen erklärte Lutz Neuhaus. Der Entwurf zeige, wie nachhaltiger Wohnungsbau auf Basis neuer Wohnmodelle Möglichkeiten schaffe für eine optimale Verbindung aus kommunikativen Strukturen, umweltfreundlichem Bauen und hoher Lebensqualität.

Baudezernent Thomas Palotz begrüßte gestern die Initiative der Dinslakener Architekten, betonte aber gleichzeitig, dass damit nicht das Aus für die Rennbahn eingeläutet werden solle. Stadtentwicklungsplanung allerdings müsse einen Zeitraum von 20 Jahren und mehr im Auge haben. Zudem gebe es einen konkreten Anlass über die Zukunft des Geländes nachzudenken. Der Regionalverband Ruhr frage derzeit bei den Kommunen den Bedarf für Wohnbaufläche ab. Dinslaken müsse sich dazu im nächsten Jahr äußern. "Da sollten wir uns schon überlegen, ob wir ein solches an die Innenstadt angebundenes Gelände für mögliche Wohnbebauung melden", sagte Palotz.

Falls eine solche Planung irgendwann verwirklicht werde, sei es aus Sicht der Stadt von großer Bedeutung, dass dort kein rein elitäres Wohnquartier entstehe. "Wir wollen nicht Leute aus Düsseldorf anlocken, sondern Dinslakenern dort auch bezahlbaren Wohnraum anbieten können", sagte Palotz.

(RP)