Hünxe: Beim Wikingerschach fliegen die Klötzchen

Hünxe : Beim Wikingerschach fliegen die Klötzchen

Kubb-Fans aus den Hünxer Ortschaften trainieren für die Meisterschaft.

Die Hölzer klackern, wenn sie auf dem Rasen gegeneinander stoßen. Das vierte Feld wird abgesteckt, das offizielle Kubb-Training ist in vollem Gange - trotz kleinerer Regenschauer. "Habt ihr keine Arena mit Dach, das man zuschieben kann?", witzelt ein Spieler. "So wie wir in Drevenack?", ergänzt ein anderer.

Volle Konzentration beim Wurf: Kann ein Team die Holzblöcke nicht umwerfen, dann bleiben sie stehen. Foto: Heiko Kempken

Aha, die Video-Ansprache, in der sich Dietmar Hahn und Matthias Scheithauer als "Kubb-Klubb Bruckhausen" zum Gemeindemeister kürten, um die anderen Dörfer herauszufordern, hat Wirkung gezeigt: 18 Spieler sind an diesem Abend zum Mehrzweckplatz Brömmenkamp nach Bruckhausen gekommen. Allein sieben von ihnen kommen aus Drevenack, wo sich bald nach dem Bruckhausener Aufruf auch schon die "Kubb Crew Drevenack" formiert hatte. "Bruckhausen hat angefangen, das lassen wir natürlich nicht auf uns sitzen", sagt Timo Kempendorf kampfeslustig. Die Outfits des Teams sprechen für sich: Mit Wikingerhelm und Schild sind die Drevenacker angereist, sie tragen Kriegsbemalung im Gesicht und haben bereits Shirts mit ihrem Team-Namen bedrucken lassen. Die Botschaft: Ihr wollt eine Meisterschaft? Dann bekommt ihr die auch. Drevenack will gut vorbereitet sein.

Kubb ist ein Wurf- und Geschicklichkeitsspiel, wird auch Wikingerschach genannt - in der Geschichte der zur See fahrenden, kriegerischen Völker hat das Spiel wohl auch seinen Ursprung. Es geht darum, mit sechs Wurfstäben zunächst fünf Holzblöcke des gegnerischen Teams, die auf einer gegenüber positionierten Linie stehen, abzuwerfen. Der Clou: Jeder abgeworfene Holzblock wird wieder ins Feld geworfen, daran müssen sich dann die Gegner versuchen, bevor sie damit fortfahren können, die Basiskubbs an der Linie abzuwerfen. Erst wenn alle Blöcke im gegnerischen Feld abgeworfen sind, ist der Weg frei, um den König zu treffen und damit das Spiel zu gewinnen.

Auf den Spielfeldern in Bruckhausen sieht man konzentrierte Gesichter, mal ist ein Ausruf des Jubels, oft auch des Ärgers zu vernehmen, wenn ein Wurf nicht so gelingt, wie geplant. Andreas und Stephi Gerigk aus Bruckhausen kennen das Spiel aus dem Urlaub.

Sie mussten sich soeben in einer engen Partie geschlagen geben: "Wir werden jetzt trainieren", sagt Andreas Gerigk selbstkritisch. "Wir haben die ganzen Elfmeter nicht genutzt." Auf einem anderen Spielfeld ist Kirsten Baumert aus Drevenack im Einsatz - natürlich bekleidet mit Team-Shirt. "Es gibt Hochs und Tiefs. Mal gelingt einem ein toller Wurf, dann gibt es wieder einen Querschläger", sagt die Drevenackerin. Ähnlichkeiten hat Kubb mit dem Boule-Spiel aus Frankreich - das kommt an diesem Tag Jörg Spieker als Vertreter aus dem Dorf Hünxe zu Gute. "Man sieht: Der Wahnsinn hat Methode", sagt Dietmar Hahn mit Blick auf die Resonanz. Motivation und Ehrgeiz sind da - bleibt nur noch die Frage, wann denn die große Meisterschaft stattfindet. Nicht mehr in diesem Jahr, sagt Dietmar Hahn.

Aktuell gebe es noch viele andere Veranstaltungen in Hünxe und Umgebung. Stattdessen wird es am 16. September ein Kubb-Picknick geben - wo, das steht noch nicht genau fest. Dann wird natürlich auch gespielt, ganz locker. Aber bestimmt geht es auch wieder um die Dorf-Ehre.

(acf)
Mehr von RP ONLINE