1. NRW
  2. Städte
  3. Dinslaken

Diakonie Dinslaken: Kinderarmut ist ein Armutszeugnis

Diakonie startet Aktionsjahr in Dinslaken : Kinderarmut ist ein Armutszeugnis

Auftakt des Aktionsjahres „Kein Kind in Armut“ der Diakonie im Evangelischen Kirchenkreis Dinslaken: Mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekten sollen die Menschen für die Thematik sensibilisiert werden.

Auf der Rasenfläche vor dem Dinslakener Bahnhof steht ein großes Plakat. Zu sehen sind darauf, offensichtlich von einem Kind gemalt, eine Mutter mit ihrem Sohn und ihrer Tochter. Alle drei weinen. Daneben steht: „Ohne Geld bin ich traurig und streite mit meiner Mutter“. Zum Auftakt des Aktionsjahres „Kein Kind in Armut“, das die Diakonie im Evangelischen Kirchenkreis Dinslaken ausgerufen hat, ist dieses Plakat jetzt öffentlich zu sehen. Es macht auf die Problematik der Kinderarmut aufmerksam. Insgesamt sind in Dinslaken und Umgebung sieben Großplakate auf Stellwände geklebt worden, die die Grünen nach der Landtagswahl zur Verfügung gestellt haben, wie Alexandra Schwedtmann, Geschäftsführerin der Diakonie, bei der Vorstellung der Aktion berichtete.

Das Thema Kinderarmut liegt ihr am Herzen, weil es leider ein Dauerthema sei. „Ich bin seit 18 Jahren Sozialarbeiterin und die Kinderarmut war immer allgegenwärtig. Es wurde so viel versprochen, aber bis heute hat sich nicht viel geändert“, berichtet Schwedtmann. Um auf die Thematik aufmerksam zu machen, hat die Diakonie das Aktionsjahr ins Leben gerufen. „Wir möchten die Menschen wachrütteln und das Thema in den Mittelpunkt stellen, damit sich unsere Gesellschaft ändert“, erklärt Schwedtmann. Mit der jetzt gestarteten Plakataktion sollen diese Kinder und Jugendlichen, die in armen Verhältnissen leben, deren Sorgen und Nöte endlich wahrgenommen werden. „Kinder dürfen in Deutschland kein Armutsfaktor sein“, sagt die Diakonie-Geschäftsführerin und fordert deshalb eine Kindergrundsicherung.

 Julia Berning und Guido Meyer (hinten) sowie Alexandra Schwedtmann (vorne links) und Susanne Jantsch vor dem Plakat am Bahnhofsplatz.
Julia Berning und Guido Meyer (hinten) sowie Alexandra Schwedtmann (vorne links) und Susanne Jantsch vor dem Plakat am Bahnhofsplatz. Foto: Heinz Schild
  • „Wir kämpfen für eine Sensation“: Dietmar
    Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch in Dinslaken : „Für NRW ist das doof“
  • Alleinerziehende sind überproportional von Armut bedroht.
    Warnungen der Gewerkschaften in NRW : Kinder wieder mehr in den Fokus rücken
  • Frederik Heide (l.) feierte seinen Geburtstag
    Gemeindefest in Tente : Fest zeugt von lebendiger Gemeinde

Bei den Großplakaten, die auf die Kinderarmut aufmerksam machen, soll es nicht bleiben. Ab der nächsten Woche werden weitere Motive auf 17 Litfaßsäulen, die von der Stadt Dinslaken für die Aktion zur Verfügung gestellt werden, zu sehen sein. Außerdem ist vorgesehen, die Plakate in allen Gemeinden und Kindertagesstätten des Evangelischen Kirchenkreises sowie in den Einrichtungen der Diakonie auszuhängen. Nach dem plakativen Auftakt geht es weiter mit Vorträgen, Diskussionsabenden und einem Symposion, um weiter für das Thema zu sensibilisieren.

So ist eine Podiumsdiskussion mit Bundestagsabgeordneten unter dem Motto „Der neuen Regierung auf die Finger schauen“ geplant. Inhaltlich soll es darum gehen, was aus den Wahlprogrammen zum Thema Kinderarmut (Kindergrundsicherung, Kindergeld, Kinderfreibetrag) geworden ist. Weiterhin ist vorgesehen, mit Kunst-Schülerinnen und -Schülern des Duisburger Mercator-Gymnasiums einen Hoodie (Kapuzenpullover) zu gestalten. Bei diesem Projekt werden die Jugendlichen von Sozialarbeitern der Diakonie im Dinslakener Kirchenkreis begleitet. Im Laufe des Aktionsjahres soll es weitere Aktionen und Projekte geben. Auch die Evangelische Kinderwelt, die für die Kindertagesstätten im Evangelischen Kirchenkreis zuständig ist, beteiligt sich.

„Es braucht diese Ebenen, damit dieses wichtige Thema endlich gesellschaftlich wahrgenommen wird“, sagt Susanne Jantsch, Assessorin im Evangelischen Kirchenkreis Dinslaken. So wird sich die Kita Am Park im Friedrichsfeld stellvertretend für alle Kita-Einrichtungen mit der Problematik Kinderarmut befassen.

Es wurde ein Aktionsplan erarbeitet, der jetzt umgesetzt wird. Er sieht beispielsweise vor, dass an Kindergeburtstagen auf das Mitbringen von Kuchen und Geschenktüten verzichtet wird. Dafür wird in der Kita mit dem Geburtstagskind ein Kuchen gebacken. Zudem können Räumlichkeiten für die Geburtstagsfeier zur Verfügung gestellt werden.

Vorgesehen ist auch ein Symposium. Es gibt eine wissenschaftliche und themengebundene Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zur Kinderarmut von Studierenden der Sozialen Arbeit der niederländischen Saxion Hogeschool. Kern der Veranstaltung ist der Austausch und Wissenstransfer zwischen Praxis und Wissenschaft. Ziel ist es, die Sozialarbeiter von morgen für das Thema zu sensibilisieren und als Multiplikator zu nutzen.