Burghofbühne Dinslaken zeigt mit "Fahrenheit 451" erschreckend aktuellen Stoff

Eindrucksvolle Premiere : Wenn Feuer erst Bücher und dann Menschen frisst

Mit „Fahrenheit 451“ hat das Landestheater Burghofbühne ein aktuellen Stoff auf die Bühne gebracht.

Die Zuschauer blicken auf graue Wände. Grau in Grau, so muss auch die Welt sein, in der die Akteure von Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ leben. Denn sie dürfen keine Bücher besitzen, das ist unter Strafe gestellt. Die Einrichtung eines Zimmers ist das Gegenstück von dem, was man aus Zeitschriften wie „Schöner wohnen“ kennt. Der Mensch lebt in einer spartanisch ausgestatteten Welt. Und in einer Welt, in der vieles auf den Kopf gestellt worden ist.

Menschen, die Fragen stellen, die Entwicklungen und Entscheidungen hinterfragen, landen beim Psychiater. Feuer wird nicht zum Wärmen eingesetzt, zur Produktion von Dingen, die das Leben einfacher machen. Die Flammen dienen der Zerstörung. Und die Feuerwehrmänner helfen nicht Menschen in Not, sondern legen Brände, haben das Recht in Wohnungen einzudringen, haben die Aufgabe, Bücher zu verbrennen. Selbst auf Menschen nehmen sie dabei keine Rücksicht.

„Fahrenheit 451“ ist das neue Stück des Landestheaters Burghofbühne und feierte am Donnerstagabend in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasiums Premiere. Die Zuschauer werden in die Zukunft versetzt, ein Staatsgebilde hat sich herausgebildet, in dem Kunst als Gewalt angesehen wird, Wissen eine Gefahr darstellt und beides vernichtet werden muss. Die Gesellschaft hat sich auf einen kleinsten Nenner verständigt, hat sich damit arrangiert. Komplexe oder gar politische Zusammenhänge werden nicht hinterfragt. Es reicht, wenn der Fernseher läuft.

Aber in manchen Menschen glimmt noch ein Funken und es braucht nur eine kurze Frage, einen Satz, um ein anderes Feuer zu entfachen. Um Zweifel zu sähen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Ein Warum reicht schon aus: Warum passiert etwas, warum lässt man es zu, dass eine Frau lieber mit ihren Büchern verbrennt als sie den Feuerwehrleuten zu überlassen? Warum es passieren konnte, wird deutlich, wenn man sieht, was den Menschen wichtig ist: Eine Fernsehsendung ohne Substanz, die Menschen flüchten in die Fiktion, überlassen die Realität anderen. Man greift zu Tabletten, um vor der Realität zu flüchten. Am liebsten hätte man eine Wand voller Fernseher. Anders als in den Büchern, in den Klassikern geht es in der Fernsehsendung nicht um Inhalte, werden in ihr keine Entwicklungen hinterfragt. Es geht vielmehr um die Frage, ob eine Person zu einer Feier eingeladen werden soll oder nicht. Und den meisten Menschen reicht es.

Es braucht aber nicht viel, um Zweifel zu sähen: Eine junge Frau wie Clarisse, die auf den Feuerwehrmann Guy Montag trifft, pflanzt sich mit ihren Sätzen, ihren Fragen in die Gedanken des Mannes ein. Er hinterfragt seine Arbeit, seine Beziehung, sein Leben und das führt dazu, dass er an den bestehenden Strukturen zweifelt. Und er entdeckt die Bücher.

Mirko Schombert, Intendant der Burghofbühne, sagte in seiner Begrüßung, dass sicherlich viele der älteren Premierengäste „Fahrenheit 451“ aus der Schulzeit kennen würden. Aber das Stück hat einen Bezug zur Gegenwart. Warum? Ein Blick auf die jüngsten Ereignisse in Deutschland machen es deutlich.

Mit „Fahrenheit 451“ hat die Burghofbühne ein bekanntes, aber auch einen heute noch aktuellen Stoff auf die Bühne gebracht. Die Inszenierung und das Spiel der Schauspieler kommt ohne Abschweifung daher, ist schnörkellos, das macht die Aufführung sehenswert, die Zuschauer werden abgelenkt, sie werden auf den Punkt geführt, auf das Wichtige. Das Ensemble beschert einen Theaterabend, der daran erinnert, was wichtig ist. Und dass man aufpassen muss, damit sich eine Gesellschaft nicht in eine falsche Richtung entwickelt.

Die Akteure: Philip Pelzer (Guy Montag), Maren Kraus (Clarisse, Peggy, Black), Malte Sachtleben (Hauptmann Beatty), Marie Förster (Mildred), Christiane Wilke (Mrs Hudson, Moderatorin, Holden) und Anton Schieffer (Faber). Inszeniert hat das Stück Nadja Blank, Bühnenbild und  Kostüme: Jörg Zysik; Musik: Jan Exner.

(mt)
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