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Dinslaken: Die neue Mobilität: Elektro-Bikes

Dinslaken : Die neue Mobilität: Elektro-Bikes

Früher noch als Rentner-Fahrräder abgestempelt, sind Elektro-Bikes auch bei den Jüngeren nun mehr und mehr im Kommen. Der Verkauf boomt – die Verkehrswacht allerdings warnt vor erhöhten Risiken im Straßenverkehr.

Durch Wälder und Täler radeln und Natur pur genießen – am liebsten gemütlich und ohne hinterher schweißnass gebadet und völlig verausgabt zu sein – Elektrofahrräder, auch "Pedelecs" oder "E-Bikes" genannt, erobern derzeit den Markt und liegen immer mehr im Trend. Doch wie sicher sind eigentlich die Fahrräder mit elektronischer Unterstützung, die bis zu 45 Stundenkilometer betragen kann?

Nach Angaben der Kreis-Verkehrswacht Wesel ist die Unfallrate durch die modernen Räder gestiegen. Zu hohe Geschwindigkeiten, die die E-Bike-Fahrrer erreichten, führten nicht nur zur Gefährdung der eigenen Sicherheit, sondern brächten auch andere Verkehrsteilnehmer, besonders Fußgänger, in Gefahr, berichtet die Verkehrswacht. Viel häufiger würde überholt, viel rasanter gefahren und Straßen überquert werden. Autofahrer schätzten die Geschwindigkeiten der Radfahrer, die viel schneller an Kreuzungen und Einmündungen auftauchten als gewohnt, falsch ein – die Unfallquote durch E-Bike-Fahrer steige.

"Stimmungsmache"

"Nein! Das ist reine Stimmungsmache von Versicherungen", sagt Joachim Vogel von "Zweirad Vogel" in Dinslaken. "Die E-Bikes sind eine geniale Sache, besonders für Menschen, die nicht mehr so fit sind, aber Spaß am Leben haben", erklärt er. Es werde ein viel zu großes Theater um die Gefährdung durch Pedelecs gemacht, doch Fakt sei, dass nur ein winziger Anteil der verkauften Fahrräder, überhaupt eine so hohe elektronische Unterstützung bekämen, dass sie bis zu 45 Stundenkilometer erreichten.

"98 Prozent der Fahrräder, die wir hier verkaufen, werden mit bis zu 25 Stundenkilometer unterstützt. Außerdem kaufen 70 Prozent der E-Bike-Fahrer einen Helm", erklärt Vogel. Ein Schutzhelm, sagt er, sollte allerdings für alle Fahrradfahrer Pflicht sein, nicht nur für E-Bike-Besitzer. Ihm seien bisher nur sehr wenige Unfälle mit Elektrofahrrädern bekannt, Unfälle mit normalen Rädern kämen wesentlich häufiger vor. Der Verkauf der Elektrofahrräder boome, der Trend zur neuen Mobilität auf zwei Rädern gehe stark nach oben.

"In den Nachbarländern ist der Trend zu E-Bikes schon sehr positiv aufgenommen worden. Sie sind eine großartige Alternative zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln und eine gute Lösung zur Bearbeitung der innerstädtischen Verkehrsprobleme, wo sich Autos und Busse stauen. Auch in unserem Geschäft steigt die Nachfrage", berichtet der Fahrradhändler. So gebe es auch immer mehr junge Käufer, die sich ein elektronisch unterstütztes Fahrrad zu Nutze machten. "Das Thema heißt "Neue Mobilität", und da stehe ich 1000 Prozentig dahinter", unterstreicht Vogel.

Dass Elektrofahrräder ein gewisses Risiko aufweisen, will Mark Nellessen in seinem Fahrradladen auf der Duisburger Straße in Dinslaken nicht bestreiten. "Es kommt auf die Verantwortungsbereitschaft des Einzelnen an", sagt er. "Pauschal kann ich nicht sagen, ob die Fahrt mit E-Bikes gefährlicher ist. Allerdings bin ich der Ansicht, dass es eher an den Autofahrern liegt, die nicht genug Acht auf Radfahrer geben. Würde ich beim Fahrradfahren nicht besonders aufpassen, wäre ich schon zig mal überfahren worden – egal ob mit Elektro-Bikes oder mit normalen Rädern", berichtet Nellessen.

Mit einfachen Fahrrädern, sagt er, könne man teilweise noch viel höhere Geschwindigkeiten erreichen. Der Vorteil an Rädern mit elektronischer Unterstützung, die meistens bei etwa 25 Stundenkilometern liege, sei das Fahren ohne Mühe und Anstrengung bei konstanter Geschwindigkeit. "Der Trend geht stark nach oben", sagt er. "Elektro-Bikes gibt es zwar schon lange, aber der Markt blüht gerade erst auf. Früher wurde das Fahrrad mit Elektro-Antrieb noch als 'Opa-Rad' abgehandelt, heute gibt es auch mehr und mehr junge Kunden, die sich eine sportliche Variante, zum Beispiel ein elektronisches Mountainbike anlegen", berichtet der Fahrradhändler.

Versicherungsschutz

"Vor Verkauf eines Elektro-Bikes achte ich genau auf den Kunden", sagt Nellessen. "Jeder Fahrer, dessen E-Bike mit Tempo 40 bis 45 unterstützt wird, braucht einen Versicherungsschutz und ein am Fahrrad befestigtes Mofakennzeichen, um damit am Straßenverkehr teilzunehmen. Wenn ich aber merke, dass der Kunde so zittrig ist, dass er schon im Stand umfällt, rate ich ihm vom Kauf ab", verrät Nellessen.

Er lege den Kunden zudem das Tragen eines Helmes nahe. Er selbst trage einen Schutzhelm und sei der Meinung, dass eine Helmpflicht für E-Bikes eingeführt werden müsse.

"Selbst beim Ski-Fahren ist der Helm zur Normalität geworden. Natürlich ist so ein Kopfteil für viele Optiksache, doch mittlerweile gibt es so schöne Modelle, die teilweise aussehen wie Mützen und ganz schön viel her machen", sagt er. Vermehrt kauften zwar 50- bis 60-jährige Männer und Frauen einen Schutzhelm und auch Eltern achteten darauf, dass ihre Kinder am Kopf geschützt sind, doch viel zu viele begäben sich weiterhin ohne jegliche Schutzausrüstung auf die Straße.

(jus)