Dinslaken: Die singenden Seefahrer aus Hiesfeld

Dinslaken: Die singenden Seefahrer aus Hiesfeld

Seit 2002 singt der Shanty-Chor Hiesfeld Lieder, wie sie früher von Seeleuten auf dem Meer angestimmt wurden. Die Mannschaft um Chorleiter Thomas Baumann hat dabei bereits in halb Europa Erfahrungen mit Auftritten gesammelt.

Offiziell hat die Gaststätte Hiesfelder Hof am Dienstag Ruhetag. Tatsächlich ist der Schankraum geöffnet, aber nur für die Mitglieder des Shanty-Chor Hiesfeld, die hier jede Woche proben. Gut 25 Sänger sitzen auf den Stühlen, die in Reihen aufgestellt sind. Dazu ein halbes Dutzend Instrumentalisten mit Gitarren, Akkordeon und Geige, die sich in einer Ecke des Raumes tummeln. Zwischen den beiden Gruppen steht Chorleiter Thomas Baumann und leitet die Chormitglieder an. Sie alle lieben "die Stürme, die brausenden Wogen", sind gern singend auf dem "Hamborger Veermaster" unterwegs oder fragen den Bootsmann, "wo die Reise hingeht". Heute proben die Seebären vom Rotbachstrand, wie sich die Mitglieder des Shanty-Chors auch nennen, "Fields of Athenry". Das Lied handelt von der irischen Hungersnot zwischen 1846 und 1849, von der auch die Bewohner der Stadt Athenry betroffen waren.

"Wir machen jetzt erstmal die Unterstimme mit Gitarre und Akkordeon", sagt er. Los geht's. Baumann lobt die Sänger, korrigiert ein wenig, weil Ton und Aussprache des englischen Textes noch nicht ganz richtig sind. Hin und wieder witzeln die Männer untereinander mit kurzen Sprüchen. Es wird gelacht. Dann wird wieder ernsthaft geprobt, bis das Lied zweistimmig und mit Instrumentalbegleitung erklingt.

Was spielerisch und locker wirkt, hat die Chormitglieder schon auf weite Touren geführt. In Polen, Frankreich und den Niederlanden war der Shanty-Chor Hiesfeld zu Gast. Er trat auf der Kieler Woche auf, bei der Sail in Bremerhaven und stand 2012 beim Bundesvision-Song-Contest in Berlin auf der Bühne. "Das wurde damals von Stefan Raab moderiert und wir sind als Background-Chor aufgetreten", erinnert sich Rolf Nachtsheim, stellvertretender Vorsitzender des Chores. Der hat im Hiesfelder Hof auch Hausrecht, weil er dort im August 2002 von Wirt Norbert Raymann gegründet wurde. Schnell wuchs der Chor von etwa einem Dutzend Mitglieder auf seine heutige Stärke von 57 Mitgliedern an, von denen neun als Instrumentalisten im Chor mit dabei sind. Gespielt wird dabei auf Akkordeon, Gitarre, E-Gitarre, Bass, Mandoline, Darabuca, Cajón, Mundharmonika, Dudelsack und Tin Whistle und neuerdings Geige.

Denn mit dem 71-jährigen Willem de Bruijne hat der Chor erst vor kurzem ein neues Mitglied gewonnen. Der gebürtige Niederländer hat lange Zeit in Essen gelebt, ging dann nach England und lebt jetzt in Duisburg. "Dort habe ich beim Auftritt eines anderen Shanty-Chores Kontakt zu einem Chormitglied aus Hiesfeld bekommen", erzählt der Geiger. Er kam zur Probe nach Hiesfeld und war sofort begeistert. "Das ist hier echte Freundschaft", erzählt er. "Es ist eine Sache, Noten zu spielen und zu singen, aber eine ganz andere, daraus auch Musik zu machen. Dafür muss man sich untereinander verstehen", sagt er. Und das ist bei den Mitgliedern des Shanty-Chors Hiesfeld der Fall. Dementsprechend locker geht es auch bei den Proben zu.

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Auch wenn es doch einige feste Rituale gibt. Zum "Runde fassen" begeben sich zum Beispiel alle Sänger an die Theke. Es wird gewartet, bis alle ihr Getränk haben, um die Stimmbänder anzufeuchten. Dann singt man vor dem Umtrunk gemeinsam "Ja wenn das so ist, dann Prost!" Dann geht es wieder zurück zu Musik und Gesang, die sich bei den Proben des Shanty-Chors schon fast genau so schön anhören, wie bei den Auftritten der Hiesfelder Sänger.

Von denen haben übrigens einige durchaus auch eine berufliche Verbindung zur Seefahrt. "Das ist aber keine Bedingung, um bei uns im Chor mitmachen zu dürfen", sagt Rolf Nachtsheim. Personell sucht der Chor immer Verstärkung. "Wer Interesse hat, bei uns mitzumachen, der kann jederzeit bei unserer Probe vorbeikommen", sagt Nachtsheim. Mit 25 bis 30 Sängern tritt der Chor zu jedem Konzert an. "Außer zu unserem jährlichen Auftritt bei den DIN-Tagen. Da sind wir mindestens 40 Sänger", sagt Nachtsheim.

Denn der Auftritt vor heimischem Publikum, der immer sehr gut besucht ist und toll angenommen wird, macht den Sängern aus Hiesfeld besonders viel Spaß.

(fla)
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