Dinslaken: Das letzte "Goldene Buch"

Dinslaken: Das letzte "Goldene Buch"

Anfang des 20. Jahrhunderts bedachte die damalige Gemeinde Walsum verdiente Personen mit einer edlen Mappe gefüllt mit künstlerischen Fotos. Vermutlich wurden nur drei vergeben, der Heimatverein hat nun die letzte intakte.

walsum Das "Goldene Buch", wie der 1991 verstorbene Heimatforscher Wilhelm Mölleken die Ehrengabe der früheren Gemeinde Walsum nannte, öffnet sich wie eine Einschlagmappe. Vier dunkelblaue Flügel, die nacheinander aufzuklappen sind, bedecken den Inhalt: ein Stapel auf Büttenpapier aufgebrachter, künstlerischer Fotografien in Schwarz-Weiß, die den Heimatvereins-Vorsitzenden Helmut Schorsch mit der Zunge schnalzen lassen. "Es sind viele Bilder darunter, die wir selber gar nicht kannten", sagt er. Und das bei 6000 Aufnahmen im Archiv.

Die eigentliche Rarität aber ist die gesamte Mappe. Vermutlich wurden nur drei jemals hergestellt und feierlich an herausragende Persönlichkeiten Walsums überreicht. Das letzte bekannte intakte Exemplar ist, für Schorsch überraschend, nun aufgetaucht – ein überaus wertvolles Stück Heimatgeschichte.

Eingeschlagen im Walsumer Blau

Von 1905 bis 1958 war Walsum eine eigenständige Gemeinde im Kreis Dinslaken, erhielt dann das Stadtrecht und ging 1975 in der Stadt Duisburg auf. Als erster Bürgermeister der Gemeinde fungierte Johannes Hoeveler, bis 1933, als die Nationalsozialisten den hoch angesehenen Mann absetzten. Wie Helmut Schorsch erzählt, vergab die Gemeinde Walsum als Ehrenzeichen keine Teller und auch keine Medaillen. Sondern das ganz in Walsumer Blau – entsprechend dem Blau im Walsumer Wappen – eingeschlagene "Goldene Buch", auf dessen Deckel in goldenen Lettern "WALSUM" prangt.

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Der mündlichen Überlieferung nach hat die Gemeinde Walsum nur drei dieser Bücher, ungefähr im Folioformat, bei der Kippenberg'schen Verlagsanstalt Düsseldorf in Auftrag vergeben. Ein Exemplar gilt als verschollen, ein zweites wurde Blatt für Blatt zerpflückt, die Fotografien als Gastgeschenke vergeben. Das dritte ist vollständig und gut erhalten. Autohaus-Seniorchef Hubert Röder hat es aus dem Nachlass seiner verstorbenen Ehefrau dem Heimatverein zur Verfügung gestellt. In dessen Archiv an der Schulstraße wird es nun gut verschlossen aufbewahrt.

Röders Verbindung zum Buch schildert sich so: Der Mädchenname seiner Ehefrau Elisabeth lautete Bremmekamp. Sie war die Tochter von Maria Bremmekamp, geborene Rebbelmund. Ihr Vater, der mit zwölf Kindern reich gesegnete Rektor Heinrich Rebbelmund, hatte 1928 zum Übergang in den Ruhestand ein "Goldenes Buch" in Empfang genommen. Der Heimatforscher Helmut Schorsch beschreibt Heinrich Rebbelmund als eine Persönlichkeit, die im Ort den allerhöchsten Respekt genoss. Er war Rektor der Dorfschule in Alt-Walsum, dirigierte den Chor der Pfarrgemeinde Sankt Dionysius und spielte in der Kirche die Orgel. Rebbelmund war ein streng gläubiger Katholik.

In der Verleihungsurkunde, die im "Goldenen Buch" zuoberst liegt, steht, an den "hochverdienten Rektor Heinrich Rebbelmund" gerichtet, nachzulesen: "Der kennt den Ernst der Arbeit, der im Stillen am schweren Werke seine Kräfte maß. Der kennt der Arbeit Glück, der um der Arbeit Willen den Lohn der Arbeit ganz vergaß."

(RP)