Dinslaken: Der harte Kampf gegen das Übergewicht

Dinslaken : Der harte Kampf gegen das Übergewicht

Selbsthilfegruppe trifft sich regelmäßig und hilft, wenn die Ärzte Adipositas diagnostizieren.

Markus Laaks (38) trinkt Mineralwasser, wie auch die anderen 25 Teilnehmer in der Mitarbeiterkantine des Evangelischen Krankenhauses in Dinslaken. Es ist 19 Uhr und Zeit für die Selbsthilfegruppe Adipositas, für Menschen mit starkem Übergewicht. Bernd Krüger (48) leitet sie seit 2012, nachdem seine Vorgängerin ihren Vorsitz aufgegeben hatte.

"Ich hatte 80 Kilogramm Übergewicht und war bei Kleidergröße XXXL angelangt", sagt Markus Laaks, und erzählt von seinen jahrelangen Versuchen, abzunehmen und sein Gewicht zu halten. "Ich habe sämtliche Diäten probiert, zuerst mit Erfolg, doch kurze Zeit später stellte sich immer wieder der Jojo-Effekt ein, und immer kamen ein paar Kilos obendrauf", beschreibt er den Teufelskreis.

Irgendwann hatte er 80 Kilogramm Übergewicht. Neben körperlichen Unwohlsein brachte das auch Unannehmlichkeiten in seinem Beruf mit sich: Er muss eine Uniform tragen und in seiner Kleidergröße waren diese rar. Es gab eine Begebenheit, bei der ihm eine Hose von zweien zerriss und er hatte Schwierigkeiten, passenden Ersatz zu finden. Er ist seit über drei Jahren in dieser Selbsthilfegruppe und nach einer zirka dreijährigen Phase des Hin- und Herüberlegens hatte er sich im September 2015 dazu entschlossen, sich seinen Magen verkleinern zu lassen.

Er hat nun einen so genannten Schlauchmagen, was bedeutet, dass einer großer Teil seines Magens entfernt wurde und nur noch ein Schlauch übrig geblieben ist. "Ich habe schon viele Kilos abgenommen", bemerkt er, aber auch, dass er es unbedingt vermeiden muss, über sein Sättigungsgefühl hinaus zu essen, da er sonst Magenkrämpfe und Schweißausbrüche bekommt.

"Wenn die Diagnose gestellt worden ist, dass man unter Adipositas leidet und Folgeerkrankungen zu erwarten sind oder bereits bestehen, muss man etwas tun", sagt Bernd Krüger, der die Selbsthilfegruppe leitet. Er erläutert, was dann unternommen werden muss: Der Patient nimmt dann an einem multimodalen Programm teil, bei dem ein Facharzt, ein Psychologe, eine Ernährungsberaterin mitwirken. Mit der Teilnahme an der Selbsthilfegruppe Adipositas können die Mitglieder noch zusätzlich unterstreichen, dass sie sich im Rahmen der Therapie kooperativ verhalten.

Es finden regelmäßig Treffen statt und dort wird den Teilnehmern vermittelt, wie sie über die Ernährungsumstellung und Bewegung Kilos abnehmen können. Viele werden auch mit speziellen Medikamenten behandelt, doch stagniert das Gewicht oder erleiden die Teilnehmer Rückschläge in der konservativen Behandlung, dann ist es bei entsprechender Mitwirkung in dieser Fachgruppe möglich, bei der zuständigen Krankenkasse einen Antrag auf eine Magenverkleinerungsoperation zu stellen.

Lehnt die Krankenkasse ihn ab, legt man Widerspruch beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) ein und mit dem entsprechenden Nachweis über die Teilnahme in der Fachgruppe bekommt der Antragsteller meistens doch die Operation genehmigt.

Die Selbsthilfegruppe ins Dinslaken bietet ihren Mitgliedern eine Anlaufstelle, um Erfahrungen auszutauschen und abzuwägen, wie sie weiter mit ihrer Erkrankung umgehen sollen. Sie ist auch ein Modul des multimodalen Ansatzes, der für die erfolgreiche Therapie von Adipositas notwendig ist. Bernd Krüger und die Mitglieder führen während ihrer Treffen alle zwei Wochen Vier-Augen-Gespräche oder Gruppengespräche. Er ist es auch, der wenn die konservativen Methoden wie zum Beispiel eine Diät und Sport nicht zum gesetzten Ziel führen, eine Bescheinigung ausstellt, die für die Beantragung einer Operation notwendig ist.

Die Teilnehmer der Gruppe geben sich aber auch gegenseitig Rückhalt und können einander vertrauen. Sie haben beim Treffen und in einer geschlossenen Facebook-Gruppe die Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen und auszutauschen, wobei alle lieber von Angesicht zu Angesicht miteinander sprechen. Ausnahmslos alle haben die Geheimnisklausel "unterschrieben", was bedeutet, dass nichts, was während der Sitzungen besprochen wird, nach außen erzählt wird. Das schafft das Vertrauen, das sie von ihrer Umwelt zumindest zeitweise nicht erfahren, werden sie doch allzu häufig angefeindet, mit nicht brauchbaren Ratschlägen abgespeist oder schlimmstenfalls beruflich und privat diskriminiert.

(RP)
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