Dinslaken: Bröselsteine: Gutachter warnt

Dinslaken: Bröselsteine: Gutachter warnt

Haniel-Baustoffwerke, heute Xella, haben zehn Jahre lang schadhafte Kalksandsteine hergestellt. Häuser, die damit gebaut wurden, können buchstäblich zerbröseln. Schadensersatzansprüche drohen jetzt zu verjähren.

Herbert Fahnenbruck schlägt Alarm. Der Voerder ist Diplom-Ingenieur und von der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden. Und als solcher wundert er sich, wie wenig beunruhigt die Hausbesitzer in der Region offenbar sind. Dabei hätten sie seiner Meinung nach allen Grund dazu.

Stichtag 31. Dezember 2011

Zwischen 1987 und 1997 haben die Haniel-Baustoffwerke in Kalscheuren, Ratingen und Issum schadhafte Kalksandsteine produziert, die beim Kontakt mit Feuchtigkeit zerbröseln. Häuser, die mit ihnen gebaut wurden, müssen mit immensem Aufwand saniert werden.

Und wie aus der inzwischen vom Unternehmen selbst veröffentlichen Karte (www.xella.com) hervorgeht, sind, Fahnenbruck auf Anfrage der Redaktion sagte, "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" auch Häuser in Dinslaken, Voerde und Hünxe mit den Bröselsteinen gebaut worden.

Wollen die Hausbesitzer nicht auf ihrem Schaden — im schlimmsten Fall müssen betroffene Häuser abgerissen werden — sitzen bleiben, drängt die Zeit. Denn die Schadensersatzansprüche drohen zum 31. Dezember dieses Jahres zu verjähren.

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Das Tückische ist laut Fahnebruck, dass die Schäden erst nach Jahrzehnten auftreten können, dann beispielsweise, wenn Kellerabdichtungen schadhaft werden und die Steine mit Feuchtigkeit in Berührung kommen. Solang dies aber nicht geschehen ist, kann nur im Labor geklärt werden, ob schadhafte Steine verbaut worden sind.

Mit den Jahren werden jedenfalls immer mehr Schadensfälle bekannt. "Die Zahl steigt rasant", weiß Fahnenbruck. Er verweist darauf, dass laut Xella zwischen 2002 und 2004 neun Fälle bekannt geworden sind, 2005 waren es 25, 2006 rund 80. Inzwischen sei von 382 Häusern die Rede. "Bei der Mehrzahl", schreibt Xella, handelt es sich um Reihenhäuser oder Doppelhaushälften in Duisburg und am Niederrhein.

"Xella und Haniel", so heißt es weiter auf der Homepage des Unternehmens, "werden wie bisher berechtigte Mängel unbürokratisch und kulant bearbeiten. Aus den Umständen, dass ein potenziell Geschädigter seine Ansprüche nicht bis zum 31. 12. 2011 gerichtlich geltend gemacht hat, entsteht kein Nachteil in der Schadensregulierung."

Dieses Versprechen freilich ist nicht rechtsverbindlich. Fahnenbruck rät allen Hausbesitzern, die in den entsprechenden Jahren mit Kalksandsteinen aus den Haniel-Baustoffwerken gebaut haben, sich noch vor dem Jahreswechsel juristisch beraten zu lassen.

(RP)
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