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Dinslaken: Der Mann der Zahlen verlässt das Rathaus

Dinslaken : Der Mann der Zahlen verlässt das Rathaus

Den letzten Arbeitstag hat er schon am 12. September gehabt. Heute ist dann auch offiziell Schluss. Dinslaken muss künftig auf die Dienste von Kämmereileiter, Horst-Jürgen Schafft, verzichten.

Er hat schon einmal reinschnuppern können in den Ruhestand, war mit seiner Frau zum Wandern im Berchtesgadener Land. Als er zurück war, hat er mit Kämmerer Dr. Thomas Palotz telefoniert und war gleich wieder drin in seinem Thema - den Dinslakener Finanzen. "Ich hatte noch gar nicht richtig Zeit, mich mit dem Ruhestand zu beschäftigen", sagt Horst-Jürgen Schafft. Kein Wunder, seine letzten Arbeitswochen waren turbulent genug. Einbruch bei den Gewerbesteuereinnahmen, Haushaltssperre, es gab viel zu tun in der Kämmerei. Und wer Horst-Jürgen Schafft in den vergangenen Jahren beobachtet hat, der kann sich denken, dass er es, obwohl der Ruhestand in unmittelbarer Sichtweite war, sicher nicht ruhiger hat angehen lassen.

Schafft ist einer, der den Begriff "öffentlicher Dienst" im Wortsinn verkörpert hat. "Ich hab's jedenfalls immer versucht", sagt er darauf angesprochen, ob er diese Beschreibung für zutreffend hält. Auch das ist Horst-Jürgen Schafft.

Aufhebens von sich macht er nicht. In die erste Reihe hat er sich nie gedrängt. Schafft war da, effektiv, kompetent, loyal, egal ob die Kämmerer Willi Brechling, Jörg Dehm oder Thomas Palotz hießen. Dabei hat er auch mal in der ersten Reihe gestanden. Als Jörg Dehm 1999 zum Oberbürgermeister von Hagen gewählt wurde, hat der Rat Schafft mit den Aufgaben des Kämmerers betraut. Ursprünglich sollte das nur für eine Übergangszeit bis Frühjahr 2010 der Fall sein, hat dann - weil der erste Anlauf, einen neuen Kämmerer zu wählen, aufgrund politischer Querelen scheiterte - ein Jahr länger gedauert. Für Schafft ist das nichts, worüber groß geredet werden muss. Er hat eben die Aufgaben erledigt, wie es sich für einen Beamten gehört.

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Das liegt dem gebürtigen Lohberger irgenwie in den Genen. Der Großvater war Forstbeamter, der Vater ist nach einem Umweg über das Uhrmacherhandwerk zum Finanzamt gegangen. Er selbst hat sich nach Volksschule und zwei Jahren Handelsschule, auf der er entdeckt hat, dass er ein "Mann der Zahlen" ist, bei der Sparkasse, bei der Stadt und bei der Kreisverwaltung beworben. "Eigentlich wäre ich ja gern zur Sparkasse gegangen. Ich hätte da auch anfangen können", erzählt er. Die Familie hat ihn dann aber sanft in Richtung Beamtenlaufbahn gedrängt. Er hat sich drängen lassen und diesen Schritt, wie er rückblickend sagt, nie bereut. Mit 16 hat er im Dinslakener Rathaus begonnen. Es folgten zwei Jahre Verwaltungspraktikum, drei Jahre Inspektorenausbildung, eineinhalb Jahre Bundeswehr. Seine Karriere führte über Bauverwaltung, Ordnungsamt, Haupt- und Personalamt, bis er am 1. Januar 2001 Chef der Kämmerei wurde.

Nun also der Ruhestand. Was er sich vorgenommen hat? All das, für das er berufsbedingt nicht ausreichend Zeit hatte. Schaffts haben einen großen Garten. Der will gepflegt werden. Mehr Sport will er treiben. Joggen und Rad fahren - die Kollegen haben ihm zum Abschied ein Navigationsgerät fürs Fahrrad geschenkt, das er ausgiebig nutzen will - und wenn ihm nach mehr Tempo ist, dann steigt Horst-Jürgen Schafft auf sein Motorrad, eine BMW F 650.

(RP)