Der Voerder Jochen Haupt hat das Musical "Der Eritreer" geschrieben

Ensemble sucht noch Verstärkung : Voerder schreibt Musical „Der Eritreer“

In seinem Werk nimmt sich 79-jährige Joachim Haupt der Flüchtlingsthematik an und plädiert für mehr Menschlichkeit. 2020 soll die Premiere gefeiert werden.

Im Jahr 2017 verbrachte Jochen Haupt drei Monate in Italien. Er wohnte in der alten Etruskerstadt Tarquinia und arbeitete dort an einem Kinderbuch, um es fertig zu stellen. Damals fuhr er an einem Tag mit dem Zug ins etwa 85 Kilometer entfernte Rom. Als die Eisenbahn auf freier Strecke plötzlich ganz langsam fuhr, sah er, dass fünf bis sechs Metern von den Gleisen entfernt Hütten standen, in den Flüchtlingsfamilien mit ihren Kindern lebten. „Diese Menschen wurden von der italienischen Gesellschaft schon gar nicht mehr wahrgenommen“, erinnert sich der Voerder. Das Erlebnis hinterließ bei ihm einen nachhaltigen Eindruck. Es war der Moment, in dem der heute 79 Jahre alte Voerder sich entschloss, ein Musical über die Flüchtlingsthematik zu schreiben. Jetzt, zwei Jahre später, ist das Werk fertig. Es trägt den Titel „Der Eritreer“.

Jochen Haupt, seit frühester Kindheit begeisterter Hobbymusiker, komponierte die Lieder, schrieb die Texte dazu und verfasste die Geschichte, die in dem Stück erzählt wird. „Das Musical besteht aus 16 Musik-Titeln und einer Hintergrund-Lovestory. Spielszenen mit Sprechsequenzen sorgen für eine spannende und zeitbezogene Darstellung“, sagt Haupt. Gegenwärtig probt der Voerder mit Freunden und Bekannten für die Aufführung seines Werkes. Bei den Sängern und Darstellern handelt es sich ausschließlich um Laien, die aus Voerde, Bensberg, Übach-Palenberg und Wegberg kommen. Das Ensemble bilden gegenwärtig zwölf Mitglieder im Alter von 23 bis 79 Jahren. Für das Stück sind noch einige Rollen zu besetzen, weshalb Jochen Haupt und seine Mitstreiter sich über Verstärkung freuen würden. „Neue können jederzeit einsteigen“, sagt Haupt, nötigenfalls seien auch Proben außerhalb der Reihe möglich. Die Einstudierung der verschiedenen Titel des Musicals läuft seit etwa einem halben Jahr, gegenwärtig finden die Proben einmal im Monat statt.

Haupt, der früher als Techniker arbeitete, will sein Musical „Der Eritreer“ im Herbst nächsten Jahres auf die Bühne bringen. In diesem Jahr sollen vorab einige der Lieder öffentlich aufgeführt werden, möglicherweise in der evangelischen Kirche an der Grünstraße. Seine Premiere könnte das etwa 90-minütige Musical in Dinslaken feiern, gedacht ist als Aufführungsort an das Ledigenheim in Lohberg, erzählt Haupt. Doch bis es soweit ist, wird weiterhin eifrig geprobt. Bislang finden die Proben zu Hause bei Jochen Haupt statt, doch hält der Voerder bereits Ausschau nach geeigneteren Räumen.

In seinem Musical erzählt der Voerder die Geschichte von Joseph Gabenga, der in Asmara, der Haupttstadt von Eritrea geboren wird. Als er noch ein Baby ist, wandern seine Eltern mit ihm nach Syrien aus, da sie in einem Heimatland keine Perspektive für sich sehen. So wächst Joseph Gabenga in der syrischen Stadt Homs auf, wo sein Vater als Ingenieur arbeitet. Joseph studiert deutsche Sprache, Mathematik sowie Geschichte und wird Lehrer. Er heiratet eine Syrerin. Die Eheleute sind gläubige Christen, bekommen zwei Kinder, die ebenfalls christlich getauft werden. Dann beginnt in Syrien der Aufstand gegen das Regime des Machthabers Baschar al-Assad. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) greift immer brutaler in die Wirren ein, die sich zum Bürgerkrieg entwickeln. Es kommt zu Christenverfolgungen durch den IS, der alle ermordet, die sich nicht dem Kalifat unterwerfen. Eines Tages kommt Joseph Gabenga nach Hause, und für ihn bricht eine Welt zusammen, als er sieht, dass sein Haus in die Luft gesprengt wurde, seine Frau und seine Kinder ermordet worden sind. Da ihn nun nichts mehr hält, fasst er den Entschluss, diese Stadt und das Land zu verlassen: Er flüchtet nach Europa, Deutschland ist sein Ziel. Nachdem er Deutschland erreicht hat, wird er nach seiner Registrierung in Bayern mit einem Bus zu einer Sammelunterkunft nach Sachsen gebracht. Als er und die übrigen Flüchtlinge ankommen, wütet dort der Mob. Vermummte  skandieren „Wir sind das Volk, Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ Mit diesen Rufen beginnt das Musical, dann kommt schreiend der Eritreer auf die Bühne gerannt.

Jochen Haupt aus Voerde. Foto: Heinz Schild
Jochen Haupt aus Voerde. Foto: Heinz Schild

Sein Werk bezeichnet Jochen Haupt als „das Musical dieser Zeit für alle Menschen“. Darin setzt er sich für Flüchtlinge und Außenseiter ein, spricht sich gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung aus. Es ist ein Appell für mehr Menschlichkeit und Mitgefühl sowie ein eindringliches Plädoyer gegen den Hass. Diese Botschaft soll das Titelstück „Die Sonne geht für alle auf“ vermitteln. Mit seinem Musical will Jochen Haupt „die Menschen ansprechen und zum Nachdenken anregen, wohl wissend, dass man nicht alles ändern kann“.