Dinslaken: Caritas: Familien in der Krise stärken

Dinslaken: Caritas: Familien in der Krise stärken

Armut von Kindern in Familien mit psychischer Erkrankung wird nach Einschätzung von Martina Kröber von der Caritas zunehmend gesellschaftlich relevant. In einer Fachveranstaltung sensibilisierte der Verband für die Problematik.

In Deutschland leben etwa drei Millionen Kinder im Alter bis 18 Jahre in Familien, in denen ein Elternteil psychisch krank ist. Das ist die offizielle Zahl, wahrscheinlich sind noch weitaus mehr Kinder betroffen, wie Martina Falk vermutet, die als Psychologin in der Caritas-Erziehungsberatungsstelle Wesel arbeitet. Mitarbeiter aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen des Wohlfahrtsverbandes sind mit dem Thema konfrontiert, wie Martina Körber, Leiterin des Fachbereichs psychiatrische Hilfen bei der Caritas, berichtete. Nach ihrer Einschätzung ist diese Problematik kein Nischenthema, "betroffene Familien stehen am Rande und finden weder Gehör noch Aufmerksamkeit", doch gehe dieser Teil gesellschaftlicher Realität alle an. Am Donnerstag fand im Edith-Stein-Haus an der Duisburger Straße eine Fachveranstaltung zu diesem Thema statt, um die Caritas-Mitarbeitenden zu informieren und zu sensibilisieren.

"Psychisch kranke Eltern wollen, wie andere Eltern auch, das Beste für ihr Kind, doch sind sie beeinträchtigt, für ihr Kind zu sorgen und es zu schützen", sagte Martina Falk. Diese Beeinträchtigung äußert sich beispielsweise darin, dass sie nicht für feste Tagesstrukturen sorgen, ihr Kind eben nicht regelmäßig zur Schule schicken und ihm auch nicht regelmäßig ein Mittagessen zubereiten. In der Caritas-Erziehungsberatung werden betroffene Kinder altersgerecht aufgeklärt, was mit Mama oder Papa los. Es werde nach Unterstützungsmöglichkeiten gesucht und ein Notfallplan erarbeitet, damit das Kind nicht auf sich allein gestellt ist. Diese Jungen und Mädchen haben nach Einschätzung von Martina Falk oft "enorme Fähigkeiten, lernen sie doch früh, mit Problemen und Krisen umzugehen". Um Betroffenen zu helfen und sie zu unterstützen, setzt die Caritas innerhalb des eigenen Verbandes auf Austausch, Vernetzung und Kooperation. "Die Familie ist ein hohes Gut und sollte erhalten bleiben", sagt Vera Berger, Leiterin des Caritas-Fachbereiches Jugendhilfe. Je besser das Hilfssystem funktioniere, desto besser könnten Kinder und Familien unterstützt werden. Es gehe darum, alle Hilfen einzusetzen, damit Familien erhalten blieben.

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Zu den verbreiteten psychischen Erkrankungen gehören Depressionen, Angstzustände, Psychosen, auch litten Betroffene unter schwierigsten Lebenshintergründen. Folgen könnten Persönlichkeitsstörungen und Traumatisierungen sein. "Die Menschen werden an ihrer Seele krank", berichtete Martina Kröber. Das führe zu Beeinträchtigungen, beispielsweise in der Leistungsfähigkeit, Arbeitslosigkeit; fehlende soziale Kontakte, zunehmende Isolation können Folgen sein. Diese Menschen geraten in eine Abwärtsspirale, die oft in die Armut mündet, unter der dann auch immer die Kinder leiden. Mit ihren Diensten und Angeboten bietet die Caritas Menschen in schwierigen Lebenslagen Hilfe und Unterstützung, zeigt ihnen Perspektiven auf, wie es weitergehen kann, damit sie in ihrer Not nicht untergehen.

(hsd)
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