Dinslaken: Die Fotokunst des Thomas Heinser

Dinslaken : Die Fotokunst des Thomas Heinser

Die kurvigen Linien auf erdbraunem Grund scheinen zu tanzen wie ein Schamane einer Höhlenmalerei. Eindeutig eine mit gekonntem Schwung aufs matte Papier gebrachte Malerei. Oder doch nicht? Schaut man sich das großformatige Bild, das perfekt ausgeleuchtet Teil der Ausstellung "Gezeiten" im Museum Voswinckelshof ist, einmal aus der Nähe an, erkennt man in der Linie einen ausgetrockneten Wasserlauf. Das Bild ist nicht in Mischtechnik gemalt, sondern die Fotografie einer Saline im südlichen San Francisco Bay, Aufgenommen aus einem Hubschrauber in einem Winkel von annähernd 90 Grad. Der Fotograf, der mit solchen spektakulären, weil höchst künstlerischen Luftaufnahmen international Beachtung findet, ist ein gebürtiger Dinslakener. Thomas Heinser lebt und arbeitet seit mehr als 30 Jahren in San Francisco. Nun kam er für seine zweite Ausstellung im Voswinckelshof in seine Heimatstadt zurück.

Für seine großformatigen Fotos, die er auf mattem Papier präsentiert, setzt Heinser auf konsequente Reduktion. "Fotos beinhalten heutzutage viel zu viele Informationen", erklärt er und hält seine Aufnahmen als beeindruckende Statements dagegen. Goldene Gräte scheinen sich plastisch vom matten Dunkelrot abzuheben: einzelne, annähernd gerade Linien, die die Farbflächen im sachlichen, quadratischen Bildformat markant teilen.

Das Gold erzeugt die Morgensonne, das die Dämme der Salinen schimmern lässt. Goldglitter überzieht eines der Bilder: Vögel, deren weiße Flügel ebenfalls in Sonnelicht getaucht sind, offenbart der zweite Blick. Thomas Heinser vereint in seiner Ausstellung im Voswinckelshof zwei Serien und hält sie doch klar getrennt. Farben erfüllen den großen, tageslichtdurchfluteten Ausstellungsraum im ersten Stock. In "Schatzkammer" nebenan zeigt Heinser Schwarzweiß-Aufnahmen von Brückenarbeiten, Verkehrsknotenpunkten und dem Flughafen. Auch hier wieder das gleiche Phänomen: Die Bilder wirken streng grafisch komponiert. Heinsers Fotos mögen in dem Moment, in dem das Licht stimmt und er auf den Auslöser drückt, digitalisiert werden, der künstlerische Schaffensprozess hat eine längere Geschichte, "Zwei bis drei Flüge Vorbereitung gehen einem Bild voraus", erklärt Heinser die Stimmigkeit, die seine Aufnahmen auszeichnet.

Das Spannendste sei für ihn allerdings, eine Ausstellung zu konzipieren. Das Wechselspiel von Raum und Bildern auszubalancieren. "Ich lerne von denen, die die Bilder betrachten", sagt er. Davon fanden sich zur Vernissage viele ein, um Momente der Natur auf sich wirken zu lassen, die Heinser, wie es Dinslakens stellvertretender Bürgermeister Thomas Groß in seiner Begrüßung sagte, "mit traumwandlerischer ästhetischer Sicherheit" festzuhalten vermag.

Die Ausstellung "Gezeiten" von Thomas Heinser bleibt bis zum 20. August im Voswinckelshof, anschließend ist ein Teil der Bilder in Berlin zu sehen.

(bes)
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