Unsere Woche: Das ist doch mal eine wirklich gute Nachricht

Unsere Woche: Das ist doch mal eine wirklich gute Nachricht

Warum das nicht mehr allzu weit entfernte Aus für die Dinslakener Trabrennbahn eine gute Nachricht ist, und warum das eine entscheidende Weichenstellung für Dinslakens Zukunft bedeutet.

Na endlich, möchte man rufen. Die Stadt hat sich mit dem Trabrennverein verständigt. Am 31. Dezember 2022 ist Schluss mit dem Pferdesport am Bärenkamp. Dann kann das Gelände für eine Wohnbebauung genutzt werden.

Was das Rathaus am Dienstag mal eben so unspektakulär per dröger Pressemitteilung verkündete, ist, das darf man ohne Übertreibung sagen, eine Zäsur in der jüngeren Stadtgeschichte. Seit am 24. Juli 1954 der erste Renntag auf dem Geläuf in Dinslaken stattfand, hat sich die Trabrennbahn zu einer Institution entwickelt, die den Namen Dinslakens weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machte.

Wenn diese Geschichte Ende 2022 zu Ende geht, dann ist das rein emotional gesehen in der Tat ein schmerzhafter Einschnitt, wenn auch ein längst überfälliger, weil mit Gefühlsduselei Zukunft nicht zu gewinnen ist. Die goldenen Tage des Pferdesports, als auch auf der Halbmeilenbahn in Dinslaken Millionen umgesetzt wurden, sind lange vorbei. Spätestens seit die Stadt im Jahre 2010 den Trabrennverein, den Steuerschulden drückten, vor der Insolvenz retten musste, war eigentlich klar, dass die Zeit des Rennsports in Dinslaken endlich sein würde - auch wenn das viele, die den guten alten Zeiten nachhingen, nicht wahrhaben wollten.

Das Verdienst, Verwaltung und Politik mit der Realität konfrontiert zu haben, gebührt Thomas Palotz. Als der als Baudezernent seinen Dienst antrat, erkannte er schnell, welch gewaltiges Potenzial das Gelände in bester Lage für die Entwicklung der Stadt bieten könnte, wenn die Traber verschwänden. Und das hat er auch deutlich ausgesprochen. Dafür hat er sich seinerzeit schelten lassen müssen. Er hat sich nicht beirren lassen und die Dinge - wenn auch auf kleinerer Flamme als zu Beginn - stetig köcheln lassen.

Und siehe da: Auch der Politik dämmerte die Erkenntnis, dass manche Geschichten - selbst wenn sie lange Erfolge geschrieben haben - auch einmal zu Ende gehen müssen. Die Christdemokraten erkannten das zuerst.

Und auch sie hatten den Mut, sich zu bekennen. Auch sie haben dafür viel Kritik einstecken müssen, aber letztlich haben sie im Verein mit dem Baudezernenten die Zögerlichen wie Dinslakens Bürgermeister Michael Heidinger zum Jagen getragen.

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Nun ist es müßig, darüber zu lamentieren, ob der Bürgermeister die Dinge nicht schon viel früher hätte in Gang bringen können, ja müssen. Nur sollte man die Vorgeschichte im Hinterkopf behalten, wenn demnächst wieder jede Menge Akteure den Versuch unternehmen werden, die Vaterschaft des Erfolgs für sich zu reklamieren.

Denn die jetzt geplante Entwicklung des Trabrennbahngeländes kann aus städtebaulicher Sicht gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ein derart großes Gelände am Rande der Innenstadt fürs Wohnen zu erschließen, ist ein großer Schritt auf dem Weg, diese Stadt zukunftssicher zu machen. Damit lässt sich nicht nur dem Schrumpfungsprozess entgegenwirken, unter dem zahlreiche Kommunen inzwischen leiden und dessen Folgen vielerorts besichtigt werden können. Er dürfte auch für die Entwicklung von Handel und Gewerbe in der Stadt weitaus größere Bedeutung haben als zum Beispiel die ohne Frage wichtige Ansiedlung der Neutor-Galerie.

Voraussetzung ist natürlich, dass die Dinge vernünftig gehandhabt werden, und am Ende tatsächlich ein großer Wurf gelingt. Dafür hat die Stadt ja inzwischen eine eigene Flächenentwicklungsgesellschaft, deren neuer Geschäftsführer am Dienstag im Rat bestellt wird. Er hat jetzt gleich eine umfangreiche Hausaufgabe zu erledigen. Bis 2022 bleibt dafür ja genug Zeit.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: joerg.werner@rheinische-post.de.

(RP)