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Bahnhof Voerde: Beschuldigter bestreitet vor Gericht absichtlichen Stoß vor Zug

Frau an Bahnhof Voerde getötet : Beschuldigter bestreitet absichtlichen Stoß vor den Zug

Im Prozess um den Tod einer Frau am Bahnhof in Voerde hat der Beschuldigte bestritten, die 34-Jährige absichtlich vor einen einfahrenden Zug gestoßen zu haben. Er bedauere, dass die Frau tot sei, sagte der 28-Jährige.

Vor dem Prozess sagte Rechtsanwältin Marie-Helen Lingnau, die den Beschuldigten vertritt: „Bei meinem Mandanten handelt es sich um einen psychisch kranken Menschen. Ihm gelingt es erst so langsam zu begreifen, dass eine Frau gestorben ist.“

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen heimtückischen Mord vor. Der in Deutschland geborene Serbe soll die ihm völlig unbekannte Frau aus Mordlust vor den Zug gestoßen haben. Kostenpflichtiger Inhalt Die Mutter einer damals 13-Jährigen war noch im Gleisbett gestorben. Bestraft werden kann der Mann nach jetzigem Stand aber wohl nicht. Er gilt wegen einer schweren seelischen Erkrankung als schuldunfähig. Außerdem soll er Kokain konsumiert haben.

Beim Prozessauftakt behauptet der 28-Jährige, dass er nicht absichtlich gehandelt habe. „Ich würde niemals Frauen schubsen“, hieß es in einer von seiner Verteidigerin verlesenen Erklärung. „Ich kann mir nur vorstellen, dass ich mich bei ihr abgestützt habe.“ Und: „Mir tut das leid, dass die Frau tot ist.“ Am Tattag, dem 20. Juli 2019, sei es ihm schlecht gegangen. Sein Kopf habe sich gedreht, er habe geschwankt.

Am ersten Verhandlungstag sagte auch ein Zeuge aus. Er berichtet, wie er dem Beschuldigten am Tattag am Bahnhof einen Schraubendreher aus der Hand genommen und weggeworfen habe. „Ich hatte Angst, er könnte mir oder meinem Sohn etwas antun“, sagt der 32-Jährige. Vorher habe der 28-Jährige ihn angesprochen und sei ihm hinterherlaufen. „Da habe ich gesehen, dass er irgendwas versteckt hält“, sagt er. Dann habe er den Schraubenzieher gesehen.

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Der Beschuldigte habe dann die Wartenden am Bahnsteig beobachtet. „Der Typ hat abgewartet, bis der Zug immer näher kam und als die Frau vor der weißen Linie war ist er losgerannt und hat sie geschubst.“ Mit einem weiteren Zeugen habe er ihn festgehalten, bis die Polizei da gewesen sei.

Der 28-Jährige ist nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft Vater von neun Kindern. Kostenpflichtiger Inhalt Wegen Diebstahls, Körperverletzung und kleinerer Vergehen war er zuvor zu Geldstrafen verurteilt worden. Zuletzt wohnte er in Hamminkeln.

Die Staatsanwaltschaft hatte statt einer Anklage eine Antragsschrift im Sicherungsverfahren wegen Mordes gestellt. Damit droht dem Beschuldigten statt einer Gefängnisstrafe die Unterbringung in der Psychiatrie auf unbestimmte Zeit.

(Mit Material von dpa)