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Dinslaken: Christian Hirdes jongliert mit Silben

Dinslaken : Christian Hirdes jongliert mit Silben

Musikalisch-literarisches Kabarett im Dachstudio

Heißt es nun "Christian Hirdes kommt!" oder ist der Titel seines aktuellen Programms "Kommt!" eine Aufforderung an die Freunde des musikalisch-literarischen Kabaretts? Da gerade einsilbige Wörter, sobald der Bochumer aus Mülheim/Ruhr sie für sich entdeckt hat, immer mehr als nur eine Bedeutung haben, hatten am Samstagabend im Dachstudio alle richtig gehandelt. Hirdes war da, sein Publikum war da. Gleiches galt für Gitarre und E-Piano.

Also los: Denn kaum war Hirdes auf der Bühne angekommen, war er musikalisch wieder weg: Weil er nach Darfur fuhr und in Ottawa war. Der Rap über die Menschen, die an allen Orten der Welt doch irgendwie gleich sind ("wer hier dummer ist, ist auch in Dover doofer") ließ aufblitzen, was den ehemaligen Deutsch-auf-Lehramt-Studenten ausmacht: Er ist ein Wortakrobat, der seine Silben-Jonglagen selbst musikalisch begleitet.

Was sich ja durchaus auf einen Nenner bringen lässt: Christian Hirdes liebt das Spiel mit den Klängen. "Li sah Lisa und sagte zu Si, sie sah Zu nicht am Hähnchenstand, denn da war zu." Wohl keine andere Sketchreihe verdeutlicht Hirdes Technik besser als "Lisa und ihre vier chinesischen Freundinnen Li, Si, Zi und Zu", deren Beziehungen noch komplexer geworden sind, seit Wasili Li liebt.

Dabei kann Christian Hirdes auch ganz andere Töne anschlagen. Vertreibt als Retro-Erwachsener mit der Gitarre in der Hand die Kinder, die zu Halloween um Süßes betteln, weil sie hässliche Fratzen tragen anstatt mit selbstgebastelten Laternen in der Hand an das gute christliche Tun Sankt Martins erinnern. Überhaupt sei früher selbst das Schlechte besser gewesen.

Mit einer Spende für Karl Heinz Böhm habe man die notleidenden Menschen in Afrika unterstützt und sich besser fühlen können. Heute steht die Welt vor der Tür. Hirdes wird nicht oft politisch, aber wenn er es tut, trifft er.

Schnell ein Gedicht: Das Leben einer Eintagsfliege reicht für gleich drei Zweizeiler so wie früher die Mark fürs Tomatenmark.

Dafür waren die richtigen Antworten bei "Stadt - Land - Fluss" früher auf die Stichworte des heimischen Universallexikons begrenzt. Heute findet das Internet für jeden noch so abstrusen Begriffsvorschlag noch die passende richtige Antwort.

Rhythmischer Applaus und die richtige Antwort fand auch das Publikum, als Hirdes für die Zugabe in seinen Noten blätterte: Natürlich konnte es nur einen Titel geben: "No woman in Kray."

(bes)