Dinslaken: Bahnchef: Bau der Betuwe startet 2015

Dinslaken : Bahnchef: Bau der Betuwe startet 2015

Rüdiger Grube zeigte sich am Freitag beim Ortstermin in Rees-Haldern gesprächsbereit. Große Proteste blieben aus. Die Strecke soll nach 2020 fertig sein. Pofalla: "Die Kommunen sind die Hauptgewinner."

Als am Donnerstagabend der Bahnübergang Haldern gesperrt wurde, war für viele die Sache klar: Der wird aus Sicherheitsgründen dicht gemacht, weil sich hoher Besuch mit Bahnchef Rüdiger Grube und Verkehrsminister Michael Groschek angekündigt hatte. Doch die eintägige Sperrung hatte ganz profane Gründe: Am Bahnübergang mussten Asphaltarbeiten erledigt werden — auch Grube musste einen Umweg fahren, um zum Termin am Halderner Bahnhof zu kommen.

Hier machte er sich ein Bild von der Strecke, gab sich aufgeräumt und hört sich geduldig an, was Vertreter von Bürgerinitiativen vorbrachten. Diesmal waren es erheblich weniger als beim Grube-Besuch vor zwei Jahren in Emmerich. Damals hatten viele Bürger mit Transparenten protestiert. Diesmal gab es gar keine. Johannes ten Brink aus Emmerich war daher auch etwas enttäuscht. "Wenn man schon einmal die Gelegenheit hat, die Bahnspitze hier vor Ort zu haben, sollte man die Gelegenheit auch nutzen, sich anzuhören, was er sagt", meinte der Emmericher CDU-Ratsherr. Grube nahm sich tatsächlich Zeit und hörte sich die Klagen von Michael Möllenbeck aus Mehrhoog an, der den Bahnchef die Troglösung für seinen Ort ans Herz legte. Per Handschlag versprach Grube, die Sache noch einmal zu prüfen.

Grube bedauerte die lange Diskussionsphase und fragte die Reeser Bauamtsleiterin ganz direkt: "Was könnte man künftig besser machen?" Transparente Planung und Kommunen frühzeitig einbinden, war der Vorschlag von Elke Strede.

Wenig später erläuterten die Beteiligten noch einmal die Auswirkungen der Finanzierungsvereinbarung. Die ist bekanntlich am Mittwoch unterzeichnet worden und soll den Ausbau finanziell sicherstellen. "Die Kommunen sind die Hauptgewinner der Vereinbarung", sagte Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Denn jetzt habe sich das Land verpflichtet, den Anteil komplett zu übernehmen. Was eine Kommune ohne diese Kostenübernahme zahlen müsste, erläuterte der Reeser Kämmerer Andreas Mai. Das wären 20 bis 40 Millionen Euro gewesen. "Wir hätten das gar nicht stemmen können."

Wann denn genau gebaut wird, das ist weiter die große Frage. Grube sprach davon, dass man voraussichtlich 2015 mit den ersten Maßnahmen beginnen können. "Vorhaltlich des Baurechts", wie er betonte. Mit einer Fertigstellung der Strecke sei nach 2020 zu rechnen. Von der Bahn gab es die Zusage, dass der Lärmschutz auch schon vor dem Bau des Dritten Gleises kommen kann. Wenn Baurecht vorliege, sei das möglich. Allerdings werde das nur in den Bereichen erfolgen, in denen es bautechnisch möglich ist. Es mache keinen Sinn, eine Lärmschutzmauer zu bauen, die später wieder abgerissen werden muss, weil da ein Gleis verlegt wird.

(RP)