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Voerde: Der Wächter der Spellener Grabsteine

Voerde : Der Wächter der Spellener Grabsteine

Sein ehrenamtliches Engagement führt Heinz Hülsermann oft auf den katholischen Friedhof in Spellen. Denn seit gut 25 Jahren ist er für dessen Verwaltung zuständig und kümmert sich um gepflegte Gräber und feststehende Grabsteine.

Alles begann mit einer Leidenschaft: Singen. Heinz Hülsermann singt seit seiner Jugend und ist seit über 60 Jahren in verschiedenen Chören aktiv. Seit 1959 auch im Kirchenchor der Gemeinde Sankt Peter Spellen, die mittlerweile zur Gemeinde Sankt Peter und Paul Voerde gehört. "Irgendwann hat man mich dann gefragt, ob ich mich nicht auch im Kirchenvorstand engagieren wolle", erzählt er. "Ich habe mich dann zur Wahl gestellt und bin jetzt seit rund 25 Jahren mit dabei."

Seitdem gehört auch der gemeindeeigene Friedhof am Ortseingang von Spellen in Richtung Ork und Mehrum in den Aufgabenbereich des 72-Jährigen. Und hier gibt es eigentlich immer etwas zu erledigen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, darauf zu achten, dass die Gräber sich in einem ordentlichen und gepflegten Zustand befinden. "Wenn ein Grab nicht gepflegt ist, dann gehe ich zu den Verwandten hin und spreche sie an. Meistens ist dann einige Tage später wieder alles in Ordnung", erzählt Heinz Hülsermann. "Aber wir haben auch einige Besucher, die Gräber für andere mitpflegen. Das klappt hier auch ganz gut."

Er selbst lägt bei der Pflege der Gräber allerdings nicht Hand an. "Mit den Gärtnerarbeiten habe ich nichts zu tun. Allerdings muss ich regelmäßig die Grabsteine auf ihre Standfestigkeit überprüfen. Das gehört zu den Aufgaben der Friedhofsverwaltung",berichtet Hülsermann. Da wird bei den 1200 Grabstätten, die sich derzeit auf dem Friedhof befinden, auch schon mal geklopft und gerüttelt. Und es kommt auch gelegentlich vor, dass einer der Grabsteine neu aufgestellt werden muss, weil seine Standfestigkeit nach einigen Jahren nicht mehr gewährleistet ist. Ansonsten sind es aber oft die Besonderheiten, die Heinz Hülsermanns Aufmerksamkeit brauchen. Etwa Anfragen von Bestattern, Anfrage aus der Zentralrendantur Wesel oder Fälle, in denen Menschen, die nicht zur Gemeinde gehören, auf dem Friedhof beerdigt werden sollen. "Wenn junge Familien hier im Ort leben und ihre Eltern außerhalb und dort versterben, dann machen wir auch schon mal Ausnahmen", berichtet Hülsermann. Und wenn es sich bei den Verstorbenen nicht um Katholiken handelt, ist auch schon mal ein Gespräch mit Pastor Wilhelm Kolks nötig. Aber meistens wird alles zur Zufriedenheit der Beteiligten erledigt.

Als Zuständiger für den Friedhof erlebt Heinz Hülsermann seit einigen Jahren schon einen Wandel in der Bestattungskultur. "Die Zahl der Gräber, die von Verwandten gepflegt werden, geht immer weiter zurück", berichtet er. Viele Menschen greifen auf Rasengräber zurück oder nehmen ein Angebot war, bei dem man einmalig einen Betrag an die Gemeinde zahlt, die dann die Grabpflege übernimmt. "Das liegt sicher auch daran, dass die Menschen immer älter werden. Mittlerweile sind die Kinder schon oft 60 Jahre alt, wenn ihre Eltern sterben. Da wissen sie nicht, ob sie noch 25 Jahre lang in der Lage sein werden, ein Grab zu pflegen", sagt Heinz Hülsermann.

Er selbst bemüht sich um kreative und nachhaltige Konzepte auf dem Friedhof. Zum Beispiel beim Thema Grünabfälle. "Die werden in Behältern hier vor Ort gesammelt und dann direkt kompostiert. Die so entstandene Erde können wir später wieder nutzen", erklärt er.

Wenn er sich nicht um den Friedhof kümmert, dann ist das Singen sein größtes Hobby, nicht nur im Kirchenchor der Gemeinde, sondern auch im Männergesangverein. Ansonsten packt er auch im Landwirtschaftsbetrieb der Familie noch ab und zu mit an. "Man muss immer ein bisschen beweglich sein", sagt der 72-Jährige.

Eine besondere Freude für ihn war vor einigen Monaten der Einzug von Störchen in das Storchennest in der Nähe des katholischen Kindergartens, dass er mitaufgestellt hatte. "Ich finde es großartig, dass es belegt ist. Die Kinder gehen da hin, schauen es sich an und staunen. Gerade wenn die Jungvögel schlüpfen ist das besonders interessant", sagt Heinz Hülsermann. "Das ist für mich ein echtes Geschenk."

(fla)