Dinslaken: Berufskolleg Dinslaken feiert 125-Jähriges

Dinslaken: Berufskolleg Dinslaken feiert 125-Jähriges

1892 eröffnete die "Fortbildungsschule". Unterrichtet wurde damals in Gaststätten und Baracken. Erst 1927 entstand ein eigener Neubau an der Wiesenstraße. Heute bietet das Berufskolleg eine Vielzahl von Bildungsgängen an.

Zur Feier des 125-jährigen Bestehens hatte das Berufskolleg zahlreiche Gäste aus Politik und der Verwaltung sowie der Schulgemeinschaft eingeladen. Die bekamen nicht nur Grußworte und Reden zu hören. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich auch allerhand einfallen lassen. Eine Klasse der Höheren Handelsschule führte einen Poetry-Slam mit ihren Wünschen und Zielen vor. Schülerinnen der Fachoberschule für Sozialwesen stellten sich selbst und ihre Wünsche und Ziele in einem Video vor, und eine Berufsfachschul-Klasse Wirtschaft zeigte, was man mit den Buchstaben des Namens "Berufskolleg Dinslaken" alles anfangen kann.

Birgit Terhardt überbrachte Grüße des Landrats und der Kreisverwaltung; sie überreichte während ihrer humorvollen Ansprache dem Schulleiter ein eigens hergestelltes Kennzeichen für das Berufskolleg mit der Kombination "BK DIN 125".

Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Dinslaken, Eyüp Yildiz, betonte den Stellenwert des Berufskollegs Dinslaken für die Stadt und die Region.

Er forderte die Vertreter des Kreistages auf, mit Zuschüssen zur Finanzierung der Straßenbahnlinie beizutragen, denn die würde auch von vielen Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs benutzt. Es folgte die Präsentation einer Europakarte aus Holz, die Jugendliche der Berufsfachschule Holztechnik angefertigt hatten sowie eines Wünschebaums der Heilpädagogen, an den auch die Gäste ihre Wunschzettel hängen sollten. Weitere Ergebnisse der Projektwoche konnten in einer kleinen Ausstellung im Forum und in der Otto-Pankok-Halle besichtigt werden.

Seit nunmehr 125 Jahren gibt es die Berufliche Schule in Dinslaken. Eine lange Zeit mit vielen Höhen und Tiefen. Eröffnet wurde sie als "Fortbildungsschule" am 3. August 1892. Nur eine Klasse gab es - mit 41 Pflichtschülern und sechs freiwilligen Schülern.

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Die Unterrichtszeiten waren sonntags von 7 bis 9 Uhr sowie zwischen 16 und 18 Uhr und mittwochs von 19 bis 21 Uhr. Die Schulpflicht begann nach Eintritt in die gewerbliche Beschäftigung und endete bei Ablauf des Halbjahres, in dem der Schüler das 17. Lebensjahr vollendet hatte. In der Folge entstanden auch in Walsum (1906) und Hiesfeld (1907) Berufsschulen.

Der Unterricht fand keinesfalls in einem Schulgebäude, sondern in Gaststätten und Baracken statt. Erst 1927 wird ein eigener Schulbau an der Wiesenstraße mit zehn Klassenräumen bezogen. Ab 1937 lag das berufliche Bildungswesen zentral in der Verantwortung des damaligen Kreises Dinslaken, die für die Gebäude weiterhin bei den Städten und Gemeinden.

Mit der NS-Zeit begann auch die dunkle Zeit für die Berufsschule. Am Tag nach der reichsweiten Pogromnacht, am 10. November 1938, wurden auch in Dinslaken Gräueltaten verübt. Leopold Strauß, Lehrer und bis 1927 Leiter der Fortbildungsschule, wurde eines der vielen Opfer. SA-Männer stürmten an jenem Tag sein Haus und zerschlugen das Mobiliar. Später setzten Dinslakener Berufsschüler, die dafür eigens vom Unterricht befreit waren, die Zerstörung fort. Leopold Strauß wurde verletzt und starb im darauf folgenden Jahr an den Spätfolgen. Dem Schulleiter Erich Hildebrand wurde später vorgeworfen, diese Aktion unterstützt und seine Schüler zum Terror aufgefordert zu haben.

Während des Krieges wurden die Schulgebäude massiv beschädigt und teilweise ausgeplündert. Der Unterricht konnte erst im Dezember 1945 dezentral wieder aufgenommen werden. 60 Prozent der Lehrkräfte fehlten. 1954 wird ein neues Gebäude an der Wiesenstraße bezogen, die Schülerzahl stieg auf 3652, die Schule erhielt den Namen "Georg-Kerschensteiner-Schule". Ein zweiter Bauabschnitt mit Räumen für die kaufmännische Ausbildung und mit Werkstätten wird 1960 fertiggestellt. 1972 beziehen die "Kaufmännischen Schulen" ihr eigenes Schulgebäude an der Konrad-Adenauer-Straße. 1976 wird der Kreis Wesel gebildet, die beiden beruflichen Schulen werden zusammengelegt und erhalten den Namen "Berufliche Schulen des Kreises Wesel" oder "Berufskolleg Dinslaken".

Heute bietet das Berufskolleg eine Vielzahl von Bildungsgängen, in denen Schul- und Berufsabschlüsse angeboten werden. Doch die Ausbildungszahlen im Dualen System sinken von Jahr zu Jahr. Dank der praxisorientierten Ausbildung und der engen Vernetzung sind in nahezu allen Bildungsgängen Praktika integriert. Bei der jährlichen Job-Börse werden Ausbildungswillige und Betriebe zusammengebracht. Auch das kulturelle und soziale Engagement in der Schule wird großgeschrieben, wie auch die gesellschaftspolitische Verantwortung.

(RP)
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