Hintergrund: Bedarf bei Erziehungshilfe steigt weiter

Hintergrund : Bedarf bei Erziehungshilfe steigt weiter

Die Stadt Voerde rechnet in diesem Jahr mit Mehrausgaben in Höhe von rund 1,75 Millionen Euro.

Voerde (P.K.) Der Negativtrend hält an: Wie schon in den vergangenen Jahren verzeichnet die Stadt bei den Hilfen zur Erziehung nach wie vor einen steigenden Bedarf. "Wir hätten Ihnen gerne andere Zahlen präsentiert, die Entwicklung ist nicht erfreulich", sagte Bürgermeister Dirk Haarmann, als er im Jugendhilfeausschuss den Controllingbericht für den Zeitraum 1. Januar bis 31. August 2017 erläuterte.

Eine Kernursache für die steigenden Fallzahlen und den daraus für die Stadt resultierenden höheren Kostenaufwand: "Wir stellen eine zunehmende Überforderung oder mangelnde Eignung von Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder fest." Weitere Faktoren sind zunehmende Trennungen und Scheidungen und die daraus folgende Auflösung stabiler familiärer Strukturen und die aus ihrer besonderen Belastungssituation resultierende Erziehungsproblematik Alleinerziehender. Zudem steige die Zahl psychischer Erkrankungen oder Suchterkrankungen bei Kindern, Jugendlichen oder deren Eltern rapide an und nehme der Bedarf an Integrationshilfen in den Schulen stark zu.

Nach Auswertung der Zahlen für die ersten acht Monate dieses Jahres kalkuliert die Verwaltung im Bereich der Hilfen zur Erziehung im laufenden Etat mit Mehrausgaben von voraussichtlich rund 1,75 Millionen Euro.

Zwar sind, so heißt es, die Fälle, in denen eine Unterstützung durch Unterbringung in stationären Einrichtungen erfolgt, kaum gestiegen, dafür aber müssten mehr kostenintensivere Betreuungsformen in Anspruch genommen werden - was den besonderen psychischen und therapeutischen Problemkonstellationen der Kinder und Jugendlichen geschuldet sei.

Erneut deutlich gestiegen seien die Fallzahlen bei den ambulanten Hilfen zur Erziehung - was laut Verwaltung unter anderem daran liegt, dass durch die Zunahme problematischer Fälle mehrere Unterstützungsformen zeitgleich gewährt werden müssen, um den "multiplen Problemen in den teils schwer belasteten Familien entgegenwirken zu können". Auch soll so den noch kostenintensiveren stationären Maßnahmen vorgebeugt werden.

Ein weiterer Grund für die Mehrausgaben ist, dass in den Jahren 2015 bis 2017 mehr als 20 Familien und alleinerziehende Mütter mit insgesamt 46 Kindern nach Voerde zogen, für die bereits zu dem Zeitpunkt, als die Zuständigkeit wechselte, Betreuungsmaßnahme liefen. Die Kosten muss die Stadt Voerde den Kommunen, aus denen die Familien kommen, erstatten. Bürgermeister Haarmann würde sich hier "mindestens Übergangsregelungen" wünschen, wie er im Jugendhilfeausschuss betonte. Es könne nicht sein, dass eine Kommune, die sich in einer schwierigen Finanzsituation befindet, aufgrund von Zuzügen eine Haushaltssperre verhängen müsse. Zu dem Schritt hatte sich die Kämmerin vor sechs Wochen veranlasst gesehen, als klar war, dass die Ausgaben bei den "Hilfen zur Erziehung" deutlich von denen abweichen, die im laufenden Etat ursprünglich zugrundegelegt worden waren. Mit der Haushaltssperre ist es der Stadt nur noch möglich, ihre Pflichtaufgaben zu tätigen, freiwillige Leistungen sind eingefroren.

(RP)