Der Verein Wunderfinder in Dinslaken hilft jetzt auch alleinerziehenden Müttern

RP-Serie „Engel im Alltag“ (Teil 3): Engel für alleinerziehende Mütter

Seit 2016 hilft der Verein Wunderfinder Bedürftigen und Obdachlosen in Dinslaken. Seit gut drei Monaten bietet er auch Hilfe für alleinerziehende Mütter an. Svenja W. ist dem Verein dafür sehr dankbar.

„Ich hab’ jetzt noch Gänsehaut“, sagt Bianka Lakomski, als sie von diesem Helfer-Fall erzählt und schaut Svenja W. (Name von der Redaktion geändert) mit einem Lächeln an. Svenja schaut zurück, in ihrem Blick ist vor allem Dankbarkeit für dieses gemeinsame Erlebnis zu erkennen. Die alleinerziehende Mutter hat ein schwieriges Jahr hinter sich, doch jetzt wird langsam alles besser – dank des Engagements eines gemeinnützigen Vereins aus Dinslaken.

Es ging eigentlich „nur“ um einen Umzug. Für die 34-jährige Mutter aber eine echte Geduldsprobe. Denn Möbel und Kisten schleppen, Wände streichen oder Lampen anbringen ist für die alleinerziehende Mutter nicht gerade einfach: Schon lange hat sie mit einer rheumatischen Erkrankung zu kämpfen. Oft hat sie deswegen große Schmerzen. Vor zwei Jahren dann der Schicksalsschlag: Ein Schlaganfall.

Von jetzt auf gleich verändert sich für Svenja alles: Der Job wird ihr gekündigt, der Freund lässt sie sitzen. Das was bleibt, sind die Schmerzen. Ihre Wohnung im dritten Stock wird zu einer Qual, oft kommt Svenja kaum alleine die Treppen hinauf: „Ich bin zum Schluss nur noch auf allen Vieren hoch gekrochen, weil ich so Schmerzen hatte“, erzählt die 34-Jährige.

Svenja lässt sich aber nicht unterkriegen und findet bald eine neue Wohnung für sich und ihren elfjährigen Sohn, die nicht mehr im dritten sondern im ersten Stock liegt. Bei einer bekannten Fastfood-Kette nimmt sie einen Job an – übergangsweise, denn der Verdienst reicht bei Weitem nicht aus, also muss sich Svenja noch einen zweiten Job auf 400-Euro-Basis suchen.

Nebenbei meistert die 34-Jährige ihren Umzug. Nach und nach muss sie sich allerdings eingestehen, dass es einfach nicht mehr geht. „Nach und nach sind mir alle Helfer weggebrochen. Meine Familie lebt im Münsterland, die können nicht mal eben herkommen. Und dann hat mir mein Auto auch noch einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erinnert sich Svenja.

In ihrer Verzweiflung wendet sie sich ans Jobcenter Dinslaken. Sie hofft auf einen Zuschuss, damit sie sich einen Umzugshelfer leisten kann. Das Amt lässt sie jedoch abblitzen, auch ärztliche Bescheinigungen ihrer Krankheit helfen nicht weiter. „Die haben mir gesagt, ich solle mir studentische Hilfskräfte suchen. Bezahlt, natürlich“, erzählt Svenja von einem Gespräch mit einer Beamtin, „woher ich die bekomme, wussten die aber auch nicht“.

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Ihre letzte Hoffnung: Die Wunderfinder. Durch Zufall hatte sie von dem gemeinnützigen Verein gehört, der sich haupstächlich für Obdachlose rund um den Bahnhof in Dinslaken engagiert, und wendet sich per Facebook an Bianka Lakomski. die zweite Vorsitzende des Vereins. „Wir haben uns auf Anhieb verstanden“, weiß Svenja noch. Auch Michael Kulawik vom erweiterten Vorstand erfuhr von der Mutter in Not, und wollte sofort helfen. Und dann ging alles ganz schnell: Ein Facebook-Aufruf soll freiwillige Helfer motivieren, der Wunderfinder-Bus als Umzugswagen dienen. „Ich habe alles Logistische für den Umzug organisiert“, erzählt Kulawik, der häufig mit dem Wunderfinder-Bus für Bedürftige unterwegs ist.

Bei Svenja W. wird schließlich gemeinsam angepackt: „Es sind so viele Helfer gekommen, dass ich mit dem Zählen gar nicht mehr hinterher kam“, erzählt Svenja glücklich. Ein Facebook-Aufruf hatte die zahlreiche freiwillige Helfer motiviert, Kisten und Möbel zu schleppen. Nach ein paar Stunden schon war das geschafft, was zuvor für Svenja unmöglich schien. Ein Gänsehaut-Moment für die 34-Jährige und ihre Helferinnen und Helfer.

Jetzt geht es bergauf. In der Wohnung ist sie mittlerweile gut angekommen, einen weiteren Jobwechsel hat sie auch hinter sich – und diesmal reicht das Gehalt aus. Und die Wunderfinder? Die stehen Svenja weiterhin im Alltag zur Seite. „In der Wohnung muss noch ein bisschen gestrichen werden, und die Küche ist noch nicht ganz fertig“, sagt Bianka Lakomski. Von der vielen Hilfe, die sie durch den Verein erfährt, ist Svenja mehr als überwältigt. „Ich kenne es eigentlich nur, dass ich Geld für das gebe, was ich bekomme“, sagt sie. Ihr sei es deswegen am Anfang auch sehr schwer gefallen, bei den Wunderfindern um Hilfe zu beten. Diese Einstellung hat Bianka Lakomski schon oft beobachtet. „Man gibt immer gerne, aber Hilfe annehmen, das ist für viele sehr schwer“, sagt die 47-Jährige, „da ist die Hemmschwelle oft sehr hoch, vor allem bei alleinerziehenden Müttern“. Aus diesem Grund hat Bianka Lakomski gemeinsam mit den anderen Helfern bei Wunderfinder einen Spendentag für alleinerziehende Mütter eingerichtet. Jeden Montag können Kinder - und Frauenkleidung sowie Spielsachen abgeholt werden, die zuvor gespendet wurden.

Die Wunderfinder, ihre Engel im Alltag, sind Svenja mittlerweile sehr ans Herz gewachsen. Ihr gefallen der Verein und die Persönlichkeiten dahinter so sehr, dass sie wahrscheinlich selbst ein Wunderfinder werden möchte. „Hier sind alle total herzlich. Und obwohl ich noch kaum jemanden kenne, wurde ich sofort aufgenommen.“

Kennen Sie auch einen Engel im Alltag? Wer ist Ihnen tagtäglich eine besondere Hilfe, wem sind Sie für ihren oder seinen Beistand dankbar? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Unsere Adventsreporterin Maren Könemann wird Sie (und Ihren Engel) gerne besuchen. Kontakt per Mail an adventsreporterin@rheinische-post.de oder telefonische unter 0281 14340.

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