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Reportage Am Montag: Das Repair-Café ist keine Eintagsfliege

Reportage Am Montag : Das Repair-Café ist keine Eintagsfliege

An so einem alten Schätzchen arbeitete auch Silvio Schmidt schon ewig nicht mehr. Der Elektrotechniker baut vorsichtig ein Grundig-Tonbandgerät auseinander, wechselt die Gummiriemchen aus und nimmt eine Totalreinigung vor.

In Deutschland werden immer mehr Repair-Cafés gegründet, um dem Wegwerftrend entgegenzutreten. "Die Hersteller bauen die Elektrogeräte immer komplizierter zusammen, weil sie es gar nicht wollen, dass man sie selbst zu Hause repariert. Dann gibt man sie im Fachhandel ab und weil eine Reparatur fast so teuer wie eine Neuanschaffung wäre, landet das Gerät auf dem Müll", weiß Udo Radmacher, der sich Tipps aus dem Internet besorgt und selbst jedes Mal etwas dazulernt, wenn er etwas repariert. Das defekte Tonbandgerät überließ er aber dem Elektrotechniker, der es vor der Abfalltonne bewahrte: "So ein altes Tonbandgerät könnte man auch gar nicht mehr bei den Firmen reparieren lassen", erklärt Silvio Schmidt.

Weitere Hilfe kann das Repair-Café gut gebrauchen, denn rund 30 Teile werden während des vierstündigen Treffens in Augenschein genommen. "Die Zeit reicht aber nicht aus, um alles zu schaffen. Es warten bestimmt noch zwölf Teile, um die wir uns später noch einmal ohne Publikumsverkehr kümmern werden", berichtet Radmacher, der mit seinem Team jeden Auftrag zu bearbeiten versucht. Sei es nur das Festziehen von Schrauben an einem Schrubber oder ein abgerissener Henkel einer Aktentasche: "Da war eine Frau besonders glücklich, weil ihr weder ein Schuster noch eine Näherin helfen konnte. Das Problem haben wir auf unsere eigene kreative Weise gelöst."

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Dass die weiteren Termine für 20215 fest eingetragen sind, beweist, dass das Repair-Café keine Eintagsfliege bleiben soll. "Wir werden sehr gut besucht, und die Aktion wird von der ganzen Gemeinde toll angenommen. Alle stehen hinter dem Repair-Cafe", freut sich der Organisator, zumal der gute Zweck der Aktion manchmal besonders groß ist: "Wir haben drei Fahrräder in einem ordentlichen Zustand von einer älteren Dame bekommen, die sie nicht mehr braucht. Ich glaube, dass eins davon von ihrer Mutter ist, die schon 99 Jahre alt ist. Ein Bewohner aus der Fliehburg hilft jetzt mit, die Räder wieder auf Vordermann zu bringen und dann werden sie auch der Fliehburg zur Verfügung gestellt."

Die Reparaturen werden kostenlos vorgenommen, doch wartet auf die Besucher am Ausgang ein kleines Sparschwein. "Das Repair-Café soll offen für alle sein, weshalb wir uns über eine kleine Spende freuen. Nur wenn Kosten für Ersatzteile entstehen, müssen diese übernommen werden", sagt Udo Radmacher.

(gaa)