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Die Menschen in Dinslaken und in Hünxe dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen

Unsere Woche : Ärger um die L4n: „Die Bürger“ werden verlieren

Die Menschen in Dinslaken und in Hünxe dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Wenn es um ein Infrastrukturprojekt geht, haben sie genug Widerstände, gegen die sie anrennen müssen. Sie brauchen kein weiteres Schlachtfeld: den Streit miteinander.

Ein trauriger Umstand beim gegenwärtigen Streit um die L4n ist: „Die Bürger“ werden verlieren. Denn „die Bürger“ gibt es nicht als Einheit. Sie stehen auf unterschiedlichen Seiten – bis jetzt jedenfalls. Und so lange das so ist, können sie nicht gemeinsam gewinnen.

Es geht um Planungen für eine neue Landstraße zwischen der Bundesstraße 8 und der Autobahn A3. Der Entwurf für den neuen „Regionalplan Ruhr“, der unter anderem langfristige Verkehrskonzeptionen skizziert, sieht eine L4n durch das Naherholungsgebiet an den Tenderingsseen vor.

Bislang stehen in der öffentlichen Diskussion zwei Vorschläge einander gegenüber. Entweder, es wird eine neue Straße L4n – wo genau auch immer – durch das Naherholungsgebiet gebaut. Dann verliert das Naherholungsgebiet direkt neben Dinslaken gewaltig an Wert, sowohl für die Natur als auch für die Menschen. Oder, die vorhandenen Straßen Schwarzer Weg und Tenderingsweg werden ausgebaut.

Mit letzterem Vorschlag können viele Kritiker in Dinslaken etwas besser leben, mit ersterem die Leute in Hünxe. Vor allem die Anwohner von Schwarzer Weg und Tenderingsweg, die ansonsten den Schwerlastverkehr und die Autos direkt vor der Tür hätten. Das ist so simpel wie wahr.

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Doch wenn die Dinslakener nun auf der einen Seite stehen bleiben, die Hünxer auf der anderen Seite, dann haben sie ein gemeinsames taktisches Problem.

Sie laufen Gefahr, ihre Kräfte in einer Auseinandersetzung miteinander zu vergeuden. Sie könnten versucht sein, die Argumente des jeweils anderen zu untergraben, statt sich auf gemeinsame Anliegen zu konzentrieren. So bilden sich Fronten. So fangen Einwohner an, eher die Aktiven in der Nachbargemeinde als „Gegner“ zu sehen und nicht mehr die Planer des Landes, die eine Straße bauen wollen.

Wenn sich Bürger in ihrem Protest aneinander abarbeiten, gibt das Behörden, Fachleuten, aber auch Politikern, mehr Spielraum. Denn wenn es Befürworter und Gegner für beide Ideen gibt, dann sind sie schließlich gezwungen, nach eigenen Kriterien zu entscheiden.

Auch, wenn die Menschen in Dinslaken und in Hünxe glauben, auf verschiedenen Seiten zu stehen – sie sollten jetzt alles versuchen, um sich zusammenzutun. Statt über das „entweder hier – oder dort“ müssen sie über ganz andere Möglichkeiten nachdenken. Sie müssen Argumente für neue Lösungen sammeln und einander den Rücken stärken, statt einander in den Rücken zu fallen.

Die Bürger, die eine Straßenplanung kritisch sehen, dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Auch, wenn sie unterschiedliche Vorstellungen haben, was erträglich ist und was nicht. Denn mit einer grundlegenden Forderung können sie sich zusammentun: Sie wollen nicht die Leidtragenden sein von einer neu ausgebauten Straße. Nicht in Hünxe, nicht in Dinslaken. Diese klare Botschaft spornt Politiker und Behörden an, eine Lösung zu suchen, die wirklich für alle, oder zumindest für möglichst viele, verträglich ist.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

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