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Dinslaken: Buche mit Nudeln

Dinslaken : Buche mit Nudeln

Aktion „Offenes Atelier“ in Duisburg: Ein Besuch bei der Dinslakener Künstlerin Regine Strehlow-Lorenz im Kultur- und Freizeitzentrum Wehofen.

Dinslaken/Walsum Die „Schlachtenbummler“ schweigen. Regine Strehlow-Lorenz hat sie in einen Alukoffer gezwängt und vor die Atelier-Tür gestellt. Der Deckel steht offen und gibt den Blick frei auf Hunderte kalkweißer Figürchen. Kunst aus dem Jahr, als Deutschland sein Sommermärchen träumte. Die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei. Die kleinen weißen Männlein bleiben. Stumm grüßen sie den Besucher. Die Künstlerin schweigt nicht. Der „Tag des offenen Ateliers“ ist zum Reden da, zum Fragen und – anders als bei einer Vernissage – geben die Künstler nicht nur Auskunft über das Wie, sie beantworten sogar bereitwillig Fragen nach dem Warum ihrer Arbeiten, erklären Hintergründe, geben Interpretationshilfen oder lassen sich beim Arbeiten über die Schulter schauen. So auch im Kultur- und Freizeitzentrum Wehofen, wo neben Regine Strehlow-Lorenz der Düsseldorfer Künstler Gert Kiessling und die Duisburger Malerin Barbara Verhoeven mit Besuchern ins Gespräch kamen.

Der Blick ins Atelier ist für Kunstfreunde deshalb so interessant, weil er so intim ist. Hier bietet sich die Möglichkeit, die persönliche Umgebung kennenzulernen, in derKünstlerinnen und Künstler arbeiten und sich inspirieren lassen. Von besonderem Reiz ist es auch, Einblick in die verschiedenen Phasen des künstlerischen Schaffensprozesses nehmen zu können. Der Besucher sieht Halbfertiges, Angedachtes und manchmal auch nur eine sich gerade aus dem Material schälende Idee, die dazu bestimmt ist, einmal Kunst zu werden.

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Regine Strehlow-Lorenz ist dafür bekannt, in ihren Arbeiten ganz alltäglichen Dingen eine neue Bedeutung zu geben. Aus profanen Dingen wie gebrauchten Teebeuteln, Lakritzstangen oder Gummihandschuhen arbeitet sie skurrile Objekte, die sie in Kisten und Kästen, Schachteln und Tüten aufbewahrt, die Regale und Schränke füllen. Darunter ist viel Verspieltes wie etwa das „Ball-Kleid“ – ein zur Kugel geformtes goldklitzerndes Top, das die Künstlerin in ein Haarnetz eingelassen und an einen Kleiderbügel gehängt hat. Darunter ist auch Hintersinniges und Doppeldeutiges wie die „Essstörung“ – ein Teewagen, auf dem Strehlow-Lorenz mit Stecknadeln und Zahnstochern gespickte Brotobjekte serviert.

Die neuste Arbeit trägt den Titel „Buche(n)“. Der Atelierbesucher stolpert beinahe hinein in die aus alten Büchern zu kleinen und großen Baumsscheiben gedrehten Papierrollen, die auf dem Fußboden zu einer großen Baumscheibe zusammengesetzt sind. Die Bücher stammen aus dem Nachlass der vor einem Jahr verstorbenen Mutter der Künstlerin. Wie lebendig die Erinnerung noch ist, zeigt das „Sägemehl“, das Regine Strehlow-Lorenz rund um den abgesägten Baumstumpf gehäuft hat: Tausende von Buchstabennudeln. Hier bricht sich wieder die Lust der Künstlerin Bahn, Sinnbilder zu schaffen. Die Botschaft ist einfach: Auch geistige Nahrung kann „satt“ machen.

Auf dem Weg zum Wald

Dem ersten „Buchen“-Stück will Regine Strehlow-Lorenz weitere folgen lassen. Das Material dürfte ihr so schnell nicht ausgehen. Auch die Schwester der Mutter hat viel gelesen. Die Bücherkisten im Wehofener Atelier müssen nur noch ausgepackt werden. Vielleicht wird ja ein Wald draus.

(RP)