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Besonders kreativer Rathaussturm in Dinslaken

Altweiber in Dinslaken : Die Möhnen sind los – Rathaus überrannt

Da halfen nicht Absperrungen noch wilde Kampfeslust: Dinslakens Närrinnen haben das Rathaus gestürmt und danach den Sieg gefeiert.

Jubelnd reckt Stadtlieblichkeit Cora I. den großen goldenen Schlüssel in die Luft: Triumph! Das Burgtor ist gerammt, das Rathaus gestürmt, der Bürgermeister entmachtet. Und der sieht es ein. Er sage das „in aller persönlichen Betroffenheit und Ehrlichkeit“, sagt das Stadtoberhaupt: Solle die Möhne doch den Rathausschlüssel haben. „Dann darfst du dich um Bäder, Straßen, Schulen und steigende Baukosten kümmern!“ Ha!

So tapfer hatte die Rathausmannschaft die Burg zuvor verteidigt. Kreuz und quer war auf dem Aufgang zum Burghof Flatterband gespannt. Dahinter wartete in militärischer Aufmachung das Team, die „Soko Rathaussturm“. „Wir haben vier Verteidigungszonen“, erklärte Natascha Betke, sonst Flüchtlingskoordinatorin, heute mit Spielzeugpistole bewaffnet und streitlustig: „Wir werden das Rathaus nicht kampflos übergeben.“

Auf der anderen Seite skandierten die Närrinnen der Karnevalsvereine und „wilde“ Möhnen „Lasst uns rein!“ In jeder „Verteidigungszone“ hatten sie Aufgaben zu erfüllen, vorneweg Stadtlieblichkeit Cora I. von der KG Rot-Gold und Prinzessin Madeleine I. von der DKV Blau-Weiß. Sie mussten Händevoll Konfetti aneinander durchreichen. Was ja machbar wäre, wenn nicht die gegnerischen Kräfte in Sabotageabsicht mit dem Föhn dagegen anpusten würden. Sie mussten unter schwerem Beschuss von Konfetti-Werfern Ballons zum Platzen bringen. Und schließlich sollten sie auf einer um die eigene Achse drehbaren, instabilen Absperrbake Kaubonbons zum Türmchen stapeln. Empört protestierte die Lieblichkeit: „Hat mal jemand Kleber?!“Brauchte sie aber gar nicht. Die Kaubonbons ausgepackt, angeschleckt, aufeinander gepappt – und gewonnen. Rathausverteidiger Holger Mrosek raunte in sein Funkgerät: „Soko Rathaussturm an Burgherr – die sind ziemlich durchtrieben.“

Die Blau-Weiß-Prinzessinnen retten Konfetti vorm Föhn. Foto: Zehrfeld

Und weil das so ist, kapitulierte Bürgermeister Heidinger am Ende mit einer humorigen Rede. Die Möhnen hätten Luftballons platzen lassen „wie die Wahlträume von Politikern“, und sie hätten gezeigt, dass sie „beim Luftschlangenweitpusten genau so viel Wind machen“ könnten. Also: Dann schaffen sie das auch mit dem Regieren.

Erstmal ging es aber zur großen Party auf dem Altmarkt. Da feierten die Jecken bis zum frühen Abend.