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Der Dinslakener Peter Keup bricht seine Welttour wegen Corona ab

Vorzeitige Rückkehr nach Deutschland : Peter Keup bricht Welttour wegen Corona ab

Der Virus hat die Pläne des Dinslakeners, der sich für Demokratie und Aufarbeitung von Diktatur-Erfahrungen einsetzt, verändert.

Bis zuletzt hatte Peter Keup nicht damit gerechnet, dass die Einschränkungen durch das Coronavirus so massiv seien würden. „Nachdem nun auch noch die letzten Veranstaltungen in Südkorea wegen des Coronavirus abgesagt worden sind, haben wir uns entschlossen, unsere Welttour in Sachen ,Diktatur-Erfahrung und Demokratie-Erziehung’ abzubrechen und nicht weiter nach Südostasien zu reisen, sondern stattdessen nach Deutschland zurückzukehren“, berichtet der Dinslakener. Schon in den zurückliegenden Wochen waren seine Reise- und Veranstaltungsplanungen immer wieder durch den Coronavirus beeinträchtigt worden, wie die RP berichtete. So weit ihm dies möglich war, hatte er flexibel auf die neue Terminsituation reagiert und sich den sich ändernden Verhältnissen angepasst.

Im November des vergangenen Jahres war Peter Keup gemeinsam mit Harald Korff zu seiner Weltreise aufgebrochen. Erstes Ziel war Bogota in Kolumbien. Auf Einladung von deutschen Auslandsschulen, Goethe-Gesellschaften, Universitäten, deutschen Auslandsschulen und weiteren Bildungseinrichtungen sprach der Dinslakener als Historiker und DDR-Zeitzeuge bei seiner Tour in verschiedenen Ländern mit den dortigen Menschen über Diktatur-Erfahrungen und über die Zukunft der Demokratie. Peter Keup, 1958 in Radebeul bei Dresden geboren, war als Turniertänzer erfolgreich, unternahm 1981 einen Fluchtversuch, wurde daraufhin verurteilt, kam ein Jahr später in die Bundesrepublik und betrieb in Dinslaken über 20 Jahre seine Tanzschule.

Veranstaltung von Peter Keup am German Department der University of Melbourne. Foto: Peter Keup

„In Sydney und Melbourne konnten wir die geplanten Veranstaltungen an verschiedenen Universitäten und Schulen noch ohne Einschränkungen durchführen“, berichtet Keup. Mit der Abreise aus Australien und den weiteren Absprachen hinsichtlich der Weiterreise nach Südostasien änderte sich die Situation dann aber gravierend, denn es kamen immer mehr Absagen. „Darauf mussten wir reagieren und haben die Entscheidung so getroffen, wie wir sie getroffen haben“, begründet er den Abbruch seiner Welttour.

In Australien konnte der Dinslakener noch die beiden Deutschland-Kenner, Prof. Andrew Beattie und Anna Funder, treffen, worüber er sich nach eigener Aussage sehr gefreut hat. Denn Beattie und Funder haben nach seiner Einschätzung mit ihren Publikationen maßgeblich zum besseren Verständnis der deutsch-deutschen Geschichte beigetragen. Andrew Beattie habe sich mit seinem Buch „Playing Politics with History“ aus australischer Sicht mit der Aufarbeitung der SED-Diktatur standardgebend auseinandergesetzt. Das zum 30. Jahrestag des Mauerfalls und der deutschen Wiedervereinigung neu aufgelegt Buch „Stasiland“ von Anna Funder sei in Australien mittlerweile zu einem Standardwerk des Schulunterrichts geworden. In dem auch auf Deutsch erschienenen Buch nehme Anna Funder zur Lage in Deutschland Stellung und nehme Bezug auf die aktuellen Kontroversen, auch und vor allem auf die Opfer-Täter-Debatte. „Sie zeigt sich skeptisch zum Stand der deutschen Wiedervereinigung, insbesondere weil die Opfer und das Unrecht der SED-Diktatur in Vergessenheit zu geraten scheinen“, so Peter Keup. Nach seiner Einschätzung lohnt es sich, diese Bücher zu lesen, weil sie sich mit einem klärenden Blick von außen der deutschen Geschichte nähern und den Ereignissen um den Mauerfall und die Wiedervereinigung sowie deren Aufarbeitung neue und bleibende Einsichten vermitteln. Keup hofft, die beiden Australier motivieren zu können, dass sie zu einer Vortragsreise nach Deutschland kommen.

Peter Keup mit der australischen Buchautorin Anna Funder. Foto: Peter Keup

Gegenwärtig halten sich Keup und Harald Korff, die gemeinsam in Essen das Kulturstudio F 19 betreiben, in Thailand auf und nutzen einige ihnen noch verbleibende Tage zur Erholung, bevor sie nach Deutschland zurückreisen. Die Lage in Thailand beschreiben sie als „verhältnismäßig entspannt“. Zurück in der Heimat, werden sie mit der Planung beginnen, über ihre Reise öffentlich zu berichten und wie sie ihre Arbeit im In- und Ausland fortsetzen können. Von den weiteren Entwicklungen wird abhängen, ob die in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum geplante Veranstaltung zum Thema „DDR-Traumata aus Haft-Erfahrungen und deren Verarbeitung“ wie bislang vorgesehen Mitte Mai stattfinden kann. „Optimistischer Weise“ geht Pater Keup erstmal davon aus.