Hünxe Der kleine König trug damals Zylinder

Hünxe · Die Hüte waren zu groß. Auch die Uniformen passten nicht. Aber das spielte überhaupt keine Rolle. Die Jungen, die 1949 im Hünxerwald zum Kinderschützenfest antraten, freuten sich einfach unbändig darauf, mal so zu feiern "wie die Großen". Es war das erste Kinderschützenfest nach dem Krieg. Die Erwachsenen feierten die grün-weiße Sause traditionell im Dorf. Bei den Kindern lief das anders.

Die Jungen marschierten mit ihrem Lehrer von der Schule zu einer Sandgrube. Dort schossen sie um die Königswürde. Dabei waren ein scharfes Auge und eine sichere Hand gefragt. Einen Vogel gab es nicht. Das Ziel war die Scheibe.

Die königliche Zeremonie fand im Anschluss auf dem Sportplatz statt, wo sich die Schulkinder trafen. Das Königspaar kam in einer Kutsche vorgefahren, Hauptmann und Adjutanten ritten auf Pferden. Dann rief der Hauptmann: "Der beste Schütze trete vor!" Und es war Manfred Röhsing. Die Röhsings waren auch in den kommenden Jahren beim Schießen immer vorn. "Sie waren eben die Besten", erzählt Regina Witte. Sie war mit dabei und kann sich noch gut an das Ereignis erinnern.

"Zwei Mädchen und zwei Jungen bildeten den Hofstaat. Der König bekam die Kette umgelegt und einen Zylinder aufgesetzt. Die Königin wurde mit einem Krönchen geschmückt. Sie stiegen alle sechs in die Kutsche, ein Tambourcorps spielte dazu, und auf ging es zum Meesenhof in die Scheune." Auf dem Hof — heute ist dort der Golfplatz — wurde gefeiert bis in die frühe Nacht. Kinder und Erwachsene wurden bewirtet. Eine Kapelle spielte Tanzmusik. Der Heimweg war lang. Aber das spielte damals keine Rolle.

Am nächsten Tag liefen die Kinder zum Königspaar. Eine selbst gefertigte Fahne flatterte voraus. "Dort angekommen, wurden wir mit Sprudelwasser und Kuchen bewirtet", berichtet Regina Witte. "Damals war das etwas ganz Besonderes." Den Abschluss des Festes erlebten die Kinder in der Scheune. Es gab Kreisspiele, man hatte Spaß miteinander.

Das letzte Kinderschützenfest, das Regina Witte erleben durfte, fand im Juli 1954 statt. Es war ein besonderer Sommer. Und der 4. Juli 1954 war ein besonderer Tag. Die deutsche Nationalmannschaft sollte in der Schweiz Fußballgeschichte schreiben. Im Berner Wankdorf-Stadion siegte Sepp Herbergers Elf vor 60 000 Zuschauern mit 3:2 gegen Ungarn. Die deutschen Kicker gingen daraufhin als die "Helden von Bern" in die deutsche Sportgeschichte ein.

"Wir saßen alle am Radio, als Deutschland Weltmeister wurde", erzählt Regina Witte. Diesen Schützenfestsonntag, da ist sie sicher, wird jeder, der damals dabei war, zeitlebens in guter Erinnerung behalten.

(RP)