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Dinslaken: Die letzte Kneipenlyrik im Bräustüb'l

Dinslaken : Die letzte Kneipenlyrik im Bräustüb'l

Zum 40. und letzten Mal präsentierte Burghofbühne-Dramaturg Lars Helmer Erlesenes neben der Theke.

Man schrieb den 15. Dezember 2006, als Lars Helmer in der Kneipe "Bräustüb'l" am Bahnhof zum ersten Mal zum Bukowski-Text griff, um diesen den Kneipengästen vorzutragen. "Allerlei zum Bier" hieß damals das Thema und als Absacker gab es "Schlagerlyrik". Sieben Jahre später ist es noch immer die Stimme des Burghofbühne- Dramaturgen, die über Lautsprecher von CD aus abgespielt dazu aufruft, noch ein Getränk zu ordern, bevor es losgeht mit der 40. und letzten Ausgabe der Kneipenlyrik. Natürlich liest Helmer selbst, natürlich Bukowski. "Bring mir deine Liebe" heißt der Text, der, wie für den amerikanischen Autoren üblich, nicht mit derber Sprache geizt. Das Publikum: amüsiert, allerdings weniger zahlreich erschienen, als es für die Reihe üblich ist.

Dabei entgeht den Daheimgebliebenen hier einiges. Schauspieler Christoph Bahr betritt die Bühne mit Gitarre und einem "Vier-Winde-Hut", der im finnischen Lappland zur traditionellen Bekleidung gehört. Dann stimmt er ein finnisches Weihnachtslied über den alten Weihnachtsmann an und erweitert die Sprachkenntnisse des Publikums ("Kippis heißt Prost auf Finnisch!"). Als der Darsteller dann noch als scheinbar angetrunkener Entertainer "Santa Claus is coming to town" anstimmt und einen ausufernden Stepptanz hinlegt, kommen einige Zuschauer aus dem Lachen nicht mehr raus.

Ansonsten gibt es reichlich Weihnachtliches im Advent: Christoph Bahr und Kollegin Lara Christine Schmidt lesen eine Geschichte vor, in der Senioren ihre Altersheim gegen Chöre und Trachtentruppen aus der Nachbarschaft verteidigen. In einer weiteren Erzählung sorgt übertriebene Weihnachtsbeleuchtung für die Explosion des benachbarten Kraftwerks. Für besonders viele Lacher beim Publikum sorgt allerdings Lars Helmers Vortrag des Stücks "Die Schmidt-Memoiren" aus Woody Allens Buch "Wie du dir, so ich mir". Hier plaudert der Friseur der Führungsspitze des "Dritten Reichs" aus dem Nähkästchen. Hitler, von Helmer perfekt parodiert, will nicht auf einen Termin warten und lässt kurzerhand Außenminister von Ribbentrop zum Afrikakorps schicken. Im Salon streiten sich Göring und Heß um ein Schaukelpferd und schließlich ist die braune Führungsspitze ganz mit dem Koteletten-Wuchs des Führers beschäftigt. Grotesk — und grandios vorgetragen vom Burghofbühne-Dramaturgen. Der lässt eine Hommage an Dieter Hildebrand (seine schönsten Sprüche) und zwei Liedtexte von Chris Howland folgen.

Zum Ende interpretieren Lara Christine Schmidt und Christian Bahr noch Leonhard Cohens "Halleluja" und die Schauspielerin beweist, dass sie auch wunderbar singen kann. Applaus für die letzte Kneipenlyrik. "Im Sommer wird es noch einen Termin geben — dann aber draußen", verspricht Helmer.

(fla)