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Die Ausbildungsbotschafter - eine Initiative der Niederrheinischen IHK

Vier Azubis im Gespräch : Das sind die Ausbildungsbotschafter

Beim IHK-Projekt geben Azubis ihre ersten beruflichen Erfahrungen an Schüler weiter. Wir haben vier Botschafter gefragt, warum sie sich für den Beruf entschieden haben. Welchen beruflichen Rat würden sie heute ihrem jüngeren Ich geben? Hier sind ihre Antworten.

Ein Gespräch auf Augenhöhe, von jungen Menschen zu jungen Menschen: Das ist das Konzept der Initiative der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer (IHK) für Duisburg und die Kreise Kleve und Wesel. Offiziell trägt das Projekt den Namen „Potenziale entdecken und entwickeln“, doch selbst bei der IHK bevorzugt man den griffigen Begriff „Ausbildungsbotschafter“. Er beschreibt die Idee ganz gut: Jugendliche, die schon bei der Ausbildung sind, teilen ihr Wissen und ihre ersten beruflichen Erfahrungen mit Schülern. Es ist eine Erfolgsgeschichte: Seit dem Start der Initiative im Jahr 2016 haben sich mehr als 250 Azubis als Botschaftler beteiligt, rund 3500 Schüler aus 45 Schulen in der Region wurden besucht.

Zu den Besuchern gehören zum Beispiel Lidia Barkmann und Deniz Caliskan von der Firma Sappi Logistics Wesel oder Chiara Krauß und Julien Schulik von Aldi Süd. Letzten Monat waren sie an der Realschule im Gustav-Heinemann-Schulzentrum in Dinslaken. Wenn sie mit den Schülern sprechen, steht Ehrlichkeit an erster Stelle. Es geht natürlich um die Ausbildung, den Weg dahin und die Aufgaben währenddessen. Aber es sind vor allem die persönlichen Geschichten, die bei den Schülern ankommen. Dass Arbeiten nicht immer ein Zuckerschlecken ist – solche Sätze bauen Vertrauen auf – und das junge Publikum hört gebannt zu. Allein in diesem Schuljahr gab es bereits 70 Besuche.

Lidia Barkmann (20), Kauffrau für Büromanagement, Sappi Logistics Wesel: „Mein Lehrer hat mir immer gesagt: “Fangt erstmal eine Ausbildung an, dann habt Ihr Geld und später könnt Ihr immer noch studieren. Falls euch euer Studium nicht gefällt, habt Ihr zumindest eure Ausbildung.“ Das ist mir im Kopf geblieben und bisher kann ich nur sagen, dass es ein guter Rat war. Ich habe mich für diese Ausbildung entschieden, weil sie so vielfältig ist. Den Beruf gibt es in vielen Branchen, er hat Zukunftsperspektive. Mir gefällt die Nähe der SLW zu meinem Wohnort, das Betriebsklima hat mich sofort überzeugt. Es sind die vielen verschiedenen Aufgaben, die mir an meiner Ausbildung sehr gefallen. Kein Tag ist wie der andere. Zudem gefällt mir der persönliche Kontakt mit Kunden und Lieferanten. Ich würde sagen: Fang früher an, dir über deine Zukunft Gedanken zu machen.“ Foto: Sappi
Chiara Krauß (19), Kauffrau im Einzelhandel, Aldi Süd: „Ich bin sehr gerne zur Schule gegangen und hatte eine echt schöne Schulzeit, aber mit dem Erreichen der Mittleren Reife wollte ich in die Praxis gehen und weniger die Schulbank drücken. Falls ich später noch studieren möchte, kann ich mit einer erfolgreichen Berufsausbildung den Weg immer noch gehen. Mir war es wichtig, in einem großen Unternehmen meine Ausbildung zu machen. Da Aldi Süd als ein verlässlicher Arbeitgeber gilt und ich als Verbraucher schon in jungen Jahren das Unternehmen erleben durfte, fiel es mir sehr leicht, mich dort zu bewerben. Das Beste an meiner Ausbildung ist es, täglich das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden. Ich weiß genau, welche Aufgaben ich jeden Tag habe, der Ablauf ist sehr strukturiert. Wenn ich mir selber zum Start meiner Ausbildung einen Rat geben würde wäre es, nicht jede Kritik persönlich zu nehmen. Kritik tut weh, ist aber für junge Menschen ganz wichtig.“ Foto: Aldi Süd
Julien Schulik (23), Fachkraft für Lagerlogistik, Aldi Süd: „Für mich kam ein Studium am Anfang gar nicht in Frage. Ich wollte mein eigenes Geld verdienen und praxisbezogen arbeiten. Nach meiner Ausbildung habe ich immer noch die Möglichkeit, studieren zu gehen, aber mit dem Wissen, dass ich schon was in der Hand habe. Ich habe mich im Internet über viele Unternehmen schlau gemacht. Aldi hatte in allen Bereichen die Nase vorne, sei es Gehalt, Betreuung und Förderung, Unterstützung vor der Abschlussprüfung oder den guten Entwicklungsmöglichkeiten. Das Beste an meiner Ausbildung ist, dass ich in allen Bereichen Eigenverantwortung übernehme und körperlich aktiv bin. Jeder Bereich ist individuell und abwechslungsreich. Vor meiner Ausbildung habe ich mein Fachabitur absolviert. Im Nachhinein hätte ich das gerne mit meiner Ausbildung verknüpft, um früher ins Berufsleben zu treten.“ Foto: Sappi
Deniz Caliskan (23), Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung, Sappi Logistics Wesel: „Ich bevorzuge eine Ausbildung, weil es abwechslungsreicher ist als ein Studium. Denn bei einer Ausbildung erlernt man nicht nur die theoretischen sondern auch die praktischen Kenntnisse. Meine Schwester war als Controllerin tätig und hat mir den Betrieb empfohlen. Außerdem finde ich die Aufgaben meiner Ausbildung äußerst abwechslungsreich und interessant. Das Beste an meiner Ausbildung ist die Chance, verschiedene Abteilungen kennenlernen zu können, um das eigene Wissen zu erweitern. Ich finde es besonders gut, dass in unserem Unternehmen die Möglichkeit geboten wird, auch im Ausland Betriebserfahrung zu sammeln – ich war zwei Wochen in Krakau.Ich würde meinem jüngeren Ich raten, zuerst eine solide Ausbildung abzuschließen. Denn danach hat man immer wieder die Möglichkeit,  durch Fortbildung oder ein Studium sich weiterzubilden.“ Foto: Aldi Süd

Die meisten Besuche finden in der neunten oder zehnten Klasse statt – eine Phase, in der Karriereberatung ein wichtiger Teil des schulischen Programms ist. Die Niederrheinische IHK begreift ihre Botschafter als Ergänzung dazu. Die Schulen seien froh, wenn Wissen und Erfahrung von außen komme. Auch die Unternehmen schätzen die Chance, für ihre Ausbildung zu werben. Dazu bekommen ihre Azubis auch noch eine Schulung vor der Präsentation an den Schulen. Dabei lernen sie an einem Tag Präsentationstechniken, bekommen Feedback und lernen, wie man auf kritische Fragen eingeht – eine Erfahrung, die auch im Beruf nützlich ist.

Info: Lehrer und Schulleiter, die sich gerne an der Initiative beteiligen möchten, sind von der IHK ausdrücklich eingeladen, sich bei der Projektkoordinatorin Sonja Münzberger zu melden, dies per E-Mail unter muenzberger@niederrhein.ihk.de oder telefonisch unter 0203 2821440.