Dinslaken: Burghofbühne: Den "Faust" spielt eine Frau

Dinslaken : Burghofbühne: Den "Faust" spielt eine Frau

Matthias Fontheim inszeniert Goethes Klassiker mit Friederike Bellstedt in der Titelrolle. Premiere ist am 12. September.

Die Burghofbühne eröffnet die Spielzeit 2014/2015 mit Goethes "Faust". Was hat sich Thorsten Weckherlin dabei gedacht, als er seinem Nachfolger Mirko Schombert diesen Brocken auf den Spielplan setzte? Der "Faust" als Produktion eines Landestheaters, das mit einfachen Mitteln und in kleiner Besetzung für täglich wechselnde Spielstätten inszenieren muss. Etwas gewagt, oder?

"In der Tat", pflichtet Matthias Fontheim bei. Der gebürtige Krefelder, zuletzt Intendant am Staatstheater Mainz, arbeitete an sämtlichen großen Bühnen der Republik, inszenierte allerdings erst einmal für ein Landestheater. Vor 25 Jahren Botho Strauß im LT Tübingen, noch dazu das größte seiner Art, dort, wo es nun - die Welt ist klein - Thorsten Weckherlin hingeführt hat. Und jetzt in Dinslaken den "Faust". Ohne den ganzen Bühnenzauber eines großen Hauses, finanziell straff kalkuliert, auch hinsichtlich der Besetzung.

"Aber gerade darin liegt eine Chance", sagt Matthias Fontheim und strahlt eine Energie und eine Freude aus, die neugierig auf die Umsetzung auf der Bühne macht. "Wir gehen ganz spielerisch heran, historisch geradezu wie man früher Theater vom Karren herunter machte". Fontheim zog aus nach Dinslaken und "holt es runter vom Podest, dieses größte deutsche Überding". Der "Faust" der Burghofbühne wird zur Parabel über den Menschen. Und so spielt, mit der Selbstverständlichkeit, wie Frauen heute in Gesellschaft, Beruf und Politik alle Rollen offenstehen, Friederike Bellstedt den Titelpart. "Die ersten Worte 'Habe nun ach': Man hört sie anders und neu, wenn eine Frau sie spricht", so Fontheim. "Aber Ziel ist es, dass das Publikum es akzeptiert und irgendwann nicht mehr darüber nachdenkt."

Vor ein paar Jahren ließ er Katharina Knap Richard III. spielen, es entspricht heutigem Gender-Denken. Und, natürlich, nimmt es auch den Druck des Vergleichs mit den vielen Großen, deren Interpretationen man noch im Ohr und vor Augen hat. Friederike Bellstedt arbeitet seit 15 Jahren unter dem Regisseur. Einmal den "Faust" zu spielen, hätte sie sich nie träumen lassen. Nun beantwortet sie die Frage, wie es denn so sei, mit einem knappen, aber strahlendem "toll!"

"Faust" vom Sockel zu holen, bedeutet für Fontheim auch, sich vom Bild des alten Mannes, der den Jungbrunnen sucht, zu lösen, das Spektakel der Walpurgisnacht ersatzlos zu streichen. "Die Parabel wirft die Frage nach der menschlichen Verstrickung auf. Wir sind auf der Suche, wir haben uns emotional von uns entfernt". Mephisto ist hier die Versuchung der modernen Medien- und Spaßgesellschaft. "Und es macht auch Spaß", sagt der Regisseur. Die Lust am Theater und die Lust, dieser Leidenschaft auf den Grund zu gehen, ist beim Gespräch auf der Veranda spürbar, überträgt sich auf das ganze Ensemble.

"Ich bin glücklich, dass ich Matthias Fontheim als Regisseur gewinnen konnte", sagt Mirko Schombert, der unter dessen Intendanz am Mainzer Staatstheater die Sparte Kinder- und Jugendtheater leitete. "Man merkt, dass seit er da ist eine spielerische Kreativität und positive Spannung durch den Hof wabert. Das ist der beste Einstieg, den man sich als Intendant vorstellen kann".

(RP)
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