Dinslaken: Die Kaufkraft ins Dorf holen

Dinslaken: Die Kaufkraft ins Dorf holen

Hünxe ist die kaufkräftigste Kommune des Kreises Wesel. Die Bürger geben ihr Geld jedoch lieber in den Nachbarkommunen aus. Um das zu kompensieren, sollte sich die Gemeinde auf ihre Stärken besinnen, sagt Hans Nover, Vorsitzender der Hünxer Wirtschaftsgemeinschaft.

Hans Nover, CDU-Ratsmitglied und Vorsitzender der Hünxer Wirtschaftsgemeinschaft, setzt sich seit Jahren für die Förderung des Wirtschaftsstandortes Hünxe ein. Ralf Schreiner sprach mit dem Unternehmer.

Herr Nover, Sie haben in der Vergangenheit wiederholt betont, dass die Gemeinde Hünxe ihre Stärken deutlicher ausspielen sollte. Wo sehen Sie die denn?

Nover Hünxe ist eine attraktive Naherholungs-Gemeinde. Die Menschen, die hier leben, wissen das. Besucher, die von außerhalb kommen, wissen das oftmals nicht. Das heißt also zunächst einmal: Hünxe muss mehr für seine Außendarstellung tun, seine Vorzüge bekannter machen. Wir müssen Besucher von außerhalb nach Hünxe holen. Teilweise gelingt das schon hervorragend. Zum Beispiel mit dem Spargeltag auf Schulte-Drevenacks Hof. Das ist eine Attraktion. Das hat Strahlkraft nach außen. Von solchen Veranstaltungen brauchen wir mehr.

Das bedeutet, wenn man die Kaufkraft schon nicht binden kann, muss man sie von außen reinholen?

Nover Ja. Und zwar nicht nur über touristische Attraktionen. Die schwache Kaufkraftbindung liegt teilweise an Gegebenheiten, die sich nicht ändern lassen. Hünxe ist eine Flächengemeinde mit großen und kleinen Ortskernen, die mehrere Kilometer auseinanderliegen. Die Drevenacker orientieren sich beim Einkaufen oft nach Wesel, die Bruckhausener auch nach Dinslaken. In den drei größeren Ortskernen ist die Nahversorgung auf den kurzfristigen Bedarf zugeschnitten. Mittel- und langfristige Bedarfsgüter finden sich kaum im Angebot, da die einzelnen Ortsteile dafür zu klein sind.

Was braucht Hünxe noch?

Nover Einzelhändler, die Nischen bedienen. In Schermbeck-Wachtenbrink zum Beispiel gibt es einen Händler, der exklusive Karbonfahrräder vertreibt. Die Kunden kommen von weit her, um dort zu kaufen. Ähnlich sehe ich das kürzlich in Hünxe eröffnete Spezialgeschäft für Golfzubehör, das explizit Kunden am Niederrhein umwirbt.

Wie sieht es mit der Gastronomie in Hünxe aus? Sie haben kürzlich gesagt, dort gebe es Nachholbedarf.

Nover Es gibt in Hünxe in allen Ortsteilen gute Angebote. Schloss Gartrop mit dem Landgasthof Blumraths, das Landhauscafé in Drevenack, die Gaststätte Rühl in Bruckhausen, Toowoomba's in Gartrop, um nur einige zu nennen. Doch davon brauchen wir mehr. Auch das Beispiel Marienthal und Voshövel zeigt, wie engagierte Gastonomen selbst in entfernt gelegenen kleinen Ortschaften blühende Betriebe aufgebaut haben.

Sie können keine Gastronome aus dem Hut zaubern.

Nover Das ist wahr. Aber wir können beispielsweise über eine aktuelle Internetpräsentation besser für Hünxe werben und Interessenten ansprechen. Das geschieht zurzeit leider nicht. Wer auf der Homepage von Hünxe etwa nach Gewerbeflächen sucht, findet dort den Stand von Februar 1999 und als freie Gewerbeflächenangebote die längst bebauten Flächen zweier Logistikunternehmen. Verbesserungswürdig ist auch die Information über den lokalen Arbeitsmarkt. Für die Wirtschaftsgemeinschaft hat unser Vorstandsmitglied Anika Zimmer anlässlich der Gewerbefeste bereits Ausbildungsplatzbörsen präsentiert, doch diese Darstellung gehört in aktualisierter Form auf die Hünxer Homepage, so wie es in Voerde schon praktiziert wird.

Seit Jahren wird in Hünxe darüber gestritten, dass die Attraktionen, die es hier gibt, nicht ausreichend beschildert sind. Wie sehen Sie das?

Nover Die Beschilderung ist ein Problem. Nehmen wir nur mal den Flugplatz Schwarze Heide. Das ist eine Touristenattraktion. Flugzeugen beim Starten und Landen zusehen, zieht Besucher an. Aber der Platz ist weiträumig kaum ausgeschildert. Da rauschen Fremde dran vorbei. Das muss sich ändern.

Sie bemängeln, dass es in Hünxe keine Stellplätze für Wohnmobile gibt. Der Wohnmobiltourismus boomt. Was kann Hünxe tun, um ein Stück von dem Kuchen abzubekommen?

Nover Ganz einfach. Wir sollten einen Platz ausweisen. Eine Fläche für sieben bis acht Reisemobile würde schon reichen.

Wie sollte der Platz aussehen und wo sollte er angelegt werden?

Nover Es ist nicht damit getan, einfach irgendwo ein Schild aufzustellen. Ein minimaler Service sollte gewährleistet sein. Strom- und Wasseranschluss sollten vorhanden sein und eine Möglichkeit, Abwasser abzulassen Ebenso wichtig ist ein Betreiber, der sich um die Anlage kümmert. Grundsätzlich sollte im gesamten Gemeindegebiet nach einer geeigneten Stelle gesucht werden.

Die CDU-Fraktion hat die Anregung der Wirtschaftsgemeinschaft aufgegriffen und will in Kürze einen Antrag für die Schaffung eines Wohnmobilstellplatzes auf den Weg bringen.

Nover Ja. Es muss ja nicht so ein komfortabler Platz sein, wie es ihn seit kurzem in Raesfeld gibt. Es geht auch preiswert.

Wie preiswert?

Nover Ab 10 000 Euro ließe sich etwas machen mit Stromsäule sowie Ver- und Entsorgungsstation.

Gibt es Fördermöglichkeiten?

Nover Als Mitglied der so genannten Leader-Region gibt es sicherlich einen Topf, den Hünxe anzapfen kann.

(RP)