Buchtipp: Das ungewöhnliche Porträt von Amos Oz

Buchtipp : Das ungewöhnliche Porträt von Amos Oz

Amos Oz ist der derzeit international bekannteste israelische Schriftsteller. In seinen Romanen, Erzählungen und Essays streitet er immer auch für mehr Toleranz und Mitmenschlichkeit und wirbt für eine israelisch-palästinensische Aussöhnung.

Am 28.Dezember 2018 ist er in Israel einem Krebsleiden erlegen.

Nur wenige Monate nach seinem Tod erscheint in deutscher Übersetzung ein Band mit Gesprächen, die Amos Oz mit seiner langjährigen Lektorin Shira Hadad geführt hatte. Die thematisch gegliederten Gespräche gehen zurück auf regelmäßige Besuche der hochkompetenten Lektorin im Hause des weltberühmten Schriftstellers, aus denen eine Freundschaft und dieses gemeinsam erarbeitete und sorgfältig durchkomponierte Buch erwuchs. Die Gespräche zwischen Amos Oz und Shira Hadad beleuchten zunächst den literarischen Schaffensprozess des Autors und die Aufnahme seines literarischen Werks in Israel und im Ausland. Ausführlich und teilweise auch kontrovers diskutieren beide über ein zentrales Thema der Romane und Erzählungen Oz‘: Liebe, Sexualität und die Beziehung zwischen den Geschlechtern. Es folgen die Erinnerungen von Oz an seine langen Jahre im Kibbuz, in denen er sich die Freiräume für das Schreiben erkämpfen musste. Gewohnt kritisch und hochaktuell ist seine Einschätzung der derzeitigen Politik Israels, der er ein Plädoyer für mehr Offenheit und Toleranz und das Modell einer Zweistaatenlösung gegenüber stellt. Die letzte Gesprächsrunde gilt den Erfahrungen des Älter-Werdens und Oz‘ Gedanken zum Sterben – und das liest sich wie ein Abschied-Nehmen von seinen Lesern, aber auch als Lebensbilanz eines Menschen, der mit sich im Reinen war.

Die Gespräche zwischen Autor und Lektorin runden sich so zu einem facettenreichen Porträt des israelischen Autors – und zwar sowohl des Schriftstellers wie des Menschen Amos Oz. Dass sich das alles so unterhaltsam und anregend lesen lässt, ist ebenso der anschaulichen und humorvollen Diktion des Autors wie der Sachkompetenz und Klugheit seiner Lektorin zu verdanken. Am Ende legt man das Buch auch ein wenig traurig aus der Hand – weil man diesem lebendigen Gedankenaustausch gerne noch weiter zugehört hätte.

Amos Oz mit Shira Hadad: Was ist ein Apfel? Suhrkamp Verlag, Berlin 2019

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