Voerde: "Den Anbau auf gesunde Füße stellen"

Voerde: "Den Anbau auf gesunde Füße stellen"

Die Solidarische Landwirtschaft Niederrhein möchte Lebensmitteln ihren Wert zurückgeben. Auf einem Acker am Tinterhof in Spellen startet sie ein Pionierprojekt.

Ein paar hundert Meter hinter dem Tinthof - dem Milchviehbetrieb der Familie Hülsermann - erstreckt sich über etwa einen Hektar Land ein frisch gepflügter Acker. In den kommenden Wochen entsteht hier das Pionierprojekt der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) Niederrhein. Die Solidarische Landwirtschaft ist ein offener Interessenverein mit dem Ziel, wieder eine Beziehung zwischen Verbraucher und Produkt aufzubauen.

Die Anteilszeichner der Gemeinschaft verpflichten sich dabei, die Jahreskosten der Lebensmittelproduktion für einen landwirtschaftlichen Betrieb oder eine Gärtnerei zu übernehmen.

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Der Betrieb erhält dadurch Planungssicherheit und kann bedürfnisorientiert produzieren. Die Gemeinschaft erhält im Gegenzug regionale, saisonale, nachhaltig produzierte Lebensmittel. "Dem einzelnen Produkt wird sein Preis genommen und sein natürlicher Wert zurückgegeben", das ist die Quintessenz aller SoLaWi-Gemeinschaften.

"Es geht darum, Landwirtschaft wieder auf gesunde Füße zu stellen", erklärt Nicole Weber, die Gründungsmitglied der SoLaWi Niederrhein ist. Man setzt der strikt durchgetakteten Globalisierung Regionalität entgegen. Deutschlandweit gibt es bereits über 100 solcher Gemeinschaften, die keine Lust mehr auf Supermarkttomaten aus Spanien und Äpfel aus Neuseeland haben. Für die kommende Saison haben sich die Anteilszeichner auf eine ganze Reihe von Gemüsesorten geeinigt: Blumenkohl, Knollensellerie, Rote Beete, Spinat, Zuckermais - etwa 20 Sorten Gemüse und Kräuter stehen auf dem Pflanzplan. Die Hauptarbeit auf dem Acker übernehmen zwei Gärtner, die von der SoLaWi ein Gehalt gezahlt bekommen. Dennoch kann jeder auf dem Feld mithelfen und anpacken. Wenn das Gemüse in den kommenden Monaten erntebereit ist, können die Anteilszeichner wöchentlich ihr Gemüse abholen. Zusätzlich dazu sollen Depots bei Einzelpersonen eingerichtet werden, damit durch die Dezentralisierung Fahrtkosten gespart werden. Familie Hülsermann ist von der Idee der SoLaWis überzeugt: "Der Verbraucher ist ganz weit weg. Da muss man wieder eine Beziehung herstellen", sagt Heike Hülsermann, die mit ihrem Mann Christian der SoLaWi Niederrhein das Land zur Verfügung stellt. Sie finden die Idee sogar so gut, dass sie selbst einen Anteil gezeichnet haben. "Das kann eine gute Gemeinschaft werden", schaut Heike Hülsermann in die Zukunft. Momentan sucht man noch weitere Anteilszeichner, die sich an dem Projekt beteiligen möchten.

(D.K.)
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