Widerstand in Barmingholten und Schermbeck Breiter Appell gegen Flächenverbrauch trotz Klimawandel

Dinslaken / Schermbeck · In der kommenden Woche entscheidet das Ruhrparlament über die Planung für neue, große Industrieflächen, die so genannten „Kooperationsstandorte“. In einem Appell führen eine Reihe von Organisationen ein Argument gegen die Pläne ins Feld: Flächenverbrauch und ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

 Das Areal im Bereich Brinkstraße und Holtener Straße gehört zum Kooperationsstandort Barmingholten. Heute wird es landwirtschaftlich genutzt.

Das Areal im Bereich Brinkstraße und Holtener Straße gehört zum Kooperationsstandort Barmingholten. Heute wird es landwirtschaftlich genutzt.

Foto: Heinz Schild

Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen richten einen gemeinsamen Appell an die Mitglieder des Ruhrparlamentes. Sie fordern die Politikerinnen und Politiker dazu auf, dass sie sich bei der Abstimmung über die geplanten Kooperationsstandorte in ihren Regionen „klar gegen die geplante neue Flächenversiegelung von zirka 850 Hektar aussprechen“,

Das Ruhrparlament entscheidet am 25. Juni über die Ausweisung neuer, großer Industrieflächen, die so genannten „Regionalen Kooperationsstandorte“. „Von 24 aufgeführten Kooperationsstandorten mit einer Gesamtfläche von 1.260 Hektar sind mindestens zwölf Standorte mit einer Fläche von zirka 850 Hektar auf Freiflächen oder auf landwirtschaftlichen Nutzflächen geplant“, heißt es im Appell. Mit Blick auf den Klimawandel sei das „unverantwortlich“.

Die Aktiven führen das viel beachtete Urteil des Bundesverfassungsgerichts von April an. „Klimaschutz ist ein Grundrecht, und der Staat muss künftige Generationen vor dem Klimawandel schützen“, schreiben sie. „Alle politischen Entscheidungen müssen im Einklang mit den Nachhaltigkeits- und Klimazielen stehen. Das heißt, die Politik – also auch das Ruhrparlament – muss genauso weit denken, wie ihr Handeln wirkt. Denn jetzt gefällte Entscheidungen bewirken eventuell irreversible Schäden für die nächsten Jahrzehnte.“

Die Unterzeichner wenden sich direkt an die Politik: „Wir erwarten, dass auch Sie dieses Urteil bei Ihrer Entscheidung berücksichtigen und nur Kooperationsstandorte beschließen, bei denen keine zusätzliche Fläche versiegelt wird.“

Oft sei der Öffentlichkeit und Entscheidungsträgern nicht bewusst, welche Rolle „versiegelter“, also bebauter, oder unversiegelter Boden in Bezug auf den Klimawandel spielt. Bebauter Boden könne keinen Kohlenstoff mehr speichern, was den Klimawandel vorantreibe. Außerdem könne er „seine Funktion als ‚Puffer‘ gegen Klimawandelfolgen nicht mehr wahrnehmen und verstärkt damit dessen negative Folgen, wie beispielsweise verstärkte Überschwemmungsgefahr bei Starkregen oder verstärkte Hitzewellen im Sommer.

Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser habe gesagt, dass Umwelt-, Klima- und Naturschutz „Leitplanken“ des Handelns sein müssten. Und laut Umweltzustandsbericht des Landes Nordrhein-Westfalen sei es das erklärte Ziel der Landesregierung, dem Verbrauch von Freiflächen, ganz speziell der landwirtschaftlichen Nutzflächen, entgegenzusteuern.

Unterzeichner sind die Initiative Bigg in Dinslaken, die gegen den Kooperationsstandort Barmingholten kämpft, die Initiative „Rüster gegen Gewergebiet“ aus Schermbeck und die „Bürgerinitiative Industriegebiet Nordlippestraße“ aus Werne. Zu den Unterstützern gehöre inzwischen auch der „Bürgerverein Linderhausen“ aus Schwelm, meldet die Bigg. Zudem haben der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Naturschutzbund (Nabu) in NRW und die „Fridays for Future“ Duisburg den Appell unterschrieben.

(szf)
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