Hintergrund: "Bufdi"-Stellen immer schwieriger zu besetzen

Hintergrund : "Bufdi"-Stellen immer schwieriger zu besetzen

Besonders im Bereich Altenpflege macht sich der Nachwuchs rar. Plätze in Kindergärten sind besser nachgefragt.

Dinslaken/Voerde (lb) Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit der Einführung im Jahr 2011 ist jeder Dritte, der einen Bundesfreiwilligendienst begonnen hat, vorzeitig ausgeschieden. Das legt eine Statistik der Bundesregierung offen. So stellen Vertreter der hiesigen Verbände die Lage dar.

"Die Frage ist, ob wir da bei allen von einem Abbruch des Dienstes sprechen können", sagt der Awo-Sprecher des Bereichs Ruhr-Mitte, Christopher Becker. Er sehe einen vorzeitigen Abbruch nur, wenn die Quittierung des Dienstes nach weniger als sechs Monaten erfolge. "Dann wird dieser nicht anerkannt. Die Quote derer, die nach so kurzer Zeit abbrechen, liegt bei unserem Wohlfahrtsverband bei ungefähr sieben Prozent, auch bei den Stellen in Dinslaken", sagt Becker. Einige "Bufdis" bei der Awo würden vier bis acht Wochen vor dem eigentlichen Ende aufhören, "weil sie dann bereits einen Studienplatz annehmen können", erklärt er. Dies sei aber auch der Sinn des Bundesfreiwilligendienstes - eine sinnvolle Möglichkeit um Zeit zu überbrücken - und daher ganz natürlich.

Bei den Albert-Schweitzer-Einrichtungen (ASE) führen die unterschiedlichen Starttermine bei Freiwilligendienst, Studium und Ausbildung immer wieder zu Problemen. "Die Stellen fangen bei uns immer am 1. September an und dauern dann genau ein Jahr. Wenn die "Bufdis" einen Ausbildungsplatz bekommen, beginnt dieser am 1. August. Mindestens einen Monat früher sind sie also schon weg", beklagt Christina Kalthoff von den ASE. Sie beschäftigt auch, dass von den insgesamt 33 Stellen immer weniger besetzt werden. "Aktuell haben wir nur 18 "Bufdis". Für die nächste Phase, ab Anfang September, stehen bislang sogar nur vier Namen auf unserem Zettel." Ein ähnliches Problem hat die Awo. "Besonders im Bereich Altenpflege fällt es uns immer schwerer, Nachwuchs zu finden", sagt Christopher Becker. Die "Bufdi"-Plätze in Kindergärten würden besser nachgefragt. Als mögliche Erklärung führt der Awo-Sprecher folgendes an: Anstelle eines freiwilligen Dienstes, zögen es viele Jugendliche vor, sofort an die Uni oder in das Arbeitsleben zu starten. Diejenigen, die keinen Platz finden, erwögen ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder eben einen "Bufdi".

Beim Deutschen Roten Kreuz in Dinslaken seien die 25 Stellen für den Dienst immer noch begehrt, sagt Kreisgeschäftsführer Markus Ivens.

Die hohe Anzahl an Personen, die den "Bufdi" abbrechen, kann er nicht bestätigen. Das Alter derjenigen, die diese Arbeit verrichten, liege meistens zwischen 17 und 21 Jahren - es komme auch schon mal vor, dass deutlich Ältere sich für den Bundesfreiwilligendienst interessierten.

"Besonders wichtig, um die Stellen besetzen zu können, sind Empfehlungen der vorherigen Teilnehmer", sagt Norman Hofmann, Pressesprecher der Johanniter Rhein-Ruhr. Nur so und durch viel Öffentlichkeitsarbeit könne verhindert werden, dass immer mehr "Bufdi"-Stellen nicht besetzt werden können.

(RP)
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