Christine Westermann beim Fantastival

Dinslaken : Fantastival: Christine Westermann und die Leichtigkeit des Seins

Christine Westermann las im Rahmen des Fantastivals aus ihrem Buch „Manchmal ist es federleicht“, das sie anlässlich des Endes von „Zimmer frei“ schrieb.

Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang. Diese Erfahrung macht jeder in seinem Leben. Manchmal ist es ein Schicksalsschlag, der einen zwingt, von vorne oder zumindest unter ganz anderen Vorzeichen anzufangen, mal entscheidet man sich selbst für den Neustart. Christine Westermann hat über solche Momente des Abschieds in ihrem Leben ein Buch geschrieben. Am Mittwoch las sie aus „Manchmal ist es federleicht“ im Rahmen des Fantastivals.

Die ausverkaufte Lesung war ihre zweite im Burginnenhof. Etwas  klärte sie gleich zu Beginn: Das Thema Götz Alsmann behandele sie nur in persönlichen Gesprächen am Signierstand. Ganz so strickt hielt sie es aber mit dem Interesse an „Götzi-Mausi“ doch nicht. Am Ende ihrer Lesung stand der Abschied von „Zimmer frei“ – und da war dann natürlich auch viel von Alsmann die Rede, dessen Auftritte in den ersten Fantastival-Jahren vielen Besuchern am Mittwoch noch in Erinnerung waren.

Das Ende von „Zimmer frei“ war der Auslöser für Christine Westermann, über die leichten und schweren Abschiede in ihrem Leben ein Buch zu schreiben. Das Ergebnis ist eine Art thematische, selektive Biografie. Kein Ratgeber, wie sie betont.

Die Flucht mit den Eltern aus Erfurt in den Westen, deren Scheidung und schließlich der Tod des Vaters, als sie 13 Jahre alt war: Es sind diese traumatischen frühen Abschiede, mit denen Christine Westermann Buch und Lesung beginnt. Sie spricht von der „Kinderangst“, dass jede Veränderung eine Veränderung zum schlechten ist, auch wenn ihr weiteres Leben diese Erfahrung oft genug auch widerlegte. Die Journalistin erzählt, wie sie vor ihrem Umzug nach San Francisco fast ihr ganzes Hab und Gut bei Freunden deponierte, um später nie mehr danach zu fragen, wie sie dagegen sämtliche Möbel aus den USA nach Köln mitnahm, weil sie sich von diesen Erinnerungsstücken nicht trennen wollte. Abschied – aber nicht so ganz.

Aber Christine Westermann kennt auch Abschiede ganz anderer Art, deren Schilderungen gehören zu den heiteren Momenten des Abends. Im Leben habe sie nämlich auch gelernt, sich von Vorstellungen, Erwartungshaltungen und Ansprüchen sich selbst gegenüber zu trennen. „Ich stehe manchmal vor dem Spiegel und denke: Wieder so ein Alterschub – wie konnte das jetzt über Nacht passieren?“ Jetzt macht sie eine Mischung aus Yoga und Pilates, um beweglich zu bleiben – und trauert ihrem alten, jungen Ich nicht nach.

Aber egal, ob sie im Anzug noch Notizzettel von „Zimmer frei“ findet – oder wie Mittwoch über das Ende der Sendung liest: „Auch wenn es aufhört, ist es manchmal nicht zu Ende“. Abschied nehmen vom gänzlichen Abschied. Was auch etwas für den Abend galt: Nach Ende der Lesung verbrachte Christine Westermann noch eine sehr lange Zeit am Signierstand.

(bes)
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