Voerde Die Frau, die weiß, was Welpen brauchen

Voerde · 15 Jahre hat Ingeborg Gerstner beim Hundesportverein Voerde junge Vierbeiner ausgebildet. Kürzlich gab die Trainerin ihre letzte Übungsstunde. Jetzt will sie die neu gewonnene Freizeit genießen.

 Ingeborg Gerstner mit Hund Monty. Vor kurzem gab die Welpentrainerin beim Voerder Hundesportverein ihre letzte Übungsstunde.

Ingeborg Gerstner mit Hund Monty. Vor kurzem gab die Welpentrainerin beim Voerder Hundesportverein ihre letzte Übungsstunde.

Foto: Joosten

Die letzte Übungsstunde in der Welpenschule des Hundesportvereins (HSV) Voerde liegt hinter ihr. Jetzt hat Ingeborg Gerstner Zeit für sich. "Mit 72 Jahren darf man auch schon mal an sich denken und in den Ruhestand gehen", sagt die Hundetrainerin. 15 Jahre hat sie in der Welpenschule ihres Vereins junge Hunde ausgebildet und ihren Besitzern mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Jetzt will sie die neu gewonnene Freizeit genießen.

Eigentlich war Ingeborg Gerstner als Turnierhundesportlerin im Verein aktiv. Mit ihrem kleinen Münsterländer namens Nico sicherte sie sich in ihrer Sportart sogar die Deutsche Meisterschaft. "Damals war Nico schon krank. Und als es dann mit dem Sport nicht weiterging, wollte ich trotzdem gerne etwas mit Hunden machen", sagt sie. Der Verein sprach sie an, ob sie sich vorstellen könne, eine Welpenschule anzubieten. Von der Idee war Ingeborg Gerstner sofort überzeugt. "Es gab kaum Angebote für Menschen, die zum ersten Mal einen Hund hatten", erzählt sie. Sie machte einen Trainerschein, besuchte Seminare, informierte sich selbst durch Bücher und über das Internet. Jeder Neuling in einem ihrer Kurse bekam nicht nur eine kleine Broschüre mit Tipps und Tricks rund um die Hundehaltung in die Hand gedrückt, sondern auch ein Heft zur Ersten Hilfe am Hund. Gut 2000 Vierbeiner und ihre Besitzer nahmen an den verschiedenen Kursen der Hundetrainerin teil, die vor allem durch Mundpropaganda bekannt wurden. "Ich habe eigentlich nie Werbung für die Welpenschule gemacht", berichtet sie.

Dabei ging Ingeborg Gerstner auch beim Training mit den n Tieren neue Wege. "Mir war es besonders wichtig, dass die Besitzer lernen, ihre Hunde zu lesen", erklärt sie. "Jeder Hund hat eine ganz eigene Körpersprache, die sich auch nicht verändert." Und wenn man gelernt hat, diese zu interpretieren, kann man oft vorausahnen, was ein Hund möchte oder erkennen, wenn dieser etwas wahrnimmt, das man selbst noch nicht sehen kann - etwa andere Hunde oder Menschen, die bisher noch nicht im eigenen Sichtfeld aufgetaucht sind. Während der Schulstunden machte sie mit den Hunden meistens Übungen, die sie sich selbst ausgedacht hatte. "Ich habe das immer mit den eigenen Hunden ausprobiert und wenn es funktionierte, wurde es dann in der Welpenschule gemacht", erzählt die 72-Jährige. So hat sie zum Beispiel festgestellt, dass sich Hunde schnell beruhigen lassen, wenn man sie zu sich nimmt und ganz leise flüsternd mit ihnen spricht. "Danach kann man mit ihnen fast jede Übung machen", berichtet die Trainerin. Und wenn ein Hund doch mal nicht mitmachen wollte? Bestrafungen gab es bei Ingeborg Gerstner nicht. Zumindest keine harten. "Wenn ein Hund nicht mitmachen wollte, kam er für ein paar Minuten an die Leine, bis er sich beruhigt hatte. Dann ging es eigentlich immer wieder."

Besonders stolz ist sie darauf, dass viele ihrer ehemaligen Schüler es mit ihren Hunden selbst im Turnierhundesport weit gebracht haben, teilweise selbst als Teilnehmer zur Deutschen Meisterschaft fuhren. Und natürlich freut sie sich darüber, dass viele Teilnehmer der Hundeschule sich auch für die Mitgliedschaft im Hundesportverein entschieden haben. Immer mit dabei auf dem Platz war ihr Ehemann Udo. Auch für ihn geht es jetzt in den "Ruhestand". Trotzdem wird man das Ehepaar wohl auch weiterhin am Platz des Hundesportvereins Voerde sehen. "Das geht gar nicht anders", erklärt Ingeborg Gerstner.

(RP)