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Behelfskrankenhaus entsteht in Reha-Klinik

Material von Hünxe nach Duisburg geschafft : Behelfsklinik kommt in Reha-Einrichtung

Ausrüstung, die sonst in internationale Hilfseinsätze nach Katastrophen geht, ist von Hünxe nach Duisburg geschafft worden. Derzeit gibt es 164 bestätigte Fälle von Corona-Infektionen im Kreis Wesel.

In einem Gebäude einer Duisburger Reha-Klinik soll ein Behelfskrankenhaus eingerichtet werden. Darin sollen Patienten aus anderen Kliniken versorgt werden, die ihre Betten für schwer erkrankte Covid-19-Patienten räumen müssen. Für die Ausstattung sorgen Organisationen, die sonst bei internationalen Hilfseinsätzen in Katastrophengebiete ziehen: Die I.S.A.R. Germany und der Bundesverband Rettungshunde. Am Montag haben die Helfer drei bis vier Tonnen medizinisches Material aus ihrem Lager in Hünxe nach Duisburg gebracht.

Dort wird eine Station der Rhein-Klinik im Stadtteil Laar hergerichtet. Die Behelfseinrichtung ist ausdrücklich nicht für Covid-19-Patienten vorgesehen, sondern soll Patienten aus anderen Häusern aufnehmen, die zwar noch einer stationären, aber keiner intensivmedizinischen Pflege bedürfen. Diese anderen Häuser wiederum könnten dann ausreichend Kapazitäten für Covid-19-Patienten schaffen, so die Rechnung des Krisenstabs der Stadt Duisburg.

Die Ausrüstung, die dafür zur Verfügung gestellt wird, umfasst Apparate wie etwa ein Röntgengerät, Vorrichtungen zur Sterilisation von medizinischer Ausrüstung, Geräte zur Blutgasanalyse, Ausrüstung zur Intubation von Patienten sowie Defibrillatoren. Außerdem gehören auch Desinfektionsmittel und Schutzmasken dazu. Materialien, die bei Einsätzen der Hilfsorganisation I.S.A.R. üblicherweise dazu da sind, Feldlazarette in Katastrophengebieten auszustatten. „Das ist natürlich hier genau so einsetzbar“, sagt Stefan Heine, Sprecher von I.S.A.R. „Es ist einfach ungewöhnlich – so eine Situation hatten wir noch nie.“

Natürlich seien die Umstände mit den Bedingungen bei internationalen Hilfseinsätzen, etwa nach Naturkatastrophen, nicht vergleichbar, betont I.S.A.R.-Geschäftsführer Michael Lesmeister. „Es ist eine völlig andere Welt. Wir haben Räume, die beheizbar sind, wir haben Toiletten, keine Nahrungsmittelknappheit – es ist in Deutschland eigentlich alles da.“ Nur an den medizinischen Kapazitäten werde es mangeln. „Hier geht es darum, dass die eigentlich sehr guten Voraussetzungen einfach nicht ausreichen“, macht Stefan Heine klar.

In den nächsten Tagen werden Mitglieder von I.S.A.R. und Rettungshunde-Bundesverband die Mitarbeiter der Klinik in die Handhabung der Ausrüstung einweisen.

Dass sie ihr Material jetzt innerhalb Deutschlands zum Einsatz bringen, ist den beiden Organisationen sehr wichtig, wie sie betonen. Dennoch bereitet Lesmeister die Frage Kopfzerbrechen, wie es weitergeht, wenn es in den nächsten Wochen und Monaten zu internationalen Notfällen kommen sollte. Nicht, weil die Ausrüstung jetzt anderweitig verwendet wird, sondern, weil es gar keine Einsatzkräfte gäbe. Die I.S.A.R.-Mitarbeiter – Ärzte-, Logistik- und Pflegeteams – sind allesamt ehrenamtliche Kräfte aus ganz Deutschland. Das gesamte medizinische Personal werde aber derzeit in Deutschland selbst gebraucht, man könne niemanden für Auslandseinsätze abziehen. Fünf Notfall-Truppen mit 35 bis 40 Personen gehören zu I.S.A.R. „Bei allen fünf Teams ist die Einsatzfähigkeit nicht gegeben“, sagt Michael Lesmeister.

Das Ende der Kapazitätsgrenzen ist bei den gerade erst eingerichteten Corona-Test-Zentren im Kreis Wesel bereits jetzt erreicht, beziehungsweise: Nicht direkt bei ihnen. Vielmehr mangelt es den Laboren, die die Abstriche untersuchen, am nötigen Material. Der Betrieb der zentralen Test-Stellen werde nun „ab sofort und bis auf weiteres eingestellt“, hieß es am Dienstag. Man könne derzeit nicht sicherstellen, „dass bei neu genommen Abstrichen auch der entsprechende Test auf den Coronavirus in einem Labor durchgeführt wird“.

Das betrifft auch das Zentrum, das an der Dinslakener Trabrennbahn geschaffen wurde. Alle Bürger, bei denen bislang ein Abstrich genommen wurde, sollen aber noch ein Ergebnis erhalten, versichert der Kreis Wesel. Man arbeite unter Hochdruck an einer Lösung und frage derzeit vorhandene Kapazitäten bei allen bekannten Laboren ab.

Bis Dienstagmittag ist die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen im Kreisgebiet auf 164 angewachsen. Am Montag waren es 146. In Dinslaken gab es Dienstag 18 bestätigte Fälle, wobei einer dieser 18 Patienten wie berichtet gestorben ist. In Hünxe gab es ebenfalls 18 Fälle, in Voerde 13.

Die Fallzahlen für das übrige Kreisgebiet: In Alpen sind es sechs bestätigte Infektionen, in Hamminkeln 14, in Kamp-Litfort acht, wobei ein Patient gestorben ist, in Moers 29, in neukirchen-Vluyn 13, in Rheinberg neun, in Schermbeck zwölf, in Sonsbeck einen, in Wesel 18, in Xanten fünf.