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Unsere Woche: Die Protestwähler müssen zurückgewonnen werden

Unsere Woche : Die Protestwähler müssen zurückgewonnen werden

Die Bundestagswahl hat es gezeigt, es gibt viele unzufriedene Bürger. In Dinslaken wählten besonders in Lohberg viele die AfD. Da muss Ursachenforschung betrieben und nach Lösungen gesucht werden.

Den Abend der Bundestagswahl werden etliche Politiker, seien sie nun auf kommunaler oder Bundesebene aktiv, so schnell wohl nicht vergessen. Denn deren ungläubige Mienen und die enttäuschten Gesichtsausdrücke, als die Hochrechnungen bekannt wurden, die ersten Ergebnisse vorlagen und sich abzeichnete, dass CDU und SPD enorme Verluste hatten hinnehmen müssen, sprachen Bände. Und das Entsetzen über das hohe Abschneiden der AfD, die mit ihren Parolen viele Wähler auf ihre Seite hatte ziehen können, war nicht zu übersehen. Da konnte bei Christ- und Sozialdemokraten keine Feierstimmung aufkommen. Sie werden noch lange damit zu tun haben, das Wahlergebnis aufzuarbeiten und zu analysieren, was viele Männer und Frauen bewogen hat, sich von den etablierten Parteien abzuwenden und die AfD mit ihrer Stimme zu unterstützen. Für den wiedergewählten SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Vöpel, der im Wahlkreis Oberhausen-Dinslaken angetreten ist, stand sofort fest, dass es nach dieser Wahl ein "Weiter so" nicht geben kann. Und das wird es auch für die CDU nicht geben dürfen. Beide Parteien müssen herausfinden, warum ihre Politik bei vielen Wählern nicht angekommen ist. Die erschreckend hohe Zahl der AfD-Wähler - auch in den hiesigen Kommunen - ist besorgniserregend. Sie zeigt, dass etwas falsch läuft. Denn diese Bürger fühlen sich von der Politik nicht verstanden und nicht mitgenommen, sondern abgehängt. Sie glauben, dass ihre Sorgen, Nöte und Probleme nicht gesehen werden. Auffallend ist, dass die AfD in Dinslaken die meisten Wähler in Lohberg hat. Dort gibt es Stimmbezirke, in denen der AfD-Kandidat, der es tatsächlich in den Bundestag geschafft hat, knapp über 20 Prozent der abgegeben Stimmen holen konnte. In Lohberg scheint die Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Politik besonders groß zu sein.

Die Politik muss nun beweisen, dass sie auch diese Menschen ernst nimmt und alles unternehmen, um sie zurückzugewinnen. Die demokratischen Parteien sind aufgefordert, hier gemeinsam Ursachenforschung über Gründe für die Unzufriedenheit zu betreiben und parteiübergreifend nach Lösungen zu suchen. Sie müssen glaubhaft machen, dass sie eine wirkliche Alternative sind, damit die bislang enttäuschten Wähler nicht weiter den Sprücheklopfern von der AfD nachlaufen. Doch neben den Protestwählern wird es aber auch Wähler geben, die nicht mehr zurückgewonnen werden können, weil sie schon immer für rechtsradikales Gedankengut anfällig gewesen sind und nun eine Gemeinschaft Gleichgesinnter gefunden zu haben glauben. Wichtig ist es, sich deutlich von den Rechtspopulisten abzugrenzen, sich nicht ihrem Gedankengut anzunähern und sich auch in der Ausdrucksweise von ihnen zu unterscheiden. Die Politiker müssen deutlich sagen, für was sie stehen, was sie bewirken und was sie anders machen wollen. Ihren Worten müssen sie dann auch Taten folgen lassen, die ihre Glaubwürdigkeit unterstreichen. Nichts wäre schlimmer, als so weiterzumachen wie bisher. Denn dann werden sie bei der nächsten Wahl erneut abgestraft.

Ich wünschen Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: heinz.schild@rheinische-post.de

(RP)