Voerde: Busfahrten: NIAG dünnt Angebot aus

Voerde : Busfahrten: NIAG dünnt Angebot aus

Buslinie 81 fährt zu bestimmten Tageszeiten nur noch stündlich. Wählergemeinschaft: "Erhebliche Einschränkung".

Die Niag hat auf der Buslinie 81 ihr Angebot ausgedünnt und stößt damit in Reihen der lokalen Politik auf scharfe Kritik: Die Fraktion der Wählergemeinschaft Voerde (WGV) bewertet die Tatsache, dass der Nahverkehrsanbieter den zu bestimmten Tageszeiten geltenden 30-Minuten-Takt auf der Strecke von Wesel über Friedrichsfeld nach Spellen gestrichen hat, als erhebliche Einschränkung. Dabei hat die WGV besonders den Zeitraum zwischen 16 und 19 Uhr im Blick, der für Berufspendler entscheidend ist. So bietet sich den Nutzern des aus Koblenz kommenden Regionalexpresses seit Ende Juni am Bahnhof Friedrichsfeld durch den Wegfall des Halbstundentaktes keine direkte Anschlussmöglichkeit weiter Richtung Spellen mehr. Sie müssen eine halbe Stunde warten - was den Umstieg vom Auto auf den Bus unattraktiver macht.

Die Streichung des 30-Minuten-Taktes konterkariere die Interessen der Stadt Voerde, am Friedrichsfelder Bahnhof "eine spürbare Entlastung beim Parkdruck zu erreichen", führt die WGV als weiteren Kritikpunkt an. Sie fordert die Niag auf, Einsparungen nicht auf Kosten der Fahrgäste in Voerde zu realisieren. Es sei nicht hinnehmbar, dass mit dem VRR-Eintritt der Stadt Kunden zum Dauerticket ermutigt wurden und jetzt klammheimlich das Angebot in Voerde zusammengestrichen werde.

Die WGV hält der Niag auch eine verfehlte Informationspolitik vor: Die Angebotsverschlechterung sei gegenüber der Öffentlichkeit nur durch das "heimliche Aushängen neuer Fahrpläne" geschehen. Dies stelle für ein "Dienstleistungsunternehmen im Teileigentum des Kreises Wesel ein nicht hinzunehmendes Geschäftsgebaren dar". Die Niag müsse schnellstmöglich eine Qualitätsinitiative starten, findet die WGV. Dazu gehören für sie "funktionierende, verlässliche Umstiegszeiten zwischen Bus und Bahn sowie zwischen verschiedenen Buslinien innerhalb des Stadtgebietes und absolute Transparenz".

Die Niag ihrerseits begründet die Einstellung des Halbstundentaktes auf der Buslinie 81 in beiden Fahrtrichtungen damit, dass die Nutzung dieses Angebotes äußerst gering gewesen sei. Die Zwischenfahrten seien mit Blick auf die Berufspendler vor einigen Jahren versuchsweise eingeführt worden. Doch auch die Vermutung, dass das Angebot mit der Einführung des VRR-Tarifs vielleicht für diese Gruppe interessanter werden könnte, sei nicht eingetreten. Die vor gut acht Wochen gestrichenen Zwischenfahrten seien "wirtschaftlich nicht darstellbar", sagte Günter Schlüter, Leiter der Verkehrsplanung bei der Niag auf Anfrage.

Was den Umstieg zwischen Bus und Bahn betrifft, verweist Schlüter auf das, wie er sagt, generelle Problem der unterschiedlichen Taktung: Die Bahn fahre auf der betreffenden Achse einen 20-Minuten-Takt, die Niag einen Stunden- oder maximal Halbstundentakt. Nach Einschätzung Schlüters würde es ausreichen, ab Oberhausen in Richtung Niederrhein auf der Schiene im Regionalverkehr einen auf 30 Minuten reduzierten Takt vorzuhalten - was dann wiederum "bessere Anschlüsse an den Busverkehr bieten" würde.

"Das entspräche der Nachfrage am Niederrhein", betont der Chefverkehrsplaner der Niag. Dass sich umgekehrt das Busangebot an die Zugtaktung anpasst, hält er auch aus Kostengründen für nicht machbar. Der Busverkehr müsste dafür um ein Drittel ausgeweitet werden.

Die Kritik an einer fehlenden Information der Öffentlichkeit hält er ein Stück weit für nachvollziehbar: Man hätte mit der für Voerde relevanten Veränderung "offensiver nach außen gehen müssen", stattdessen sei dies als Teil eines Gesamtpaketes für den rechtsrheinischen Bereich Großraum Wesel publik gemacht worden. Die Fahrer der Busse seien allerdings angehalten, die Fahrgäste vorher anzusprechen und auf die Änderung hinzuweisen.

Die Stadt Voerde hat die Niag laut Schlüter beteiligt. Sie wurde seiner Aussage nach Anfang April über die Pläne in Kenntnis gesetzt, eine Stellungnahme aus dem Rathaus zu der geplanten Einstellung des Halbstundentaktes jedoch habe es auch nach einer Nachfrage seinerseits nicht gegeben. Im Zuge des bei der Bezirksregierung liegenden Anhörungsverfahrens zur Genehmigung habe sich die Stadt ebenfalls nicht geäußert.

(RP)
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