Dinslaken: Beim Kochen Vorurteile abbauen

Dinslaken: Beim Kochen Vorurteile abbauen

Bei "Dinslaken kocht" lernen sich Menschen aus der Stadt und Migranten in der Küche besser kennen.

In der Küche von Kira Grafen duftet es wunderbar. Dabei hat die Organisatorin der Aktion "Dinslaken kocht" noch gar nicht so viel gemacht - laut eigener Aussage. Kochpartnerin Laetitia Desplat aus Südfrankreich widerspricht vehement, während sie in der Pfanne rührt. "Sie hat meine Anweisungen sehr gut ausgeführt", sagt die 24-Jährige lächelnd. Sie gehört zur Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund, die sich an "Dinslaken kocht" beteiligen.

"Mein Freund ist Deutscher. Ich habe ihn in Irland kennengelernt und bin ihm dann nach Deutschland gefolgt", verrät die Französin. "Ich koche sehr gerne und es ist sehr interessant, eine Kultur auch über die Küche kennenzulernen", erklärt sie ihre Teilnahme an dem Projekt. Die Idee zu diesem Ereignis, bei dem Dinslakener und Migranten als Kochpartner gemeinsam in der Küche aktiv sind, entstand aus Integrationskursen, die Menschen, die neu ins Land kommen, einen Anschluss an die Gesellschaft ermöglichen sollen.

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"Viele Menschen haben uns gefragt, wie man Deutsche kennenlernt", sagt Kira Grafen, die früher Integrationskurse gab und mit ihren ehemaligen Kolleginnen Aida Mehovic-Özgüc und Simone Röbel die Aktion "Dinslaken kocht" ins Leben gerufen hat. "Man geht gemeinsam ins Fitness-Studio, die Kinder gehen in deutsche Kindergärten aber die Migranten bleiben unter sich", erklärt Grafen weiter. Mit dem Projekt wollen sie und ihre beiden Mitorganisatoren aber nicht nur Menschen zusammenbringen, sondern auch dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Das geschieht im lockeren Tischgespräch bei Vor-, Haupt- und Nachspeise, zu denen jeweils ein Kochpaar zwei andere Kochpaare einlädt. Nach jedem Gang werden die Gruppen gewechselt, so dass jeder am Abend zwölf unterschiedlichen Menschen begegnet. Und dabei ergeben sich oft Einblicke in die jeweilige Kultur der Kochpartner - nicht nur, wenn es um das Thema Essenszubereitung geht. Auch wenn das erstmal im Vordergrund steht. Wie wird im Heimatland der Migranten gekocht? Lassen sich alle Zutaten für die regionale Küche auch in Deutschland finden?

Aber auch die Frage, wie Menschen nach Deutschland gekommen sind, ist am Tisch ein Thema. Vor zehn Monaten kam Nana Avdalova mit ihren Eltern aus Georgien nach Deutschland. Obwohl die 19-Jährige erst so kurze Zeit hier ist, spricht sie sehr gut Deutsch. Und außerdem noch Georgisch, Russisch und Jessidisch (Kurdisch). "Ich möchte später als Übersetzerin arbeiten", sagt sie. Aber eigentlich macht sie das heute schon, kümmert sich in der Fliehburg um andere Migranten, übersetzt für sie und begleitet sie zu Arztbesuchen. Außerdem hilft sie Grundschülern bei den Hausarbeiten. "Ich glaube, das hilft mir beim Lernen der Sprache. Ansonsten lerne ich mit einem Wörterbuch und versuche, jeden Tag zehn neue Worte zu lernen", sagt sie. Als Asylbewerberin hofft die junge Frau darauf, auch ihre Zukunft in Deutschland verbringen zu können. "Man weiß nicht, was passiert. Man muss auf eine Antwort auf den Asylantrag warten."

(RP)
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