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Der 100. Karl-May-Stammtisch in Dinslaken

Vor zehn Jahren gegründet : Stammtisch mit Old Shatterhand

Vor zehn Jahren gründete Gerd Hardacker in Dinslaken einen Karl-May-Stammtisch. Freunde des Schriftstellers treffen sich regelmäßig in der Lohberger Karawane, um dort über Winnetou und andere Helden ihrer Jugend zu fachsimpeln.

Die Geschichte des Karl-May-Stammtischs in Dinslaken beginnt eigentlich mit der Kindheit von Gerd Hardacker. Der Gründer des Stammtisches war schon damals von Sammelkarten mit Karl-May-Abenteuern fasziniert, die es damals auf einer bestimmten Margarinepackung gab. „Irgendwann konnte ich dann lesen und wünschte mir zu jeder Gelegenheit die Bücher von Karl May“, erzählt der 70-Jährige.

Heute sitzt er in seinem Arbeitszimmer in einer Umgebung, die von dem bekannten Autor geprägt wird: Auf einer breiten Regalwand finden sich die Werke von Karl May, oft in verschiedenen Auflagen und Versionen. „Ich habe auch verschiedene Ausgaben aus dem Ausland hier“, sagt Hardacker und zieht einige Bände aus dem Regal: Litauische, finnische und indonesische Ausgaben, sogar eine in chinesischer Schrift ist dabei. Dazu kommt Sekundärliteratur ohne Ende, von ergänzenden Erzählungen über Fachbücher bis hin zu Forschungsbeiträgen. „Die Themenvielfalt bei Karl May ist quasi unendlich“, erklärt Hardacker.

1990 war er der Karl-May-Gesellschaft beigetreten. „Dort gab es schon immer Freundeskreise und Stammtische und ich dachte mir, so etwas könnte man doch auch hier in Dinslaken gründen“, erzählt er. Zunächst suchte er nach einer passenden Lokalität mit Karl-May-Bezug. Die entdeckte er über Umwege. Im Deutschen Apothekenmuseum fiel ihm eine Reiseapotheke ins Auge, die einer entspricht, die Karl May in seinem Buch „Durch die Wüste“ schildert. Und genau dieses Ausstellungsstück war eine Leihgabe von Apotheker Elmar Sierp aus Dinslaken. „Damit hatte ich mit der Alten Apotheke die passende Gaststätte für den Stammtisch gefunden“, erklärt Hardacker. Also schaltete er eine Annonce in der Zeitung, um Gleichgesinnte zu finden. „Es hat sich erstmal niemand gemeldet und so saß ich alleine in der Alten Apotheke und wartete“, erinnert er sich. Als schließlich ein Paar zum Stammtisch kam, erzählte Gerd Hardacker so lang und lebhaft, dass sich die beiden einzigen Besucher schnell wieder verabschiedeten und bis heute nicht mehr beim Stammtisch gesehen wurden.

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Das wollte der Dinslakener nicht auf sich sitzenlassen und trommelte aus seinem Freundeskreis ein halbes Dutzend Menschen zusammen, die sich zur zweiten Ausgabe des Karl-May-Stammtischs einfanden. „Seitdem treffen wir uns jeden letzten Freitag im Monat. Dabei kommen die wenigsten der Mitglieder aus Dinslaken“, erzählt Gerd Hardacker. Aus Herne, Dortmund, Rheinhausen, Düsseldorf und Essen reisen die Menschen nach Dinslaken, um einige Stunden mit Gleichgesinnten über Karl May zu diskutieren. Mittlerweile trifft man sich in der „Karawane“ in Lohberg. „Ein arabisches Restaurant und Karl May - das passte wie die Faust aufs Auge“, sagt Hardacker. Dieses Jahr wird der Karl-May-Stammtisch sein zehnjähriges Bestehen begehen und das erste Treffen im Januar markiert auch die 100. Zusammenkunft der Fans des Autors und seiner Werke.

Die Themen werden der illustren Runde dabei so schnell wohl nicht ausgehen. „Man kann die Bücher immer wieder lesen und entdeckt dabei jedes Mal etwas Neues“, sagt Gerd Hardacker. Dabei beschäftigen die Mitglieder des Stammtischs nicht nur Winnetou, Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Co, sondern auch die Reiseerzählungen des Autors und bisweilen sogar scheinbare Ausreißer im Œu­v­re des Autors, wie seinem Ritterroman „Ritter und Rebellen“, auch bekannt als „Der beiden Quitzows letzte Fahrten“.

„Wir haben immer ein bestimmtes Thema, aber wir sehen das eher locker“; sagt Gerd Hardacker, der gemeinsam mit verschiedenen Mitautoren sogar schon Forschungsaufsätze zu Themen in Karl-May-Romanen publizierte. Aber auch über Verfilmungen der Romane und die Umsetzung bei Karl-May-Festspielen wird gerne diskutiert.

Und zwischendurch unternehmen die Mitglieder des Stammtisches auch gemeinsame Exkursionen – natürlich immer zu Orten, die etwas mit dem Wirken des Autors zu tun haben.