Dinslaken: Christen feiern gemeinsam die Erneuerung

Dinslaken : Christen feiern gemeinsam die Erneuerung

500 Jahre nach Luthers Veröffentlichungen seiner 95 Thesen beging der Evangelische Kirchenkreis Dinslaken den Abschluss des Jubiläumsjahres der Reformation mit einem Festgottesdienst.

Noch einmal hing das große Lutherporträt neben dem Altar. Ein Jahr lang wurde im Kirchenkreis Dinslaken, wie überall in Deutschland, 500 Jahre Luthers Thesenanschlag gefeiert. Am Reformationstag endete das Jubiläumsjahr auch hier mit einem Festgottesdienst in der Evangelischen Kirche Götterswickerhamm. In dessen Zentrum stand jedoch nicht Martin Luther, sondern der, auf dem die evangelische Kirche ebenso wie die katholische beruht: Jesus Christus.

"Wir haben das Jahr mit den katholischen Brüdern und Schwestern als Christusfest gefeiert", betonte Superintendent Pfarrer Friedhelm Waldhausen den ökumenischen Gedanken. "Denn jede kirchliche Gemeinschaft ohne die anderen ist eine defizitäre Gemeinschaft", erklärte in seinem Grußwort der katholische Pastor Bartholomäus Kalscheur.

Gerade in der heutigen Gesellschaft dürfe nicht das Gemeinsame von Christen sein, dass sich jeder immer weiter vom Mittelpunkt des Glaubens entferne. Später fügte Pfarrerin Susanne Jantsch an, Luther habe Erneuerung, nicht Trennung gewollt. Und so standen in dem Gottesdienst auf den Tag genau 500 Jahre nach Luthers Veröffentlichung seiner 95 Thesen der verbindende Glaube an Jesus und gemeinsame, ökumenische Aktivitäten in den Rück- und im Ausblicken. Hierbei kam die katholische Pastoralreferentin Christine Rind ebenso zu Wort wie Pfarrein Hanke Ibbeken, der Ehrenamtliche Dominik Schneider und der Botschafter der Kirchenmusik, Peter Winkel. Die Kirchenmusik hat in der lutherischen Tradition eine besondere Bedeutung. Luther selbst schrieb und komponierte und schuf damit den Grundstock der Gemeindelieder. So wie "Ein feste Burg ist unser Gott". Bachs Kantate darüber stand im Zentrum der musikalischen Gottesdienstgestaltung. Kreiskantorin Daniela Grüning leitete den Projektchor, Solisten waren Katharina Korotkora (Sopran), Barbara Ochs (Alt), Wofgang Klose (Tenor) und Thomas Busch (Bass). Es spielte das Studioorchester Duisburg.

"Ein feste Burg" singt der Chor, fest steht für Bachs Vertonung allerdings nur, das der Thomaskantor der unbestrittene Meister des Kontrapunkts ist. Statt den Gesang in einen soliden Block zu "mauern", führt er die überreich kolorierten Liedzeilen gleich zu Beginn durch eine betörend kunstvolle Doppelfuge. Später umspielen Koloraturen des Basses das choralhafte "Alles was von Gott geboren" des Soprans, geht ein freies Rezitativ ins melodisch und rhythmisch gebundene über und fegt das Orchester so lebhaft über das "Und wenn die Welt voll Teufel wäre" hinweg, dass man sich nicht sicher ist, ob hier wirklich Gut und Böse gegeneinander kämpfen oder nicht vielmehr mit Gottvertrauen dem Teufel ins Gesicht gelacht wird.

Heiter endet der Chor auch vor dem gemeinsamen "Vater unser" und Luthers "Abendsegen" mit einer an den modernen Gospel erinnernden Vertonung eines Textes von Hanns Dieter Hüsch. "Ich bin vergnügt, erlöst, befreit". Applaus zum Ende des Festgottesdienstes und damit des Festjahres in einer Schinkelkirche, die bis hoch zur Empore mehr mit Menschen gefüllt war als zu Weihnachten.

(bes)
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