Burghofbühne zeigt Brecht in Dinslaken

Dinslaken : Brechtabend mit Videoclips und Karaoke

André Roßler inszeniert an der Burghofbühne „Mutter Courage und ihre Kinder“.

(bes). Vor vierhundert Jahren begann der Dreißigjährige Krieg. Dass die Burghofbühne ihre Spielzeit 2018/2019 nun mit Bertold Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder “ eröffnet, klingt nach „gegebenem aktuellen Anlass“. Die Aktualität des Stückes um die Geschäftsfrau, die am Krieg verdienen will und dabei alles, was wirklich wertvoll ist, verliert, betont auch Regisseur André Rößler. Das historische Datum interessiert ihn dabei aber am wenigsten: „Wir arbeiten an der Entpersonifizierung der Mutter Courage als Handelsprinzip der heutigen westlichen Gesellschaft“, erklärte er im auf dem Tenterhof.

Die Zuschauer erwartet bei der Premiere am Freitag, 7. September, um 20 Uhr im Tribünenhaus der Trabrennbahn ein „Brecht-Abend“ mit Textkürzungen, die das Stück collagenartig auf seine allgemeingültigen und damit auch für die Jetzt-Zeit relevanten Inhalte konzentriert und in neuen Bildern zeigt. Eigentlich 100-Prozent Brecht, wie er die Forderungen des epischen Theaters formulierte und damit das Schauspiel in Deutschland nachhaltig veränderte.

Aber ausgerechnet da liegen die Tücken, die nicht einer gewissen Ironie des Schicksals entbehren: Zwar seien die Brecht-Erben, wenn es um die Texttreue ginge, in den vergangenen Jahren offener geworden, erklärt André Rößler, aber die Musik, mit der Paul Dessau die Song-Texte der „Mutter Courage“ vertonte, unterliegt weiterhin strengsten Auflagen einer konservatorischen Werktreue. Doch auch da hat Rößler eine Lösung in der Gegenwart gefunden: Während Brecht die Songs durch das Herablassen von bunten Stoffen aus der Handlung löste und dem Ganzen damit Revue-Charakter verlieh, lässt Rößler die Schauspieler Karaoke singen. „Wir haben trashige Momente“, sagt Dramaturgin Nadja Blank. Aber genau dieses Kaputte, Gebrochene ist es ja, was Dessau – wie Eisler und Weill – bewusst in ihre Brechtvertonungen hinein komponierten.

Modern sind auch die Video-Einspielungen, die die Überschriften von Brecht weiter pointieren: Die Handlung wird vorweggenommen, da sie die Zuschauer nicht von der eigentlichen Aussage der Szene ablenken soll. Und diese ist klar: „Mutter Courage“ seien wir alle, sagt André Rößler, Frieden und Wohlstand in der westlichen Welt basieren darauf, dass es woanders Krieg gibt.

„Mutter Courage wünscht sich den Krieg, setzt sich dafür Gefahren aus“, so der Regisseur, der Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin studierte und unter anderem 2011 bei den hessischen Theatertagen für die beste Regie und das beste künstlerische Konzept ausgezeichnet wurde. „Ein aktuelles Beispiel: die Waffenlieferungen Deutschlands mit allen ihren Konsequenzen.“

Christiane Wilke („Tintenherz“, „Der zerbrochene Krug“) übernimmt den Part der „Mutter Courage“, der nicht auf eine Hauptperson ausgerichtet ist, sondern auf Zeichen setzt, die Bilder und Gedanken in den Köpfen der Zuschauer entstehen lassen. Neben weiteren Gastschauspielern, darunter Arno Kempf, lernt das Dinslakener Publikum erstmals die neuen festen Ensemblemitglieder Philip Pelzer und Malte Sachtleben kennen, sie spielen an der Seite von Julia Sylvester (Kattrin). Jonathan Dorando und Gareth Charles sind noch in der Ausbildung. Die Musik studiert Sebastian Undisz ein, Simone Graßmann entwarf die Bühne und die Kostüme.

Karten für die Premiere im Tribünenhaus der Trabrennbahn an der Bärenkampallee gibt es im Vorverkauf für 15 Euro zuzüglich Gebühr. Abendkasse: 17 Euro.

(bes)