Befürworter und Gegner des Wolfs lieferten sich in Dinslaken teils hitzige Wortgefechte.

Adnan Köse hatte aufs Podium geladen : Böser Wolf, guter Wolf

Kein Tier polarisiert in der Region so sehr wie der Wolf. Adnan Köse brachte Befürworter und Gegner in einer stark besuchten Debatte zusammen. Die Gegensätze blieben, teils ging es hitzig zu.

Der große, kraftvolle, schöne Wolf reckte den Kopf in die Höhe und schien zu heulen. Das Tier zeigte deutlich Biss, und bissig ging es an diesem Abend durchaus zu. Am Eingang zum Pfarrsaal der katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist in Hiesfeld hatte Jos de Bruin, der eine Wolfauffangstation in Sonsbeck betreibt, den ausgestopften Wolf aufgestellt. Er symbolisierte auch die Liebe des Wolfsexperten zu dieser umstrittenen Kreatur, die in Deutschland streng geschützt ist und sich anschickt, auch Nordrhein-Westfalen zu besiedeln.

Jos de Bruin nahm dann auf dem Podium Platz, auf dem sich Wolfsbetroffene und Wolfsbefürworter über zwei Stunden ein kontroverses Wortgefecht lieferten, das vom Publikum im vollen Saal mit teils hitzigen Beiträgen angefeuert wurde. Filmemacher Adnan Köse, selbst Wolfsfreund, hatte die Akteure zusammengeholt, um die hiesige Streitkultur in Sachen Wolf zu versachlichen. Das gelang nur bedingt. Die Positionen – der Niederrhein ist für Wölfe zu dicht besiedelt versus es ist höchste Zeit für ein Rudel – blieben. Schäfer und Waldnutzer sowie Tierschützer und Tierfreunde haben gegensätzliche Interessen.

Jos de Bruin betreibt in Sonsbeck eine Wolfauffangstation. Er berichtet über die Arbeit mit den Tieren. Foto: mb/Martin Büttner

Nach sachlichen, die jeweilige Position darstellenden Podiumsbeiträgen wurde es zum Schluss hin schärfer. Peter Malzbender, Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu), fand den Niederrhein „supergut geeignet für Wolfsrudel“, das Land müsse den Tierhaltern halt finanziell helfen. Die Schäfer wie Maik Dünow aus Wesel (Deichbeweidung) und Florian Preis (Ruhrschäferei) hielten mit ihren Erfahrungen gegen, sprachen von ausbleibenden oder schleppend eingehenden Fördergeldern, davon, dass sie viel investierten in Zäune, die mal 90, mal knapp über einen Meter, dann wieder 1,20 Meter hoch sind und die der Wolf am Ende doch lernt, zu überspringen. Dazu sei die ruhrgebietsnahe Region zu dicht besiedelt für wandernde Rudel. Dünows Position: „Ich bin nicht gegen den Wolf, ich bin für meine Schafe.“

„Ich bin nicht gegen den Wolf, ich bin für meine Schafe“, sagt Maik Dünow. Foto: mb/Martin Büttner

Letztlich ging die Auseinandersetzung um einen einzigen Wolf, nämlich „Gloria“, die in Schermbeck und Hünxe laut DNA-Tests für Schafsrisse verantwortlich ist. Viel war die Rede von Herdenschutz, wozu auch Hütehunde zählen. Maik Dünow hat 18 von ihnen für seine 1000 Mutterschafe. Auch das hat seinen hohen Preis, ein ausgebildeter Hütehund kostet bis zu 5000 Euro, wurde berichtet. Aber nicht jede Herde ist so groß und so zusammengestellt, dass sich ein Hund zum Schutz anbietet. Und die Kleinschafhalter, die oft im Nebenerwerb oder als Hobby Tiere halten, können oder wollen sich wolfvertreibende Schutzhunde nicht leisten. Sie sind die breite Mehrheit im Kreis Wesel, nur 20 von 420 Schafhaltern sind hier hauptberufliche Schäfer mit großen Herden. Immerhin war man sich einig, dass guter Herdenschutz auch Wolfsschutz ist. Im Ruf nach einem Herdenschutzzentrum, dem Staat und mehr Geld war man sich auch einig. Aus dem Publikum kam die Frage, ob die Halter genug für den Herdenschutz tun und Fördergeld abrufen. Das ging bis zu Vorwürfen auf Fake-news-Niveau, etwa dass ein bestimmter Schafhalter, der mehrfach Schafe wegen Wolfsrissen verloren hatte, Angst vor Hunden und deswegen keine Hütetiere habe. Dem platzte daraufhin der Kragen, er stellte die für Hunde ungeeignete Struktur seines Bestandes dar und riet, sich vor den Vorwürfen erst schlauzumachen. Politisch ging es zudem einseitig zu. Nur die eigens angereist Tierschutzpartei, eine Splittergruppe ohne Entscheidungskompetenz, präsentierte sich als fundamentalistischer Wolfsbefürworter. Peter Schütz, Vize-Sprecher des Düsseldorfer Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz stand zwar auf Köses Podiumsliste, kam aber aus ungenannten Gründen nicht.

Die Experten waren sich einig, dass es besser ist, sich auf die Entwicklungen einzurichten. Die sogenannte „Entnahme“, also Tötung von Problemwölfen wie Gloria werde nicht durchschlagen, weil wandernde Wölfe nachrücken. Den 150 Jahre in Deutschland ausgerotteten Wolf wieder Lebensraum zu verschaffen sei schließlich Wille der Politik – und ein Erfolgssymbol der Naturschützer.

700 Wölfe, hieß es, gibt es schon in der Republik. Jos de Bruin, der den Wolf, sein Verhalten und seine „Sprache“ genau kennt, warb in einem faktenklugen Vortrag dafür, das Raubtier als faszinierenden Beitrag zur Arterhaltung kennenzulernen. Es wird hierzulande 40 Kilogramm schwer, wandert täglich im Schnitt knapp über 20 Kilometer und ist vom Fressverhalten kaum eine Gefahr für Haustiere.

Das überreichlich vorhandene Rotwild ist 50 Prozent seiner Beute, 25 Prozent Rotwild und nur 0,5 Prozent Schafe und Co. Es lohnt sich, mit Zaun und Strom dem Wolf zu zeigen, dass der Schafsriss zu mühsam ist. Der würde sich nach einem „Stromschlag auf die Nase“ in den Wald trollen und dort seinem Jagdinstinkt folgen.