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Dinslaken: Betriebsrentner streiten gegen Thyssen

Dinslaken : Betriebsrentner streiten gegen Thyssen

Lange mussten sie kämpfen, doch nun dürfen sich die Betriebsrentner von Thyssen-Krupp über eine höhere Rente freuen. "Es gibt bald mehr Geld", verkündete Bruno Schachta.

Einige Mitglieder des Vereins "Alternativer unabhängiger Betriebsrentner" des Konzerns Thyssen-Krupp nahmen am Montag bei der Mitgliederversammlung kein Blatt vor den Mund. "Die Gewerkschaft macht gar nichts" oder "Die Betriebsrente reicht gerade einmal für die Parkuhr" hieß es. Weil die Gewerkschaft bezüglich der Betriebsrente in ihren Augen zu wenig unternahm, gründete sich der Verein vor zwei Jahren und erreichte jetzt einen großen Erfolg: Am 5. Juni setzten sich Mitglieder vor Gericht gegen den Konzern durch und erkämpften eine rückwirkende Rentenanpassung. "Thyssen-Krupp hatte ins Blaue hinein argumentiert", meinte der Vorsitzende Bruno Schachta bei der Versammlung.

Allein gelassen hätten sie sich lange gefühlt, doch über das Urteil des Arbeitsgerichts könne sich auch der Konzern nun nicht hinwegsetzen. "Es hat uns allen zu lange gedauert, und es war frustrierend. Aber das heißt jetzt, es gibt bald Geld", freute sich Schachta, wobei die Berechnung der Betriebsrente vertraglich individuell und sehr kompliziert ist, indem zum Beispiel Faktoren wie der Kaufkraftverlust einwirken. Hob das Unternehmen bislang alle drei Jahre die Betriebsrenten für eine garantierte Mindestanpassung um drei Prozent an, so fällt diese Pauschale laut Pressesprecherin Heike Neumeister bald weg: "Dann können es mehr als drei Prozent, aber auch weniger werden."

Nach einer Welle an Überprüfungsanträgen bezüglich der Betriebsrente ist dem Vorsitzenden Schachta aber dabei ein Fall bekannt, bei dem ein Betroffener von einer 32,5 prozentualen Erhöhung profitiert: "Unser Verein besteht aus 170 Mitgliedern, aber es gibt auch viele, die einen Antrag auf eine Neuberechnung gar nicht einreichen. Dabei ist das Urteil ein Millionendeal und auch Witwen können doch noch zu ihrem Geld kommen."

Der Verein gründete sich im Jahr 2012, nachdem Schachta bei sich selbst eine fehlerhafte Betriebsrentenberechnung feststellte. Er stellte den Antrag einer Überprüfung und erhielt zunächst einen für ihn abschlägigen Bescheid. Darauf zog er vor Gericht, wo er einen Vergleich ablehnte und ihm das Arbeitsgericht Duisburg im Jahr 2012 dann eine volle Anpassung auf der Grundlage des Verbraucherindexes zusprach. "Die Urteile waren Meilensteine für viele andere Betriebsrentner, bei denen eine korrekte Anpassung zu erfolgen hat", erklärte der Vorsitzende.

Informationsveranstaltung Der Verein "Alternativer unabhängiger Betriebsrentner" lädt für Donnerstag, 17. Juni, ab 11 Uhr ins Hotel Haus Garden in Walsum zur Aufklärung Betroffener ein. Auch Angehörige sind willkommen.

(gaa)