Cityreinigung in Dinslaken geht neue Wege, um den Kunststoffmüll zu reduzieren.

95 Prozent Zustimmung : Wie eine Reinigung auf Plastik verzichtet

„Mit oder ohne Verpackung?“ Das fragt die Cityreinigung von Ralf und Tanja Suchomel, um Kunststoffmüll zu reduzieren. Eine Frage, die sich lohnt. Etwa 95 Prozent aller Kunden ziehen mit.

Zwischen dicken Daunenjacken, karierten Hemden, dunklen Anzughosen und Sakkos hängt nur ein Kleidungsstück in einer durchsichtigen Plastikhülle an der Kleiderstange. Ein völlig neues Bild in der Cityreinigung von Ralf und Tanja Suchomel Am Neutor. Das Geschäft in der Dinslakener Innenstadt besteht seit 36 Jahren. Seit Januar fragen die Inhaber ihre Kunden gezielt, ob eine Verpackung der gereinigten Wäsche gewünscht sei – mit dem Ergebnis, dass die meisten darauf verzichten, der Umwelt zuliebe.

„Ohne Verpackung“ stempelt Tanja Suchomel dann in knallrot auf den gelben Laufschein für die abgegebenen Kleidungsstücke. Anlass sei das neue Verpackungsgesetz gewesen, doch Tanja Suchomel störe „schon seit Jahren diese Plastikflut“. Wie viele Obstverpackungen man wohl aus einer Plastikhülle für Kleider schaffen könne, fragt sie sich. „Alle reden nur über Plastikmüll bei Lebensmitteln, niemand spricht über die Reinigungen.“

Das wollen die beiden Inhaber ändern, mit gutem Beispiel vorangehen. Zwar gebe es auch Skeptiker, doch auf Ansprache würden die meisten Kunden auf Plastikhüllen verzichten, sagen Ralf und Tanja Suchomel.

„Wir werden nie 100 Prozent erreichen“, ist ihnen klar. Die Suchomels bieten deshalb immer noch Folienverpackungen an, sie schätzen aber, dass 95 Prozent ihrer Kunden inzwischen auf die Plastikhüllen verzichten. „Wir sind begeistert, wie gut das von den Kunden angenommen wird. Alle wollen derzeit weg vom Plastik.“

Die Idee habe sich bestätigt und das „viel schneller als gedacht.“ Kunden würden inzwischen von alleine Kleidersäcke und Körbe mitbringen, um ihre Wäsche an- und abzutransportieren.

„Viele haben ja auch beim Einkaufen schon Stoffbeutel“, sagt Ralf Suchomel. Wer noch keinen Mehrweg-Kleidersack habe, könne in der Cityreinigung für drei bis knapp fünf Euro die wiederverwendbare, schwarze Kleiderhülle erstehen. Das würden auch viele Kunden in Anspruch nehmen. Tanja und Ralf Suchomel hätten schon mitbekommen, dass andere Reinigungen überlegten, auf Plastikverpackungen zu verzichten. „Wir sind wohl mit die ersten“, sagt Tanja Suchomel.

Wie viel sie beim Verzicht auf Verpackungen sparen, hätten die Inhaber sich nicht ausgerechnet. Ihnen sei alleine der Umweltaspekt wichtig. „Die Folien sind auch nicht allzu teuer.“ Hygienische Bedenken beim Transport ohne Plastiküberzug haben sie nicht. Auch bei besonders empfindlichen Kleidungsstücken empfehle sich ein Plastiküberzug nicht zwangsläufig.

„Selbst Brautkleider werden  von den Kunden im Kleidersack angeliefert“, sagt Tanja Suchomel. „Im Prinzip kann man Gereinigtes einfach so oder in einem Kleidersack transportieren.“

Tanja und Ralf Suchomel fänden es besser, wenn der Gesetzgeber Plastikverpackungen dort komplett verbieten würde, wo Alternativen möglich sind, „etwa in der Textilreinigung“.

Solange das nicht der Fall ist, fragen die Suchomels ihre Kunden einfach weiter.

„Viele sagen, alleine kann ich nichts bewirken“, berichtet Tanja Suchomel. „Aber alle zusammen können das wohl.“

(mh)
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