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Dinslaken: Das überflüssige Geschlecht

Dinslaken : Das überflüssige Geschlecht

Mit triumphierendem Blick und süffisantem Lächeln saß der weibliche Teil der Zuschauer im Dinslakener Burgtheater, wild entschlossen, sich zu amüsieren. Regen, Unwetter, unfreiwillige Kastanienernte.

Alles wäre egal, wenn man ein Comedyprogramm mit einem so viel versprechenden Titel zu erwarten hat. "Männer muss man schlagen", hatte der Essener Komiker Ingo Appelt im Vorhinein verlauten lassen, und wenn das nicht neugierig auf eine muntere Argumentationskette über das "überflüssige Geschlecht" macht, was denn dann?

Elfengleiche Wesen

Etwa 750 Zuschauer begrüßten den selbst ernannten "Konkursverwalter der Männlichkeit" zu seinem Auftritt. "Bis zum Unwetter ist es nicht mehr lang hin, deshalb machen wir's kurz", witzelte er zur Begrüßung und stellte geschwind die verbindliche Grundlagenthese seines zweieinhalbstündigen Programms klar: Frauen sind elfengleiche Wesen, die besseren Menschen, die Königinnen dieser Welt. Männer dagegen sind "scheiße". Das liegt an vielerlei.

Zum Beispiel daran, dass der Mann in den vergangenen Jahrhunderten doch recht überflüssig geworden ist. "Wo kannste als Mann heutzutage noch Held sein?", fragte Appelt sich und das Publikum. Und erwiderte prompt selbst: nirgends. Wo es früher einmal hieß: "Wenn der Papa nach Hause kommt, kannste was erleben", schreitet heute die Super-Nanny ein. Statt dank Akkubohrer die helfende Hand des Haushalts zu sein, spaziert dieser Tage Tine Wittler vorbei und renoviert in zwei Stunden fünf Einfamilienhäuser. Und selbst beim Fußballgucken haben die Frauen ihre Evolutionspartner längst abgehängt. Die Damen sind die neue Zielgruppe, und so ist es kaum verwunderlich, dass der einst so männliche Ballsport immer "drolliger" wird. Schweini, Poldi, Jogi, Kurányi — die Niedlichkeitsform ist allgegenwärtig. Tschüss, Männer, sucht euch ein neues Hobby. Doch wer dachte, Ingo Appelt habe seinen Auftrittscharakter komplett überholt und würde nicht auch gerne in alle anderen thematischen Himmelsrichtungen schießen, irrte gewaltig.

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Rentner beschimpfte er als "fideles Friedhofsgemüse" und "Grabflüchtlinge", die allesamt "heestern" und dabei auch noch studieren. Frauen geißelte er dagegen für ihre schier unerfüllbaren Ansprüche. Stark muss ein Mann für sie sein, aber irgendwie auch gebrochen. Sicherheit verlangen sie von einer Beziehung; aber irgendwie auch Freiheit. Nur Comedians, die könnten gar nicht kaputt genug sein, resümierte Appelt und zog in schönster Parodie-Manier über seine Kollegen her.

Und natürlich bekamen auch Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Til Schweiger, Grönemeyer, Westernhagen und Udo Lindenberg ihr Fett weg. Am Ende dann das Resümee: Frauen möchten "gottgleich angeliebt werden", um mächtig zu sein. Männer dagegen streben nach Macht, um geliebt zu werden. Ein fataler Antizyklus.

Liebeslied

Appelts Lösung: Ein bisschen mitmenstruieren und ein Liebeslied singen: "Bisschen Sex, meine Ruhe und 'n Bier / mehr will ich gar nicht von dir", so dessen Refrain. Und da bekam man doch schon wieder Lust, den Programmtitel beim Wort zu nehmen.

(RP)